Sonntag, 8. Mai 2016

in der Stadt


Die Gattin hatte sich für unsere Urlaubswoche erbeten, mal wieder in die Stadt ausgeführt zu werden.

Jetzt ist "Ausgeführt werden in der Stadt" mit Ü40 natürlich eine ungleich schmalere Hausnummer als mit, sagen wir, U30.
(Was JEDER versteht, der Ü40 ist.
Und NIEMAND, der U30 ist.)

Im Wesentlichen bezieht sich das Ü40-Ausführen darauf, als Frau mal wieder begleitet
in ein paar Klamottenläden reingehen, ohne dass Mann™ gleich nach 30 Sekunden rumnölt,
dass er jetzt endlich weiter will.
(ausgenommen: "edelight" und  "hunkemöller")

Und mal wieder in die (wirklich besuchenswerte) Markthalle.
Auf 'nen kleinen Kaffee irgendwo reinsetzen bzw. hinstellen.

Leider hatte -gelobt sei unser Einzelhandel- mein Lieblingsladen nur eine schwachdeutschsprachige Vertretung hinterm Tresen.
Die wusste nicht, wie man die Espressomaschine hinter sich bedient (!).
Und der Chef sei leider irgendwo unterwegs.
Der Klassiker heutzutage.

Ende vom Lied war, dass wir statt dessen in den großen mehrstöckigen Vollsortimenter des Ortes rein sind, wo die Gattin ihrer bereits sehr umfangreichen und in Farbe und Stoffvielfalt in Europa einzigartigen Sammlung an HALSTÜCHERN noch ein Weiteres hinzuzufügen gedachte, während meine Wenigkeit mit Tüten und Tragetaschen mangels Sitzgelegenheiten irgendwo an der Treppe geparkt wurde und sich seinen Rückenschmerzen genussarm hingab.

Weil es mir dort irgendwann (trotz den Model-Verkäuferinnen bei Schmuck und Parfums) zu langweilig wurde, schlenderte ich an den Uhren vorbei.
Jetzt mal im Ernst:
Wer geht denn bitte in ein ganz normales Kaufhaus mitten in der Stadt in normaler Lage und kauft mal eben eine Uhr für 43.000 Euro? Und das vielleicht auch nur, weil ihm die Rolex nebendran für 62.000 Euro für den heutigen Vormittag dann doch ein bisschen viel erschien?

Immerhin, Spaß gab's dann doch noch.
Als nämlich ein Musterabbild von veganer Hardcore-Feministin inklusive allem, was dazugehört (bunte Tarnflecken-Leggins Größe >44, Raster, Kopftuch, Lennon-Brille, Arafat-Schal und hohen Wanderschuhen) samt Kinderwagen vorfuhr vorrückte und sich so überhaupt gar nicht stören ließ von der baulich nur scheinbar geschickten Kundensteuerung, dass zur Vermeidung von Kinderwägen in der Luxusabteilung nur TREPPEN verfügbar waren.

Mitnichten: Der Kinderwagen nahm die Panzersperre Kinderwagenhürde mit Leichtigkeit (der kleine Bewohner war wohl schon ganz Anderes gewöhnt) und dann parkte man locker flockig bei Cartier ein.
Wären die Augenbrauen der Model-Ordonanzen nicht sowieso schon entfernt und bis kurz unter den Deckhaaransatz ersatzweise nachgezogen worden, ich hätte spätestens jetzt einer Echthaarfusion beiwohnen können.

Und der Kleine konnte offenbar schon Zahlen lesen: Keine 30 Sekunden nach Parken des Kinderwagens vor den Cartieruhren setzte ein infernalisches Geschrei ein.
Guter Junge, aus dem wird mal was.
IG Metall-Funktionär oder so.

Wirklich herzzerreißend, wie die Models angestakst kamen (machen SIE das erst mal, auf 14cm-Zahnstochern!) und sich verzweifelnd lächelnd um eine Lautstärkereduzierung bemühten.

Leider war das der Moment, da die Gattin mit erfolgreich erheischter Beute zurückkam (von dem Halstuch könnte ich vier Monate lang WoW bezahlen, aber wenn sie meint).

Nach der Kasse bestand ich auf sofortige Koffeinzufuhr, wollte die Gattin den Beginn des Trennungsjahres für GENAU JETZT noch irgendwie vermeiden. Sie fügte sich. Was selten ist.

Zur Auswahl stand ein Café im Erdgeschoss und eines direkt darüber im ersten OG.
Dank Atrium-Bauweise konnte man beide direkt einsehen, wie das so ist heutzutage in Shopping malls.

Unten war weniger los. Genauer gesagt: Fast nix.
So nahmen wir Platz, die Gattin gelüstete nach einem Häppchen von irgendwas plus einem Espresso plus einem Mineralwasser.
An der Stelle hätte mich der Blick nach links von unserem Espressotisch aus schon irgendwie warnen können:



Aber: Wenn ich 'nen Kaffee will, hält mich selten was auf.
Also: Ran an den Tresen und die Order abgegeben.

Außerdem standen da Lachs-Canapés rum - sehr fein, davon bitte auch gleich mal zwei Stückchen klarmachen Maestro, eines für mich, eines für die Gattin.



Während wir da so auf den Barhockern sitzen und nach oben in den ersten Stock schauen, wundern wir uns, warum da oben im Café alles besetzt ist. Und hier unten fast alles frei.

Bis zu dem Moment, wo die Rechnung kam.
Dann war's wieder klar ;-).
Lesson learned.

War trotzdem schön, der Vormittag.
Und Gattin und ich machen uns jetzt jedesmal einen joke draus, wenn Einer dem Anderen
ein 2x 2cm-Stück von seinem Lachsbrot abschneit und rüberreicht, dann sagt derjenige dazu
"das macht dann drei Euro!" 

Billiger kriegen Sie selten Spaß in Ihre Ehe^^

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