Sonntag, 20. März 2016

friendzoned


Aus heutiger Sicht kaum noch nachvollziehbar, wie unglaublich scharf ich in der Schule auf Hasi war
(so nannten sie ALLE. Weil sie manchmal sogar bis in die achte Klasse hinein während des Unterrichts gedankenverloren an ihrem Daumen nuckelte. Und dabei leicht hasig aussah^^).

Also ICH fand Hasi richtig toll.
Sie hatte dunkle, runde Augen, lange glatte dunkelbraune Haare und ein supersüßes Lächeln.
Ok, und wunderschöne riesige Möpse.
Himmel, ja doch - riesig.

Lediglich ihr extrem x-beiniger Gang war eine ästhetische Katastrophe (ein Überbleibsel eines nicht ordentlich austherapierten Bänderrisses, glaube ich).
Das war aber nicht weiter schlimm, denn in meinen Phantasien war Hasi sowieso niemals gehend.
Sondern immer liegend.
Sehr viel liegend.

Oft hatte ich den langen (und verflucht steilen) 14-km-Weg zu ihr mit dem Fahrrad auf mich genommen.
Nur um ihr nahe zu sein.

(Unvergessen die Party bei ihr, als ich mich nicht an sie rantraute
und mich frustriert binnen 30 min nach Eintreffen so dermaßen volllaufen ließ,
dass ich im Garten unter die große Tanne kotzte, einige Latten vom Gartenzaun
versehentlich rausriss und von ihrem Vater auf die Wohnzimmercoch zum Ausnüchtern
getragen werden musste, welcher dann zu meiner Sicherheit bei mir blieb
und mit dem ich mich dann sternhagelblau über Falkenzucht austauschte).

Sogar später, nach der Schulzeit kam sie immer mal wieder in meinen (meinem) Kopf – beispielsweise auf der Fahrt in die Kaserne nach Roth hatte ich plötzlich an sie denken müssen.

Mitten in der Sonntag-Abend-Nato-Rallye auf der A3 hatte ich am Steuer eine dermaßene Erektion ihretwegen bekommen, dass ich erst mal auf einen Parkplatz rechts ranfahren musste^^.

Aber der eigentliche Wendepunkt in meiner Sichtweise war da schon lange zurück – der kam auf der Klassenfahrt nach Italien, Sommer 1988:
Eine Szene, wie man sie sich in den übelsten Klischees billiger Teenieromanzen nicht hätte ausdenken können:
Ein lauer Sommerabend vor unserer Herberge.
Langes Licht, welches die Gesichtszüge goldig weichzeichnet und ihr Gesicht zu einem Traum werden lässt.
Das tief ausgeschnittene Sommer-T-Shirt und die etwas zu engen Hotpants lösen kaum zu bändigende Fliehkräfte in meiner Seele aus.
Wir zwei nebeneinander über das Geländer vor dem Haus gelehnt, in tiefe Gespräche vertieft, ihr Blick Richtung Abendsonne glänzend und lächelnd.

Und ich mit klopfendem Herzen bis in den Hals.

Kurz steigt Übelkeit in mir hoch, weil ich weiß, was ich ihr jetzt gleich sagen will und dafür schon seit Minuten mit tiefen Atemzügen den Sauerstoff im Vorfeld bunkere.
Für den äußerst wahrscheinlichen Fall, dass ich gleich anschließend ohnmächtig werde.

Ich drehe mich zu ihr und will ihr sagen, dass ich sie toll finde, dass sie mir mega gefällt und dass ich gerne mehr Zeit mit ihr allein verbringen möchte, dass ich ständig daran denke, sie in den Arm zu nehmen.

Das ist der Moment, als sich ihr Mund öffnet und sie ohne den Kopf vom Blick auf die Abendsonne wegzudrehen ganz leise spricht  


„Weißt Du….DU bist der einzige Mensch, mit dem ich wirklich darüber reden kann…ich bin so lange schon verknallt in den Simmon…der Typ ist soooo heiß, ich krieg den nicht mehr aus dem Kopf….“

Und dann, endlich, dreht sie sich zu  mir hin und fragt  „Was soll ich jetzt tun?“
(Ich weiß nicht, ob Sie schon mal aus Versehen auf eine Tüte
mit restlichen Chips oder Erdnussflips getreten sind, aber ich schwöre,
links aus meiner Brust kam in diesem Moment exakt das gleiche Geräusch).

Simmon. Ausgerechnet Simmon. Dieses Riesenarschloch.
Knackige Sportfigur.
Dunkelblond, grünstrahlende Augen.
Tennis-As.
Immer strahlendweiße hohe Nike-Turnschuhe an unter der engen moonwashed Markenjeans.
War auch mehr als einmal mit dabei, als seine Gruppe sich wieder einen Spaß draus machte, mich zu bullien.


Ausgerechnet der.

„Ich brauche einen Tipp von Dir als dem Einzigen, der mal NICHTS von mir will!“

Bäm.
Hart ge-friendzoned.
Binnen 30 Sekunden.
An diesem Abend begann meine Lambrusco-Karriere, glaube ich.

Wenn Sie als Frau einem Typen so RICHTIG eine verpassen wollen, sagen Sie ihm nicht einfach, dass Sie nicht auf ihn stehen.
Oder dass Sie sich etwas Anderes vorstellen für eine Beziehung.
Oh, nein.

Wenn Sie vielleicht VERMUTEN, dass derjenige andere Gefühle für Sie hegt, schieben Sie ihn hart aber rehäugig in die friendzone.
Und beteuern, wie sehr Sie ihn ALS FREUND schätzen und dass Sie ihn NIEMALS VERLIEREN möchten - als den Freund, den er ist.

Die friendzone, sie ist ein Gefängnis, in welchem nur die schweren Fälle untergebracht sind. Eines, aus dem es keine Ausbruchsversuche geben wird.
Wer hier landet, gibt alsbald auf.

Der Freundschaft wegen. 

Und vor Allem, weil er weiß: Jeder Ausbruchsversuch wird ihn dauerhaft aus ihrem Leben entfernen.

Die freindzone hat keine Gitter, keine sichtbaren Mauern.
Sie sieht so hübsch und von außen so adrett und gepflegt aus.
Außenstehende möchten sie nur zu gerne betreten.


Für MICH war sie die HÖLLE.
Mehr als einmal.
 



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