Samstag, 21. Mai 2016

Basilikummonster


Das Problem mit dem Kaffee morgens ist, dass hierzu die Kaffeemaschine eingeschaltet werden muss.
Was diejenigen unter Ihnen, die DAS jetzt überrascht, schlagartig zur Minderheit macht.

Unser Kaffeemonster allerdings ist -aus Beweggründen, die einzig und allein die Gattin zu vertreten hat- italienischer Provenienz mit niederländischer Mutter, die von sich schreibt, sie sei führender Anbieter im Bereich der Gesundheitsvorsorge.
Eingedenkt der unzähligen Wundmale, die ich mir
an dem Teil schon zugefügt habe, wenig glaubwürdig.

Seine italienischen Designer hatten beim Entwerfen jenes von außen erst mal recht hübschen Vollautomaten offenbar unbotmäßig dem Alkohol sowie der genussvollen Begleitung leicht bekleideter weiblicher Hostessen zugesprochen.

Anders ist der in weiten Teilen praxisferne und von denkenden Hirnmassen weit entfernte Aufbau dieser Maschine nicht zu begründen (und Männer MÜSSEN es gewesen sein, keine Frau käme -in noch so schlimmen, zykleninduzierten Phasen eingeschränkter Urteilskraft- auf ein DERMAßEN bescheuertes Design).

Nämlich unter Anderem, dass der Einschaltknopf AUF DER RÜCKSEITE der Maschine angebracht ist.
Ganz unten und ganz hinten.

Ich darf sagen, dass schon im halbkomatösen Zwischenweltszustand der ersten 30 min morgens nach dem Weckerklingeln diesen Knopf tastend zu finden ähnliche Komplexität aufweist wie die Lokalisierung des weiblichen G-Punktes (zumindest zu Zeiten, wo mir das nicht egal war).

Was aber das Finden und Erreichen dieses Einschaltknopfes endgültig zur Herkulesaufgabe macht,
ist der seit zwei Tagen neben der Kaffeemaschine stehende Mammutbaum.

Es ist eigentlich kein Baum.
Mehr so eine Hecke.
Ok, es ist eigentlich ein Stock.
Ein Basilikumstock.

Diese Beschreibung tut dem königlichen Gewächs aber zutiefst Unrecht - es ist die MUTTER aller Basilikumstöcke, ein Monstrum! Nie ward ein solch riesiges Exemplar je in der Wissenschaft beschrieben!

Wie könnte ich jenen Tag vergessen als er angeliefert wurde!

Freudestrahlender Augen hatte die Gattin feenfüßig durch die Tür schwebend den Flur kaum berührt ob der zutiefst innerlich empfundenen schwäbischen Freude, zum Sonderangebotspreis von EUR 1,99 einen Basilikummammutbaum erstanden zu haben, gefolgt von zwei hünenhaften ukrainischen Gewichthebern, die hochroten quadratischen Kopfes gemeinsam den Basili-sken durch die Tür wuchteten, dabei mit den Umfängen ihrer breiten Armstämme diesen kaum umfassend.

Schwitzend hatten Sie die letzten Kräfte athletischen Trainings auferbietend das Monstrum in der Küche direkt neben der Kaffeemaschine abgeladen, schwankend mit einer wenig freundlich klingenden Abschiedsgrußformel das Haus verlassen und ich sah durchs Küchenfenster, wie einer von ihnen sich im offen stehenden Lieferwagen erstmal den linken Arm hochkrempelte und mit seiner Rechten eine gut gefüllte Spritze zur Stärkung in die Vene drückte.

Schlagartig war es finster geworden in der Küche.
Das üppige Zweigwerk des Basilikumbaumes versperrte dem Sonnenlicht den Einfall, kinderhandgroße Blätter an fingerdicken Stengeln ragten bis kurz unter die Zimmerdecke, dabei den süßen Duft italienischer Vorspeisenteller im Ristorante draußen an der Strandpromenade von Rimini verströmend.
Generationen von Nachmietern würden hier in der Küche noch erfolgreich zur Ernte schreiten können.

Als der Lieferwagen der Oberkrainer Ukrainer in Schlangenlinien den Hof verlassen hatte, war mir nach einem Espresso.
Nur: Da, wo immer mein Arm nach dem Einschaltknopf tastete, stand jetzt die Basilikumbundeslade. Mächtig.
Schwer.
Unverrückbar.

Zudem konnte sich ja alles mögliche an Fauna-Beigaben in dem Zweigwerk verbergen.
Schlangen womöglich.
Vogelspinnen.
Lachen Sie nicht! Wissen SIE mit Gewissheit, was in so einem Lippenblütler alles wohnt ?!

Auch der Versuch, das Monstrum irgendwie LEICHTER und damit verschiebbar zu machen durch massenhaftes Ernten und anschließenden Verzehr von Basilikum scheiterte (boah, bis ich erst mal die Kettensäge unter dem ganzen Garagengerümpel gefunden hatte!).

Aktueller Stand des innerehelichen Agreements ist dieser:

Die Gattin ist nun diejenige, die morgens vor der Dusche die Kaffeemaschine einschaltet, und ICH bin derjenige, der während ihrer häufigen Abwesenheiten das Gießen des Basilisken übernimmt.

Das werde ich.
Und WIE ich das werde.

Meine Güte, wie ich den gießen werde.

Kommentare:

  1. Picture it?!!

    Ich mag ja nur die altmodischen Filterkaffeemaschinen. Eine Zeitlang dachte ich, eine programmierbare solche wäre die ultimative Lösung: Um fünf Uhr morgens in die Küche stolpern und Kaffee schon fertig. Äh, nein, back to the simple.

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    1. "picture it" ?! - gerne, aber der telefonische Canon-support sagt, derart weitwinklige Objektive werden schon seit den 70ern nicht mehr hergestellt ;-).
      Filterkaffee vertrage ich leider nicht - und in 8 von 10 Fällen wo ich ihn trinken MUSS, schmeckt er mir nicht wirklich.

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  2. Hat die Gattin vielleicht so ein italienisches Riesenexemplar erstanden? Dann "Gute Nacht" im wahrsten Sinne des Wortes!

    Ich finde ja, dass man zumindest eine abgeschlossene Mechatronik-Ausbildung absolviert haben sollte, um so eine Kaffee-Höllenmaschine in die Gänge zu bekommen. Ich lese ja gerne, aber keine Bedienungsanleitungen; deswegen hier: auch die gute alte Filterkaffeemaschine und wenn's ganz schnell bzw. schnell + viel Kaffee geben soll kommt der alte Me***itta-Porzelanfilter von Omma zum Einsatz; soll ja jetzt ganz #trendy sein ;-)

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    1. und ein "l" fürs Porzellan reiche ich nach; aus rechtschreiblichen Gründen und so ;-)

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    2. Bin nicht mehr sicher, wo sie das Riesending her hat, aber nicht einmal in Griechenland im Freien hab ich solche Teile gesehen. Echt irre.

      Filterkaffee und vor allem Porzellanfilter sind echt wieder voll im Trend, aye!
      Und ich bin sicher: Direkt danach folgt der Bodum-Presskaffee-Trend! :-D

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  3. Ich kenne Basilikum nur in Form dieser kleinen Topfpflänzchen, die bei mir konsequent nach einer Woche eingehen. Wie habe ich mir einen Basilikumstock vorzustellen? Selbst Google hilft mir da nicht weiter.

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    1. Und jetzt alle im Chor:
      "Wenn Google auch nicht helfen kann,
      fragen wir den Zauberm..." ach halt, stop.
      Alte Baustelle ;-).


      Probier mal ob der link hier für Dich funktioniert, obwohl das Monstrum inzwischen schon stark abgeerntet und auch versetzt wurde.
      https://goo.gl/photos/KbPj67qLDr2ZFfcr7

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    2. Gehört das Holzige da im Hintergrund zur Pflanze oder ist das die Kaffeemaschine?

      Und vom Boden aus fotografieren ist unfair ;)

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    3. Vom Boden aus fotografieren macht lange Beine aufm Foto, hab ich mal gehört^^.
      Und das Holzige da nennt man Fensterrahmen :-).

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