Montag, 13. Juni 2016

Alles endet


Freunde, Bekanntschaften, Liebschaft...eigentlich alle Menschen (und Tiere), die Einem begegnen,
sind Geschenke.
Ein Geschenke auf Zeit.

Sie alle sind lebende Wanderpokale, deren Wege eher zufällig denn planbar eine zeitlang parallel zu den unseren verlaufen, sie manchmal gar nur kreuzen, um sich sodann gleich wieder von uns zu entfernen. Es ist einfach nur zum Kotzen.

Nichts von alledem bleibt - gar nichts.
Vielleicht erstreckt sich ein Parallellauf mal über einige (oder sogar viele) Jahre hinweg, aber:

Everything dies.

https://youtu.be/BAxDw50QB3A?t=30
Die Szene, in der der Ring ins Klo geworfen wird - großartig!


Und in sehr vielen dieser Fälle des Auseinanderdriftens (oder plötzlichen Abschiedes) beträgt die Vorhersehbarkeit und die innere Vorbereitungszeit darauf exakt null.

Es sind Gesetzmäßigkeiten wie diese, die mich jedes Jahr ein Stück introvertierter werden lassen.
Was zwar kein Mensch glaubt, der mich sieht bzw. trifft.
Aber es gibt ja einen Unterschied zwischen "sich zeigen" und "es erleben".

Eine sehr frühe Lektion meiner Kindheit war genau diese - alle Lieblingstiere sterben irgendwann, alle Schulfreunde sind irgendwann weg, das, was man als die eigenen Eltern kennenlernte, ebenfalls.
Ganz schnell war die Lage irgendwann plötzlich eine Andere, die Situation neu.
Und die Menschen?
Fehlten auf einmal. Oder verhielten sich anders als bisher.

Mein Vater sagte irgendwann mal, es sei viel schlimmer, jemanden plötzlich an das Leben zu verlieren, als plötzlich an den Tod. Von den wenigen wahren Dingen, die er sagte, war dieses vermutlich das wahrste.

Derzeit erlebe ich ein kleines deja-vu.
Da gab's schon mal, vor unglaublich vielen Jahren, einen Menschen, der sich dazu entschied, von heute auf morgen aus meinem Leben zu verschwinden.

Mit einem Abschiedsbrief, dem Hausschlüssel und dem Ring auf der Küchenablage.
Und danach nie wieder einen vollständigen Satz mit mir zu sprechen bereit war.
Das ist natürlich total unproblematisch, wenn das Ihre flüchtige Bekanntschaft war, die Sie erst seit 8 Wochen oder so kennen.

Ist es der Mensch, den Sie heiraten wollten und der Ihnen mehr bedeutet als Alles sonst um Sie herum, wird es problematisch.
Vermutlich wird es hiernach Ihr größter Wunsch sein, niemals mehr einfach so still und wortlos zurück gelassen zu werden. Es handelt sich dabei um eine Erfahrung, die wirklich, wirklich kein Mensch braucht in seinem Leben.

Mit einem - ich kann es nicht anders sagen- zynischen Schmunzeln (denn das Schicksal war offenbar nicht daran interessiert, mir lediglich EIN MAL diese Erfahrung zu verpassen) nehme ich derzeit zur Kenntnis, dass wieder jemand dabei ist, sich reaktionslos und wortlos aus meinem Leben zu verabschieden.
Die Kommunikation ist verstummt.
Von jetzt auf nachher.

Ich kann ihr nur wünschen, dass es SO das Beste ist für sie selbst.
Was mich ein kleines Stück trösten würde.

Aber ich bin sicher - würden die Menschen wissen, was sie mit ihrem plötzlichen Verschwinden aus dem Leben derer, von denen sie wissen, dass sie ihnen was bedeuten, anrichten, sie würden es lassen.

Noch so ein fun fact, den das Leben lehrt:
Die, auf die ich von heute auf morgen verzichten könnte in meinem Leben - die sind noch da.
Seit zum Teil zwanzig Jahren.

Die, auf deren dauerhaften Verbleib ich keinen Cent gewettet hätte - fast alle noch da.

Die, auf deren langfristige Begleitung in meinem Leben ich zu hoffen gewagt hatte - fast alle weg.

Es kommt hier im Blog vielleicht nicht sonderlich oft zum Vorschein, aber:
Ich mag Menschen nicht besonders.
Und ich mag mein Leben mit ihnen nicht besonders.
Aus Gründen.

Kommentare:

  1. Dies ist ein Nicht-Kommentar. Wie immer, wenn ich viel dazu zu sagen hätte, halte ich dann doch die Klappe. Für das, was ich jetzt gerne ausdrücken würde, finde ich nicht die passenden Worte.

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    1. Schön ausgedrückt - "nicht-Kommentar" :-).

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    2. Früher war mehr Mailadresse ...

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    3. Früher war ja auch mehr zaubermann
      bei
      live
      punkt
      de

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  2. Als Trost für solche Begebenheiten hol ich mir immer die Quantenmechnik. Einmal Teilchenverschränkt, immer Teilchenverschränkt. Auf einer Ebene wird man sich nie, nie, niemals trennen (können). Und womöglich kommt es nur darauf an.....

    LG
    Blue

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    1. Boah. Zehnmal korrigiert und immer noch falsch. Ich kaufe also noch ein "a".... ^^

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    2. Ultraschöner Vergleich!!
      Aber wenn man auf dieser Ebene sich niemals trennen kann, dann heißt es auch, dass man niemals ZUSAMMENkommt, nicht wahr?

      Auf SO EINE "Verschränkung" würde ich -könnte ich es mir aussuchen- aber lieber verzichten.

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  3. Ich kann es Dir nachfühlen. Mir ist es genau zweimal passiert. Zum ersten Mal vor exakt 13 Jahren, 2 Monaten und 11 Tagen. Mit einem Mann, der mein ganzes bisheriges Leben komplett auf den Kopf stellte und mich vor die Entscheidung, was ich mit diesem meinem Leben beginnen würde. Ich habe entschieden - für mich ganz allein, und das habe ich auch nicht bereut. Egal wie schwer es war. Und auch, wenn ich unendlich dafür bezahlt und "geblutet" habe - und mit ihm seither weder ein Wort sprechen noch sonst irgendwas konnte. Er ist gegangen, bevor es sein Leben verändert hätte. Vermute ich mal.

    Kann man als Frau eine Frau lieben ohne jegliche sexuelle Gedanken bzw. Hintergründe? Ja kann man. Ich habe vor ein paar Jahren eine Frau kennen gelernt durch einen Mann, den sie liebte und mit dem ich befreundet war. Sie ist die erste Freundin für mich gewesen, an der ich unglaublich hing. Eine derart innige Freundschaft, wie ich sie noch nie erlebt habe. Vielleicht, weil ich mich in ihr wiederfand - mit all meinen Schwächen und Stärken. Hier wars ein bisschen anders. Sie ist nicht nur einmal gegangen, sondern mehrmals. Warum, weiß ich bis heute nicht. Aber es hat mich jedesmal wahnsinnig gemacht. So sehr, dass ich im letzten Jahr, als mir ihre Telefonnummer geschickt wurde mit den Worten: "Ich soll dir sagen, dass sie dich sehr vermisst", ihre Nummer zwar aufgehoben, aber nie verwendet habe. Bis heute wage ich es nicht, weil ich genau weiß, wie es ist, wenn sie wieder geht - ohne ein Wort, ohne eine Zeile, ohne auch nur irgendwas. Das kann ich nicht mehr. Das will ich nicht mehr.

    Wenn man einen Menschen an das Leben verliert, dann fühlt es sich an wie ein Riesenloch, das einem in die Brust geschossen wurde und das durch nichts aufgefüllt werden kann. Und es hört einfach nie auf, weh zu tun. Man lernt lediglich, damit zu leben.

    Ich mag Menschen immer noch. Aber nur mit den allerwenigsten will ich auch leben.

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    1. Die Tatsache, dass AUCH DU Tag und Datum benennen und bemessen kannst, zeigt, wie sher es Dich geschädigt hat. Und es eint uns^^.

      Was ebenfalls gleich ist: Ich KÖNNTE den Kontakt (zu beiden Fällen) aufnehmen, denn auch ich hätte die Kommunikationsmöglichkeit dazu.
      Vermutlich würde ich dort etwas erfahren, was ich noch nicht weiß, vermutlich wäre es sogar die Wahrheit.

      Und das ist die Frage: Will ich die wissen? Ehrlich?
      Nein.
      Meine Träume sind jetzt schon schöner als die Wahrheit, und um eine weitere Einfärbung (besser: Trübung) meiner Wahrnehmung reiße ich mich nicht mehr.

      Menschen mögen?
      Angesichts der Erfahrungen die man mit ihnen macht eine Glanzleistung heroischen Ausmaßes.
      Mir reicht es schon, tagtäglich wenigstens zu versuchen, sie nicht allzusehr zu verachten für das was sie tun und noch mehr für das, was sie unterlassen.

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  4. Ich habe jetzt auch mehrmals angefangen, etwas zu schreiben...Es ist schwierig. So ein "Nicht-Kommentar" läge mir jetzt eigentlich auch ;-)

    Mir fällt bei Deinen Worten vor allem auf, dass ich glücklicherweise diese harte Erfahrung so noch nicht machen musste. Es gab natürlich Freundschaften, die auseinander gegangen sind. Auch eine sehr innige und gute Freundschaft ist "am Leben" gescheitert. Das hat mir auch sehr weh getan, lange Zeit. Aber das waren so schleichende Prozesse und keiner dieser Personen ist GANZ aus meinem Leben verschwunden.

    Selbst die Männer, in die ich bisher in meinem Leben "richtig" verliebt war, sind alle noch da. Irgendwie jedenfalls. Das mag auch daran liegen, dass ich meine erste große Liebe geheiratet habe und ich folgerichtig mit diesen Männern nicht zusammen war, also nicht verlassen werden konnte. Das ist etwas kompliziert zu erklären, tut auch hier nichts zur Sache. Aber ich kenne zumindest das Gefühl enttäuschter Gefühle, trotz meiner langen Beziehung.

    Aber dieses "wortlose" Weggehen, ganz aus dem Leben verschwinden...das mag ich mir gar nicht vorstellen, wie hart das ist für den, der übrig bleibt. Ich kann nur sagen, dass es mir Leid tut und hoffe, dass es bald wieder einen Grund für Dich gibt, die Menschen mögen zu lernen...

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    1. Die Wissenschaft arbeitet derzeit an einer Möglichkeit, bestimmte Gehirnzellen "zu löschen", in denen definierte Erinnerungen lokalisiert werden konnten.
      Es geht um nichts weniger als das Löschen bestimmter Erlebnisse aus dem Gedächtnis!
      Und sie sind schon recht weit damit.

      Ich hab schon angefangen, darauf zu sparen.

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  5. Aber möchte man das wirklich? Die Erlebnisse löschen? Alle Erlebnisse, gute wie schlechte, zusammengenommen machen uns doch aus. Die guten Erlebnisse machen oft keinen Sinn ohne die schlechten, wir hätten sie vielleicht dann gar nicht erlebt. Ich glaube, ich habe das schon mal geschrieben, ich weiß aber nicht, ob das hier in Deinem Blog war. In einem Song von Thees Uhlmann heißt es: "Das Leben ist wie Feuer, es brennt und es wärmt" Das finde ich sehr schön und wahr.

    Ich weiß auch nicht so recht...Mir geht es zur Zeit auch nicht wirklich gut, weil ich mich vielleicht von etwas sehr Liebgewonnenem verabschieden muss, vielleicht doch einmal auf eine Art "verlassen" werde. Nicht so auf die Art, wie es Dir passiert ist, aber für mich ist es schlimm genug...Ich versuche es, zu verdrängen, hoffe einfach, dass es nicht so kommen wird.

    Aber egal, was passieren wird - ich werde das Gute und das Schöne, was ich mit diesem Menschen erlebt habe, niemals vergessen und vor allem WILL ich es auch nicht. Vielleicht ist auch gerade das mein Problem??

    Ich glaube, über dieses "Löschen von Erinnerungen" muss ich noch einmal nachdenken...

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    1. Tu das.
      ICH für meinen Teil GÄBE ALLES WAS ICH HABE dafür, löschen zu können.
      Und es ist mir so gottverdammtegal, ob es dann "nichts mehr gäbe, was mich ausmacht".

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    2. dann könnte man vielleicht an neuen Erinnerungen arbeiten...

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    3. Wie sehr ich DARAN schon arbeite! :-)

      [ Meine stille Hoffnung ist ja, dass mein Gehirn funktioniert wie eine DashCam - sobald die maximale Speicherkapazität erreicht ist, wird der älteste Inhalt wieder sukzessive überschrieben ]

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    4. DARAN arbeiten, ist schon mal gut :-)
      Aber das mit dem Löschen ist ja (Leider? Gottseidank?) nur reine Theorie...

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  6. Ich habe mal darüber nachgedacht...Und in meinem jetzigen Zustand fände ich persönlich es noch viel besser, wenn man GEFÜHLE löschen könnte. Die Erinnerungen machen mir ja nichts, wenn die Gefühle weg sind. Ich bezweifle aber, dass die Wissenschaftler DAS auch können (werden).

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    1. Spätestens dann würde es mir Angst machen.
      Wenn wir alles, aber dann auch wirklich alles kontrollieren könnten, wären wir kaum noch Menschen. Dann wären wir eher nur noch seelenlose Hüllen, die sich um nichts mehr bemühen, scheren oder kümmern müssten. Es gäbe ja dann diesen Knopfdruck.
      Ich möchte lieber Mensch bleiben. Lieber mit einer blutenden Seele als mit gar keiner.

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    2. Ja klar, grundsätzlich sehe ich das ja genauso, siehe oben. Aber wenn man so tief im Gefühlschaos drinsteckt und alles einfach nur noch weh tut und immer wieder aufbricht, dann erscheint einem das Ganze als eine rettende Idee. Geht hoffentlich auch wieder vorbei...

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    3. (...sehr interessante Diskussion...;-))

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  7. Stimmt...ist ein interessantes und vielschichtiges Thema. Darüber würde ich aber lieber reden statt zu schreiben. Es sprengt vielleicht bisschen den Rahmen hier ;-)

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    1. Nur zur Beruhigung: Hier sprengt erstmal gar nichts den Rahmen - solange nicht, bis ich belle^^.

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