Sonntag, 27. März 2016

and miles to go before I sleep


In dem Haufen an Katastrophen, denen ich die letzten 2 Jahre mit Anlauf und weit geöffneten Armen entgegen gerannt bin, ist eine einzige irrwitzigerweise von Jedem um mich herum unerkannt, unentdeckt geblieben.

Was maßgeblich dazu beiträgt, dass ich jetzt noch über zwei ganz wesentliche Eckpfeiler meines Lebens verfüge, nämlich

a) meine Ehe
b) meinen Job.

Eine der wirklich grandiosesten, lächerlichsten
Eigenbildfehleinschätzungen, denen ich je unterlegen bin.
Ein Bühnenstück,  so schlecht, dass jede Rosamunde-Pilcher-Verfilmung im ZDF Herzkino dagegen als glaubwürdige Doku durchgegangen wäre.

Kurz gesagt: Midlife crisis. Mann Mitte vierzig verliebt sich in eine Frau Mitte zwanzig.

Noch dazu eine, die nicht im geringsten seinem Typ Frau entspricht, die in jeglicher Hinsicht all das vermissen lässt, was ihm charakterlich an einem Menschen wichtig ist und die  -anders als ER- schon aus Gründen der beruflichen Vernunft nie und nimmer was mit ihm angefangen hätte.
Geschweige denn, dass sie mit ihm durchgebrannt wäre (das hatte er allen Ernstes erwogen).
Und mal völlig davon abgesehen, dass auch ER ihrem bevorzugten Typ Mann zu exakt 0% entsprach.

Eine Szenerie, an Würdelosigkeit und Fremdschämpotenzial fast nicht mehr zu übertreffen.

Aber bei der Herstellung von Wurst und von Gefühlen schaut der Ästhet ja besser mal weg - und so fand ich mich am 23.12. vor zwei Jahren zitternd und der Masse an Tränen nicht mehr Herr werdend über das Waschbecken im Badezimmer der Schwiegereltern gebeugt und beförderte nennenswerte Mengen an
Nasenschleimhautprodukten und körpereigenen Salzwassers in den fließenden Wasserstrahl (der diesmal nicht nur zu Bändigung der inneren Aufruhr da war, sondern auch um mein Geschluchze nach draußen zu übertönen).

Und für was?
Für den eine Stunde zuvor erhaltenen Korb von einer Frau,  mit der es kein einziges Mal Sex oder auch nur sonst irgendeine körperliche Begegnung gegeben hatte. Keinen einzigen Kuss.
Nichts. Nur Gespräche und Textmitteilungen.
Die von mir über Monate hinweg grandios fehlbewertet und fehlinterpretiert worden waren.

Und irgendwann hatte ich nicht mehr anders gekonnt, als es ihr zu sagen.
Dieses Eis, das sich sogleich über ihr Gesicht gelegt hatte.
Diese Distanz, die sich in Sekunden zwischen uns aufbaute.
Dieser Vorwurf in ihren Augen, wie ich so einen Vertrauensbruch in unserem Verhältnis hatte entstehen lassen können.
Wie ich auch nur eine SEKUNDE hatte glauben können, dass SIE was von mir gewollt hätte.

Wie nähert man sich einem Verhalten, dass man selbst nicht mehr versteht?
Dass man kopfschüttelnd rekapitulieren lässt, so als hätte man es gar nicht selbst erlebt?
Sondern als Film? Oder als Erzählung aus einem billigen Klischeeroman?

Vielleicht wollte ich "neu" geliebt werden. WARUM?
Vielleicht wollte ich neu "verstanden" werden - und mich noch einmal neu "erklären". WOZU?
Vielleicht wollte ich "ausbrechen" aus einem Umfeld, welches mich in eine nicht unerhebliche Depression hineinzuziehen ich zugelassen hatte. WOHIN?

Auch, wenn ich mit dem Abstand der Jahre diesbezüglich stabilisiert bin und wirklich grinsend auf mich in dieser Phase zurück blicken kann - ERKLÄREN kann ich mir mein Verhalten damals noch nicht vollständig. Und die Freundschaft ist ohnehin daran zerbrochen.

Ich muss noch eine zeitlang auf diesem Thema herumkauen und -grübeln, bis ich das Ganze vollständig für mich erfasst habe.
Auf diesem Weg werde ich noch etliche Meilen zu laufen haben, bis ich wieder vollständig ruhig schlafen kann und das Versprechen,  welches ich meiner Frau einmal gegeben habe, uneingeschränkt einlöse.

Kommentare:

  1. Ach, gehen Sie deswegen mal nicht zu hart mit sich ins Gericht. Bietet sich natürlich an, das klischeehaft auf die Midlife Crisis zu schieben, aber ich glaube, das wäre zu kurz gegriffen. Ich finde eher diesen Punkt interessant:

    "Vielleicht wollte ich "neu" geliebt werden. Warum?" - weil es menschlich ist. Darum. Und weil man manchmal einfach den idiotischen Wunsch nach "frischem Wind in alten Beziehungen" hegt. Was nicht heißt, dass die bisherige Beziehung schlecht war. Aber man fragt sich halt auch: Kann das alles gewesen sein? Gibt's da nicht noch irgendwas? Und glauben Sie mir, Frauen sind davor ebenso wenig gefeit wie Männer und das hat auch nichts mit dem Alter zu tun, eher mit der Beziehungsdauer. Ein "neuer Mensch" sieht einen eben anders an als der alte und manchmal möchte man halt gerne anders angesehen werden. Das ist menschlich. ;)

    LG A.

    P.S: Schön, dass Sie wieder unter den Bloggenden weilen.

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    1. Vielen Dank für Ihre freundlichen Worte. ♥

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  2. Ich denke, ich habe da gerade ein déja-vu.

    ;-)

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    1. Dr. P. !! ER LEBT !! ♥

      Jetzt wird alles gut!
      Die Welt ist also NOCH NICHT verloren...

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