Freitag, 15. April 2016

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Montag:

Seit ich die Ostalb -nach 2-jähriger Pause- wieder betreue, entdecke ich wieder
die Langsamkeit für mich.

Genauer gesagt entdecken auf der Strecke dorthin die Deppen mit Kennzeichen GD  (für Grandios Dämliche) Autofahrer um mich herum ihren ohnehin schon unverhältnismäßigen Bedarf an Entschleunigung nochmal ganz neu. Der Anblick meiner Stahlblechkuh muss es wohl auslösen.

Da ist dieser Einfaltshorntunnel.

'Ne tolle Sache, so ein Tunnel an und für sich (wenngleich ich mich frage, wer jetzt noch freiwillig nach GD HINEINfährt, wenn man doch unten drunter hindurchkommt.

Früher wurde ja wenigstens mal der eine oder andere Ortsfremde an unübersichtlichen Stellen
in Autounfälle verwickelt und so gewaltsam an der Weiterfahrt gehindert.
Nicht wenige Eheverbindungen und Vaterschaften enstanden in GD auf diese Art und Weise.

Aber dieser Tunnel (der ursprünglich Bud Spender Tunnel hätte heißen sollen, aber nein, man entschied sich für das, für das man sich auf der Ostalb immer entscheidet: Die Tradition.), er ist ein Mysterium.
Hell beleuchtet, gut einsehbar, gut 2 km lang und die teuerste Ortsumfahrung, die es jemals in D gegeben hat.

Und dann darf man da Tempo 80 fahren.
Man DARF.
Da steht nicht, man MUSS!

Und der Schwabe weiß ja ganz genau, was er muss nund was nicht.
So fährt er dort also 63. Genau 63 km/h.

Ich fahre IMMER hinter so einem Rübenbauern in seinem Daimler her, ich stell den Tempomat schon vorher drauf ein: 63.
Es sind ja drei (3!) Blitzer auf den 2200m montiert, da will man besser nix riskieren.
No ned hudla.

Die Bissspuren in meinem Lenkrad, ich werde sie irgendwann der Audi-Werkstatt erklären müssen.


Dienstag:

Tolle Telefonkonferenz gehabt auf der Arbeit.

Das Thema war die Versorgung im öffentlichen Dienst und ihre Lücken.
Der Referent - ein ausgewiesener Kenner der Materie.
Daher leider spürbar "ÖD-angehaucht".

Die Zuhörer (ca. 300 an der Zahl) - leider eher nicht so.
Die Fragen im chat daher wenig qualifiziert bzw. von prominenter Kenntnislosigkeit zeugend.
Und an der Stelle muss ich als selbst häufig Referierender auch mal offen zugeben:
JA, es GIBT dumme Fragen.
Mein Gott, ja, und wie viele davon!

Und so schmeißt ein erkennbar entnervter Referent nach Ende der Telefonkonferenz sein
Headset in die Ecke und brüllt was von hirnverbrannten Arschlöchern und grenzdebilen Vollidioten, die sich da bei uns auf so ein Onlineseminar anmelden würden.

Ok, ihm und den Co-Moderatoren HÄTTEN die sofort durchratternden Chatmessages auffallen KÖNNEN.
Die ihnen im Dutzend mitteilten, dass DAS MIKROFON NOCH AUF SEI.

Aber da war's dann auch schon egal.
Wie der große Philosoph Oliver Kahn schon sagte: Jeder fängt mal 'ne Packung.
Und dieser Referent wohl seine Letzte bei uns.

Aber wie hieß es so schön in der BILD vor ein paar Jahren?
"Jede Wahrheit braucht einen Mutigen, der sie ausspricht."


Mittwoch:

Exakt um 07.56 Uhr springt im Nachbargarten eine Motorsäge an.
Wundervolles Geräusch, dieses Fichtenmoped.
Zumindest wenn man Michael Myers oder so heißt.
Heiß' ich aber nicht.

Wenn's denn eh schon over ist mit dem Schlaf, dann kann man ja auch gleich aufstehen, die SS20-mäßige Morgenlatte schon mal bisschen in der Wohnung ausführen mit Zielrichtung Espressoautomat.
Ziehe mich nach dem Doppio an und fahre Brezeln holen.
Der vergrippten Gattin Laune nicht durch ein unbotmäßiges Frühstück noch weiter zu verschlechtern ist heute mein Primärziel für den Vormittag.

Kehre 15 min später mit erfolgreich erjagten Backwaren heim und die Kettensäge in Nachbars Garten ist immer noch auf volle Pulle.
Mir ein Rätsel, wie die Gattin immer noch seelenruhig dabei schlafen kann, mit dem Schlafzimmerfenster zum Nachbarsgarten hinaus liegend.

Nächster Kaffee. 10 min später steht die zerzauste Gattin gähnend im Türrahmen und streckt sich.
Wundervoll geschlafen habe sie.
Und das ENDLICH MAL IN RUHE.
Weil ich durch mein frühes Aufstehen heute sie ENDLICH MAL NICHT WACHGESCHNARCHT HÄTTE.

In diesem Moment setzt die Kettensäge in Nachbars Kirschbaum zum großen Finale an und meine explizite Antwort geht im knatternden Getöse unter.
Gut so.
'War eh nicht sonderlich freundlich.



Donnerstag:

Team Building im Job. Mit Auswärtsübernachtung.
Ich und teamfähig? Die lernen's echt nicht mehr.
Welch' eine Geldverschwendung. Aber ok, netter Versuch.

Vor Allem auch, weil gerade die NEUEN Kollegen sich abends allesamt vom Acker machen und in ihre Häuser und Wohnungen gleich um die Ecke - abreisen.
Also sitzen genau DIE nach dem Abendessen beisammen, die da IMMER  hocken - der Büffel und ich.
Sowie die neue Chefin.
Ergreife gleich die günstige Gelegenheit und rege eine Grillfeier an.
Idealerweise bei IHR im Garten.
Wo sie doch dieses Jahr einen runden Geburtstag habe.
Nicht wahr.
Wie überzeugend ich manchmal sein kann.
Hat sich schon ausgezahlt, jetzt eine FRAU als Chef zu haben.

Am nächsten Tag erzählt die Team-Trainerin was von change management:
Wenn man mit Geschäftspartnern ANDERS zusammenarbeiten wolle, dann müsse man
die SO adressieren, als hätte man das Ziel bereits erreicht.

Und ich so: HÄÄÄÄÄ??!?!

Und sie so: Ja, schauen Sie, wenn Sie jemanden in die digitale Welt begleiten wollen, dann müssen Sie mit ihm so reden, als sei er dort quasi schon angekommen!

    --Stille--

Und ich dann wieder: Sie meinen, es würde dem Schwein beim Leckerwerden schon im Vorfeld helfen, wenn ich es gleich als "Krustenbraten in Dunkelbiersauce" adressiere?!

Sogleich wurden 15 min Seminarpause ausgerufen.
Komisch eigentlich.


Freitag:

Komme vom Seminar heim und die Gattin leidet immer noch an ihrer Angina.
Taschentuch-, Tee- und Gurgellösung-Bestände wurden deutlich dezimiert.
Setze mich zu ihr ins Wohnzimmer und wir gucken was über Genetik und Designerbabies
(was ja in sich schon mal ein Scheißthema ist).

Blöderweise kommt das auf einem der Sender, der jede Minute mal kurz Ton- und Bild-Artefakte produziert, weil irgendwas mit dem Verstärker unseres Kabelfernsehens nicht stimmt (aber erst
seit 8 Jahren - das ist ja das Tolle daran, wenn der eigene Schwager Fernsehtechniker ist!).
Parallel dazu hustet die Gattin alle 30 Sekunden.
Wirklich alle 30 Sekunden.

Stellen Sie sich vor, Sie gucken einen Film, und alle 30 Sekunden hustet Einer und alle 45 Sekunden stocken Ton und Bild.

Bin eigentlich nur aus Liebe auf dem Sofa hockengeblieben.
Bzw. weil's auch noch Erdnüsse gab.

Samstag:

Die Rolläden rattern satt auf Knopfdruck nach oben, die müden Augen schauen raus - aha?
Da steht 'ne Zwergziege im Garten.

Ich gucke Ziege an (Bademantel!), Ziege guckt mich an.
'Bemerkt vollinhaltlich zutreffend, dass sie Scheiße gebaut hat und verlässt mit jeder Antilope zu Ehren gereichenden Sprüngen unseren Garten.
Gehe raus, um das frisch angepflanzte Kräuterbeet der Gattin zu kontrollieren - zum Glück Alles noch da.

Nur der Efeu der Vermieterin, ermmm,... fehlt.
Klasse, 'brauch ich DEN auch schon wieder nicht zurückschneiden, sehr praktisch.


Sonntag:

Kommunionstag von unserem Patenkind Nummer [hab-ich-vergessen].

Mal ganz davon abgesehen, dass sich beim Umfang der KommunionsGESCHENKE seit MEINEN Kindertagen offenbar ERSTAUNLICHES getan hat (die Gattin musste beim Abholen des Geschenkes auf der Post die Rückbank im Auto umlegen) ist das heute irgendwie ja auch keine Sache mehr, die in zwei oder drei Stunden abgehakt ist.

Neeneee!

Sie dürfen zunächst irgendwann um 7 Uhr morgens aufstehen (S-O-N-N-T-A-G!!), denn MC Katholenpfaffe legt ja bereits ab neun Uhr in seinem Paradise-Entry-Club auf, da müssen Sie pünktlich am Start sein, sonst gibt's weder Parkplatz noch Sitzplatz!

Wenn Sie dann mal so in der Kirche hocken und die anderen Eltern in den Bänken drumrum so ansehen, kriegen Sie sofort massive Lust auf keine Kinder. Schon um den Einzellern hier nicht auf dem Elternabend im Kindi zu begegnen.

Die fette Qualle mit den kahlrasierten Schläfen in der Parallelbank beispielsweise.
Hat erkennbar noch nie 'nen Anzug getragen, kaugt dafür Kaugummi in der Kirche und trägt abwechselnd 3 Kinder auf'm Arm oder am Bein.
Frage mich erstaunt, wer DEN 3x rangelassen hat.
Sehe einige Minuten später SIE.
Und dann wird's mir klar.
Schicksalsgemeinschaft.

Die setlist von MC Pfarrer ist heute lausig.
Die Lieder kennt keine Sau außer dem krächzenden Scheintoten schräg hinter mir und ich muss indigniert feststellen, dass die Qualität und der Glanz der Feierlichkeiten seit meinen Tagen als katholischer Ministrant massiv gelitten haben.

Das einst klerikal-ehrfurchtseinstimmende Liedgut meiner Kindertage ist einem belanglosen GrandPrix-Lalala gewichen, mit lächerlichen Tonfolgen und Versgut, das diesen Namen nicht mal ansatzweise verdient.
Kein Wunder, dass den Ort hier KEINE SAU MEHR freiwillig aufsucht.
Zumal der hängende Christ am Kreuz einen Schatten wie ein Einhorn wirft.


Dass gegen Ende der fast zweistündigen Katholen-Triathlons (stehen-knien-sitzen)  (wobei: Kindergartentheateraufführung hätte besser gepasst) der MC sich mit ausgebreiteten Armen vorne hinstellt und den ZWEITEN TEIL der Feier hier in der Kirche für heute abend 17.30 Uhr ankündigt, halte ich erst für einen super gag.
Bis ich an den umstehenden Gesichtern merke - der meint das ernst.
Die kommen hier ALLE NOCHMAL HER heute abend!
Aber nicht mit mir, Freunde.

Bin eine halbe Stunde später im Gasthaus der ERSTE, der sein Bier bestellt und auch der Erste, der es geleert zurückgibt.
Verdient ist verdient.

Kann es KAUM ERWARTEN, bis das NÄCHSTE unserer Patenkinder zur Kommunion geschleift wird.
Wenn es doch nur ein paar weniger wären.


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