Montag, 4. April 2016

KcilbkcürnehcoW (KW 13)


Montag:

Der erste Tag der Woche, und -besser wird's nicht- schon mein Lieblingstag.
Dies aus 2 Gründen.

  1. es ist ein FEIERtag, der
  2. ohne KINDER stattfindet.

Die Osterfeiertage mit der Großfamilie waren für mich als kinderlose Tinnitussi eine...ähm...einzige Folter. Echt.



Ich hab's sowieso nicht so mit Familie, ich kenn' "Familie" nicht aus eigener Erfahrung.
Jedenfalls nicht als etwas, das zu tradieren oder als erstrebenswertes Gut zu bewahren es gälte.
Aber zwei kleine Geschwister, die sich naturgemäß entweder gegenseitig in den Haaren (meist wegen Spielzeugs) oder aber auf MIR liegen, sind etwas, was ich mal eine oder zwei Stunden ganz gut ab kann.

Aber zwei TAGE lang Geschrei und Gezeter und Gejohle gehen mir einfach tierisch auf die Nerven.
Egal, wie sehr ich die Mäuse liebe.
Immerhin, der Kleine hat ein schickes Spielzeugauto, das er mir gerne zur Verfügung stellte ;-).


Und außerdem konnte ich wieder meine onkeligen Bastelskills ausbauen,da mir mitgeteilt wurde, dass die Stofftiere UNBEDINGT EIN ZUHAUSE BRAUCHEN!!




Dienstag:

Der Tag beginnt entspannt mit dem Kampf gegen die Erdrotation, sprich: Morgenlauf mit Pedro.

Jetzt läuft Pedro aber nicht. Er spaziert.
Klagt aber jedesmal nach 300m über spannende Waden.
Ja, wen wundert's!

Nebendran trabe ich so langsam ich eben muss neben ihm her (also mit knapp über 4 km/h), mich dabei den rüstigen Rentnerinnen gegenüber zum Gespött machend, die Pedro und mich eine ums andere Mal ÜBERRUNDEN.
Und mit jeder Überrundung zunehmend mitleidiger zu dem auf der Stelle trabenden Hängebauchschwein und dem neben ihm bei 13°C wie ein Michelinmännchen in Winterjacken und Wollmütze bis zum Knie eingepackten Kumpel herüberschauen.

Verstecke mich unterwegs hinter dieser neuen Treuepunkte-Sonnenbrille (Mitbringsel der Gattin), die sonst anscheinend von mehrheitlich Hirnverbrannten getragen wird, aber wer weiß, vielleicht passt das ja ganz gut zu mir.



Nachmittags nach der Arbeit treffe ich mich mit Zimtmädchen, die zum gefühlt 47. Mal schweren Beziehungsstress mit ihrem Kamelf**** Maghreb-Freund hat (und wovon absolut JEDER bei uns weiß, wie das mit den beiden ausgehen wird) und die -das ist die gute Nachricht- nun endlich abschließend das Thema ihrer Bagde-Lord-Arbeit mit ihrem Prof besprochen hat.

Es ist DAS Thema, zu welchem genau ich ihr geraten hatte - ein sure shot für eine Frau,
'kann man fast nicht in den Sand setzen, ohne sich als Prof dem Vorwurf
des Sexismus auzusetzen. Gut gemacht!

Mit Begeisterung (also, bei MIR, jetzt) geben wir uns an die Grobgliederung und legen den Ausgang der Arbeit fest (es glaubt ja KEIN MENSCH, dass das Ergebnis einer "wissenschaftlichen Arbeit" nicht von vorneherein feststünde - das ist alles bullshit. Es geht nur noch um saubere Dokumentation und Herleitung. Aus, Ende. Freue mich auf die nächsten Wochen! Endlich mal wieder strukturiert mit dem Kopf arbeiten!)

Mittwoch:

Schulungstag. Ich habe das Hauptreferat.

Lerne zum ersten Mal ein paar Leute kennen, für die ich ab 2017 oder 2018 komplett allein -ohne Kollegen- zuständig sein könnte.
Als der LETZTE einer einst stolzen Gruppe von Spezialisten, die bis 2014 noch ZU FÜNFT waren, mache ich dann den Job allein. Also, den von allen fünfen.
Stichwort: Kostensenkungsprogramm.

Schaue fassungslos das Personal an, was da teilweise vor mir sitzt (teilweise auch liegt) und beschließe, auf die Referatmethode "keep it simple and stupid" runterzuschalten.
Stelle nach 40 min fest, dass selbst das noch dermaßen viele Rückfragen nach sich zieht, dass mein Zeitansatz von 2 Stunden nie und nimmer zu halten ist.

Eine der Frauen z.B. schafft es, die ganzen zwei Stunden über mit offenen Mund da zu sitzen.
Sie erinnert mich an Kundigunde, die Koikarpfen-Dame in unserem Gartenteich (leider verwitwet seit 2014). Wobei, das stimmt nicht, Kundigunde schließt ihr Maul zumindest beim futtern, ich kann das beweisen!

Zwei Fotos als kleine Impressionen musste ich dann doch noch machen.
Falls mal Einer nach den Gründen für meinen Amoklauf fragt^^.





Donnerstag:

Besprechung im Team. Was man halt so "Team" nennt.
Langer Tag, viel Überflüssiges.
Der Besprechungsraum ist nach unzähligen Einsparrunden bei uns im Haus übrig gebliebene Katastrophe am Rande der Zumutbarkeit.
Sonnenseite, Südlage.

Mehr als 8 Leute sollten hier schon aus Gründen des Platzes und des Luftsauerstoffs nicht drin hocken. Wir sind heute 13.
Die Luft ist so dick, sie könnten mit 5 Lufthieben ein Katanaschwert stumpf hauen.
Von der Powerpointpräsi ist fast nix zu sehen, weil der Projektor HINTER den Neonröhren hängt.
Tja, das war mal ein ganz normales Zwei-Mann-Büro, nie als Tagungsraum gedacht.

Gott sei Dank kann ich mit Recht um vier endlich abhauen, ich hab noch einen Außentermin.

Die beiden Kundengespräche dort laufen "sehr gut" und "ganz gut" und danach bleibe ich noch bis halb neun mit dem Büroleiter hocken, steige mit ihm nach Jahren verpasster Gelegenheiten endlich auf das "DU" um und lasse mir von ihm noch ein paar bislang unbekannte Horrorgeschichten über meinen gechassten Chef erzählen.
Geschichten, die eine junge Frau, in die ich mal kurz sehr verknallt war, im Nachhinein im einen noch viel schlechteren Licht erscheinen lassen.

Du lernst eben nie aus, wenn es um Menschen geht.




Freitag:

Die nächste Schulung, der nächste Workshop.
Zum Glück bin ich diesmal nur Teilnehmer. Wenngleich unfreiwillig.

Es ist einfach ein Grauen.
Die Teilnehmer haben allesamt 15+ Jahre Berufserfahrung, kommen fast alle vom gleichen Konkurrenzunternehmen zu uns und wissen natürlich alles schon.
Und das auch noch besser.
Sind ja alles seit Jahren bereits total erfolgreiche Unternehmer, erfahren, geskilled.
(Manchmal fragt man sich, wie ein Unternehmen mit Verstand SOLCHE GÖTTER
nur hat zum Konkurrenten wechseln lassen können.
Aber erstens fragt mich Keiner und zweitens ist das auch besser so)
.

Eigentlich wissen die selber nicht, was sie hier auf der Schulung sollen. So als Profis, jetzt.
Aber sie haben gelernt, was taktisch kluge Positionierung heißt, und das hört man in jeder ihrer gesprochenen Zeilen.

Sechseinhalb Stunden in der genau gleichen beschissenen Tagungslegebatterie wie am Vortag, nur wärmer, weil Wetter besser. Na super.
Noch auf dem Heimweg rufe ich die Gattin aus dem Auto heraus an und kündige ehelichen Bedarf an kühlem Bier und Sex an.
Offenbar in einem Tonfall, der Widerspruch wenig zweckmäßig erscheinen lässt.

Samstag:

Teich putzen. Fische zählen.
Endlich mal anders als im Hauptjob eine Aufgabe, bei der
  1.  die zu Behandelnden die Fresse halten und
  2.  man hinterher die Früchte der ehrlichen, eigenen Hände Arbeit begutachten kann.
Beim Frühstück regt die Gattin den Besuch des Pflanzengroßgeschäftes im Ort an.
Den Laden, in den kein Mann freiwillig einen Fuß setzt.

Zeige mich kompromissbereit, da ich heute nochmal Sex will.
Zumal ich bei der Gelegenheit ein paar Schwimmpflanzen für den Teich besorgen kann.

Die Gattin setzt argumentativ zum Finalschlag an: "Nur ein paar Kleinigkeiten, ganz bestimmt!"
Stimme endgültig zu.
Nehme ihr aber das Versprechen ab, wirklich NUR EINEN Einkaufswagen mitzunehmen.
Was sich noch als gute Entscheidung herausstellen wird.



Nachmittags bereiten wir den Besuch der Freunde und Patenkinder abends vor.
3 Kids im Haus, da sollten alle iPads und co. vollgeladen sein. Erfahrungswerte, you know.

Pedro ist noch keine halbe Stunde da, da hat er schon zwei Sekt und ein dunkles Weizen quasi eingeatmet. Sieht so aus, als könnte er heute 'ne Packung vertragen (um mal mit dem großen Philosophen Olli Kahn zu sprechen).

Als die Freunde mit den beiden Kids schon lange gegangen sind, hocken Pedro mit Frau und dem Kind immer noch da.
Weise ihn zum wiederholten Male darauf hin, dass der Kleine beginnt quengelig zu werden und sich seit einer Stunde die Augen reibt.
(total unverständlich, das Kind ist ja auch erst seit 16 Stunden wach.
Und die Uhr zeigt ja grad mal 22.50 Uhr.
Das.Kind.ist.nicht.einmal.VIER JAHRE ALT !
Aber logisch, man will ja am Sonntag mal bis zehn ausschlafen,
da wird das Kind jede Minute bis nachts "gezogen", was nur geht.)

Gieße den letzen Schluck Rotwein bei mir ein und stelle keine neue Flasche mehr auf den Tisch.
Zehn Minuten später verabschieden wir sie an der Haustür.

Sonntag:

Stehe um neun Uhr leicht gerädert auf und freue mich, von der Gattin einen Kaffee hingestellt zu bekommen.

Sie erzählt mir von diversen Vorhaben und möglichen Essensauswahlentscheidungen, die mich auch im ausgeschlafenen Zustand nicht interessieren würden.
Sehe nur ihre Lippenbewegungen, schlürfe meinen Kaffee und in einer ihrer seltenen Sprechpausen teile ich ihr mit, dass ich kein Wort verstanden habe und dieser Zustand bis nach vollständigem Konsum eines weiteren Kaffees nicht glaubwürdig wird beendet werden können.

Gattin rauscht schweigend ab und stellt mir einen zweiten Kaffee hin. Schweigend.
Sehr gut. Aufnahmefähig, die Frau.

Sie schwebt eine Stunde später mit gepackter Sporttasche aus der Haustür, während ich den Grill aus der Garage ausgrabe und zum Putzen auseinander baue.

Huiiiii, die Fettauffangschale hätte man auch mal leeren können, damals, im Herbst.
Na, egal.
Und ich muss mir wieder fest vornehmen, JEDES JAHR die Schrauben an dem Kugelgrillgestell festzuziehen, die letzten zwei Jahre waren diesbezüglich etwas, ähm, nachlässig.

Erblicke beim anschließenden Aufräumen noch im Teich einen neuen Bewohner, knapp unter der Wasseroberfläche.




Schon wieder ein Tier, das ich erst mal googlen muss^^.
Aber so oder so:  Willkommen, Larry!


Kommentare:

  1. Wunderbar! Toll, Sie wieder lesen zu dürfen. Aus Ihren Zeilen spricht soviel Humor, eine genaue Beobachtungsgabe, Reflexion und Selbstironie, Freude an Sprache, ... einfach ein Genuss. Danke!

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    1. Herzlichen Dank für Ihre freundlichen Worte `´.

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