Dienstag, 29. März 2016

Servant of the pump


Montag,
09.41 Uhr


Überlege mir, heute vormittag die seit dem letzten Herbst ununterbrochen laufende Teichpumpe
mal aus dem Morast, der sich einst Gartenteich nannte, hervorzuheben.


Das stimmt so natürlich schon mal nicht.
Tatsächlich überlege ich an seit Wochen abnehmend guten Gründen dafür, es NICHT zu tun.
Weil ich WEISS, welcher Anblick mich da erwartet. 


Beispielsweise könnte so ein schutzbietender Hinderungsgrund der Umstand sein, dass heute ein Feiertag ist.
Und man DA nicht im Garten zu arbeiten hat (Schwabenland).


Befrage zu diesem Zweck jemanden, der auch sonst alles besser weiß und mit Rat und Orientierungshilfen
dankenswert selten spart.

Die so befragte Gattin hingegen wirft -wie mir scheint etwas zu leicht spitzzüngig- ein,
dass das Reinigen einer Teichpumpe ja nun wirklich nicht mit nennenswerter Geräuschentwicklung im Garten einhergehe, nichtmal bei MIR.

Und dass demnach kaum mit nachbarschaftlicher Unbill zu rechnen sei.
Zumal unsere Vermieterin bis heute Abend aus dem Haus sei.


09.42 Uhr

Suche nägelkauend nach Gegenargumenten für die Einlassungen der Gattin, dabei zunehmend
nach argumentativem Strohfeuer greifend.

Ob das denn gut wäre für die Teichfische, die wären schließlich noch im Winterschlaf, bislang sei Keiner
an die Oberfläche gekommen. Die würde ich doch sicher aufschrecken mit dem Radau.


Gattin greift zu ihrer fertig gepackten Fitnessstudiotasche und hebt die rechte Augenbraue
mit den Worten, da wir mit offenem Schlafzimmerfenster schliefen, würden die Fische
schon täglich ab 05.30 Uhr von meinem Geschnarche geweckt, da solle ich mir
jetzt mal eher KEINE Gedanken machen.

**EXIT GATTIN**

09.52 Uhr

Stelle missgelaunt das argumentative Scheitern meiner Teichpumpenreinigungsvermeidung fest
und beschließe seufzend den Beginn der Reinigungsarbeiten für 10.00 Uhr.


10.03 Uhr

Na, jetzt aber wirklich.

10.07 Uhr

Mist. Die Jeans für die Gartenarbeit ist auch sofort gefunden.
Mist. Sie passt auch noch.
Tja. Wenn's mal läuft.


10.15 Uhr

Hocke mit schmerzenden Knien in Fleecejacke und bewollmützt auf dem Holzsteg im Garten
und fische am Stromkabel entlang unter Wasser nach der Teichpumpe.
Diese ist von außen nicht mehr als solche zu identifizieren.

Vielmehr befindet sie sich bereits in der Aktivphase ihrer Sedimentierung.
Bekomme das Scheißteil schlichtweg nicht aus dem Wasser, so voller Schlamm und Morast ist das.

10.18 Uhr

Entsinne mich mit geschlossenen Augen der wesentlichen Kinofilme meiner Kindheit:
  •  Bernhard &  Bianca - Die Mäusepolizei
  • Class
  • Die blaue Lagune
  • Star Wars  - Das Imperium schlägt zurück

Wähle gedanklich den Star Wars-Film aus (die Dagobah-Szene) und nutze lang vergessene Jedi-Kräfte,
um die Pumpe schließlich aus dem Morast zu heben.

Beginne nach dem Öffnen des Pumpengehäuses dann auch, Yodas Gesichtsfarbe anzunehmen.


10.24 Uhr

Die Einzelteile der Pumpe sind auseinander gebaut, jetzt wäre abspritzen toll.

(Man MUSS kein MANN sein, um sogar in DIESEM Umfeld noch
an Sex denken zu können, aber es hilft.)
Dazu wäre es natürlich hilfreich gewesen, VORHER den Gartenschlauch aus dem Keller zu holen.
Und vor Allem erst mal die Gartenbewässerung wieder aus dem Winterschlaf zu holen.



10.28 Uhr

Stehe mit eingezogenen Lippen im Keller vor einem Gewirr an Zuleitungen, Ableitungen, Wasseruhren
und einem Dutzend halben Möglichkeiten, diese auf- und zuzudrehen.


Finde erleichtert den bisher immer vom verstorbenen Vermieter im Frühjahr betätigten Wasserhahn für die Außenleitung.



10.29 Uhr

Die soeben erlangte Freude ist einem langen Gesicht gewichen, als ich die Rohrleitung weiterverfolge
und mich schon EIN BISSCHEN frage, wie da seither Wasser hat fließen können.










10.38 Uhr:

Finde nach längerem Suchen einen undokumentierten Hebelschalter hinter der Zentralheizung,
dessen Betätigen Fließrauschen in der Hauswand verursacht.
Eile behenden Schrittes nach draußen ums Haus herum um freudig erregt festzustellen,
dass es munter rausspritzt.


10.38,63748 Uhr

Renne noch behenderen Schrittes wieder zurück in den Keller, um den dort vergessenen Gartenschlauch sowie
dessen wichtigste 17 Kupplungsstücke und das Kopfstück mit beiden Händen in Vorhalte nach draußen zu befördern.

10.42 Uhr:

Offensichtlich sind über den Winter auch alle Dichtungsgummis sedimentiert, jedenfalls sprenkelt der frisch montierte
fest geschraubte Gartenschlauch am Hahn wie ein Fünfzehnjähriger nach dem ersten Sex.

Aber egal jetzt, Hauptsache ich kann endlich die Pumpe sauberspritzen. (da, schon wieder) 
Bei der Gelegenheit trete ich rückwärts in die Hinterlassenschaften der Nachbarskatze in unserem Rasen
(deren augenblickliche Verdauungsleistung wechselnden Qualitäten zu unterliegen scheint) und freue mich ein weiteres Mal

über fließendes Wasser im Garten zu verfügen.

10.51 Uhr:

Die gröbsten 4 Kilo Algenschlamm sind aus der Pumpe beseitigt, da fällt mir ein,

dass ich die UV-Lampe auch mal wieder auswechseln könnte.
Das sollte man eigentlich jedes Jahr machen - deshalb hab ich auch vor zwei Jahren eine Neue auf Reserve gekauft, die sich seither in der Garage auf ihren Einsatz wartend befindet.

10.55 Uhr:

Stehe fassungslos umherstarrend in der Garage und finde dort, wo ich die Ersatz-UV-Lampe wähnte, nur noch den Pflanzendünger und die Kakteenerde der Gattin, die dort letzte Woche zum Zwecke der Frühjahrsbepflanzung gewütet gewerkelt hat.

Und dabei NATÜRLICH die dort bisher liegende UV-Lampe "aufgeräumt" hat.
Ist ja klar - da liegt das Scheißteil dort ZWEI VOLLE JAHRE unbehelligt genau DORT, wo es HINGEHÖRT, und dann kommt
THE WIFEY exakt fünf Tage vor dem benötigten Einsatz und "räumt sie auf" = versteckt sie.

Halte mir die Faust vor den Mund und versuche, so zu denken wie eine Frau - wohin verdammt nochmal würde ich so eine Lampe  "aufräumen", wenn ich eine Frau wäre?


Da ich nicht drauf komme, schalte ich wieder um auf "Mann" und denke erneut nach:
"Wo wäre der aus Sicht eines Mannes absolut LETZTE Platz auf Erden, wo
so eine UV-Lampe aufzubewahren SINN machen würde?"

Erblicke sogleich die über meinem Kopf aufflammende Geistesblitzleuchte.
Schreite dann sehr männlich zur Schublade mit dem Schlagbohrer und seinen Bohraufsätzen (Metall/Beton/Holz) und finde dort die eingewickelte UV-Lampe.


11.02 Uhr:

Zurück am Teich. Zwei Schrauben fixieren die Abdeckung zur UV-Lampe.
Eine = Schlitz, die andere = Kreuzschlitz.
Beschließe, den für solche Dinge Verantwortlichen ins Arbeitslager internieren zu lassen, sobald das mit der Machtübernahme hierzulande geklappt hat.


11.15 Uhr:

Die UV-Lampe ist gewechselt, die Abdeckung zurück verschraubt, die Grobfilter mit Flüssig- und Pulverklärer getränkt, der Diffusor gereinigt.

Die Pumpe wird wieder zurück ins Dagobah-System versenkt.
Ein letzter Streifentest zur Wassserqualität - der Teich ist überraschend gut durch den Winter gekommen.
Ha, ich sags ja, MEINE PFLEGE!


11.22 Uhr:

Die völlig veralgte und verdreckte Jeans kann in die Wäsche.
Ebenso die Socken.

Beschließe mit Blick auf das doch schon fortgeschrittene Alter der Pumpe und ihren Pflegezustand, sie demnächst mal durch eine Neue zu ersetzen - das gleich Modell nochmal, nur in jünger (= sogenannter "Beckenbauer-recall").

Setze mich an den PC, finde in meiner Bestellhistorie bei den Amazonen die Pumpe wieder und lege sie schon mal auf meinen Wunschzettel, als Erinnererung.
Klicke auf meinen Wunschzettel und finde dort DIESE Pumpe DREI MAL hinterlegt - 2015, 2014 und 2013 bereits.

Aha.

'Hatte ich DIESE supergute Idee also auch schon (das Eine oder Andere) Mal.
Der Zirkel des Lebens, letztlich manifestiert er sich im Algenschlamm auf unseren Teichpumpen.



[Sie merken schon, ich brauch jetzt Alkohol.]

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