Mittwoch, 8. Juni 2016

Eigentlich gut




[ Gestern höchste Zahl an Tageszugriffen
hier auf dem Blog seit Eröffnung.
Klar, es ging ja um die Schwiegermutter.
Bzw. deren Beseitigung.

Da haut man im Blog die gesamte Woche über Premium-content
im Segment "Pulitzerpreis-Niveau" 'raus, und was kriegt man ??
NULL Kommentare.

Geht's aber  um Schnecken und Schwiegermutter - Klingelinggg!

Ich blogge jetzt mehr als zehn Jahre, aber nie,
wirklich NIEMALS werde ich Euch Blogger und Blogleser verstehen!^^ ]


Wie rasch es gehen kann im Leben.
Immer wieder unerklärlich, unfassbar.

Da mache ich mir vor wenigen Wochen erst Sorgen um meinen Job und darum, dass die Alternative zu ihm urplötzlich weggebrochen ist.
(Auf die ich eigentlich ein bisschen scharf war, aber meine Güte - auf was ich nicht schon alles scharf war. Und hinterher wieder grob vom Leben "entschärft" wurde.)

Eigentlich ist es MEIN JOB, Menschen dafür zu sensibilisieren, "wie schnell es mal gehen kann" im Leben.
Aber es gibt ja einen Unterschied zwischen "predigen" und "praktizieren".

Bestes Beispiel dafür war der "Notfallordner" (kann man googlen), der MONATElang unbestückt und unausgefüllt hinter mir auf dem Schiebeschrank zustaubte.
Bis ich mich endlich dran gab, so unglaublich relevante Dinge zu erledigen wie Organspende, Patientenverfügung, Vorsorgevollmacht usw.
Das war so ein Lehrstück aus der Abteilung "Der Schuster trägt die schlechtesten Schuhe".

Vielleicht sorgen wir uns wirklich um die "falschen" Dinge?

Womöglich lassen wir uns zu sehr einfangen, einwickeln von den Nichtigkeiten eines Alltages?
Von Belangen, die bei Lichte (oder rückblickend) betrachtet der peinlichen Kategorie "erste-Welt-Problem" zugeordnet werden müssen?
Eines meiner Lieblingsschimpfwörter für Zweit- und Drittrangiges.


Zurück zu meinem eigenen Beispiel - mich plagten Sorgen um meinen Job und darum, dass die Alternative zu ihm urplötzlich weggebrochen sei.
Aber dabei verdränge ich:
Es gibt eine Jobgarantie. Bis ich FÜNFZIG bin, gilt sie.
Wer hat das schon?

Und: Es gibt nicht mehr viele von "meiner Art", wir Verbliebenen haben relativ sichere Stellen (wasimmer das heute heißen mag).
Wer kann von seinem Job heute schon sagen, er sei "relativ sicher"?

Währendessen passiert so viel ungleich RELEVANTERES um uns herum im entferntesten Bekanntenkreis:

Es stirbt ein junger Mann. Erschossen von der Polizei, auf offener Straße.
Nicht mal dreißig. Und das Leben schon vorbei.
Ein Anderer vertraut mutmaßlich den falschen Menschen als seinen Angestellten.
Und verliert dadurch mehr als neun Millionen Euro ihm überlassener Wertgegenstände.
Existenzen enden täglich direkt vor unseren Augen.

Sehen Sie, was ich sagen will - jeder hat jeden Tag tausend Gründe, warum es ihm gerade "nicht so gut" geht.
Doch besieht man das, was um einen herum jeden Tag so geschieht und an Leid manchmal sogar unmittelbar neben einem selbst einschlägt - dann muss man doch unzweifelhaft zu dem Ergebnis kommen:

Eigentlich geht es uns gut.
Eigentlich.
Oder?




Eigentlich könnten wir uns freuen
Denn eigentlich geht es uns gut
Wir sind umgeben von Getreuen
Jeder für jeden bis aufs Blut



Kommentare:

  1. Bis auf die letzten zwei Zeilen - jepp. (Ich habe keine Getreuen, ich schlage mich alleine durch.)
    Uns geht es gut. Wir drehen den Wasserhahn auf und es kommt sauberes Wasser ohne Ende, wir machen den Kühlschrank auf und können Essen herausholen, unser Bett steht in einem extra dafür vorgesehenen Raum und wir können darin schlafen, ohne Gefahr für Leib und Leben befürchten zu müssen.
    Ich bin jeden Tag froh und dankbar, wenn der MannMitHut nach dem täglichen Kilometerfressen heil und wohlbehalten wieder zuhause ist.

    Zum Thema Content - wie erkläre ich das jetzt ... Ich für meinen Teil lese und kommentiere die Einträge, mit denen Du Dich ein Stückweit "greifbar" machst. Ich folge Dir nicht in Deine Spieler- und andere Nerdwelten. Und oft kommentiere ich nicht, wenn meine Gedanken zum Thema zu komplex sind und nicht in vier Zeilen Kommentar passen würden oder missverstanden werden könnten.

    Einen guten Morgen von der Frühaufsteherin. :-)

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Das mit dem sauberen, auf Handbewegung verfügbaren Wasser und dem Kühlschrank denke ich SO OFT...finde es aber schwierig, mit jemandem darüber zu reden. Man wird dann nicht ganz verstanden angeschaut.
      Und das mit dem Kommentieren hab ich glaub ich verstanden. Teilweise^^.

      Löschen
  2. Du hast so Recht. Ab und zu muss man sich das mal vor Augen führen. Hilft nicht immer bei den "Eine-Welt-Problemen", aber manchmal schon...

    Das Kommentieren handhabe ich genauso wie meine Fast-Namensvetterin. Gerade die sehr komplexen Antworten mag ich oft nicht schreiben, aus verschiedenen Gründen. Aber ich lese immer alles (auch die fiesen Schneckensachen;-)) und bin froh, dass Du uns an Deiner Welt ein wenig teilhaben lässt...

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Also MIR hilft es wirklich immer, mir die Privilegiertheit meines Lebens hier im reichsten und (fast) sichersten Teil der Welt vor Augen zu führen. So Vieles relativiert sich in diesem Licht.

      Und: Schneckensachen.sind.nicht.fies. ;-))
      Das mit dem Eindruck, die eigene Antwort sei jetzt zu komplex und langatmig, kann ich aber nachvollziehen, das kenn' ich gut.

      Löschen
  3. Ich glaube, es kommt ein bisschen auf die Probleme an, die man hat oder zu haben glaubt... Wenn es mein Gefühlsleben betrifft, hilft mir das Relativieren nicht so sehr. Dann macht es mich im Gegenteil sogar eher ein wenig aggressiv, wenn mir jemand damit kommt, dass es anderen Leuten schlechter geht.
    Auch wenn ich natürlich grundsätzlich WEIß, dass es so ist und ich ein (materiell und immateriell) reiches Leben führe und mich absolut nicht beschweren kann. Aber es kommt nicht immer auch im Herzen an...

    Beim Schneckencontent werden wir wohl nie auf einen Nenner kommen, mein Lieber :-D Ich kann die Viecher einfach nicht leiden. Aber mach Du mal...irgendwer muss sie ja mögen ;-)

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Aggressiv?...hmm, interessant.
      Das ginge mir auch so - unter der Bedingung, dass ich glaube, jemand will damit mein Leid KLEINER reden als es ist.
      Das ist aber bei Lichte betrachtet gar selten die Absicht des Gegenübers.
      Meist will er/sie lediglich...gut zureden und trösten.

      Und die so geäußerte Sichtweise AN SICH ist ja richtig, wie wir selbser wissen - sie wird eigentlich auch nicht unrichtiger dadurch, dass ein Anderer es ist, der sie uns mitteilt.

      Die Erkenntnis dessen stößt vielleicht sogar die sperrige Tür ein Stück weiter auf, die verhindert, dass die (zutreffende) Botschaft auf dem richtigen Kanal das Herz erreicht.
      Nämlich unter Umschiffung der Galle.

      Löschen
    2. Ja, ich glaube das ist es, dass ich dann das Gefühl habe, man möchte meine Probleme klein reden. Diese Aggressivität habe ich auch noch nie rausgelassen...es ist eher so ein innerliches Sperren. Es kommt natürlich sehr darauf an, WER etwas dergleichen sagt. Ich persönlich versuche, beim Trösten nicht zu relativieren und andere Menschen als Vergleich heranzuziehen. Das "Leid" ist immer subjektiv und sollte zumindest einmal erkannt und anerkannt werden. Das tut nämlich meistens auch mal gut.

      Wenn es natürlich in Gejammer oder Selbstzerfleischung ausartet und man irgendwo immer im selben Denkmuster verharrt, kann ein Blick auf andere und andere Lebenssituationen durchaus helfen...
      Als Freund/Freundin muss man ja objektiv und ehrlich sein, damit habe ich überhaupt kein Problem. Aber der Zeitpunkt muss stimmen und man sollte sensibel überlegen, wann es angebracht ist und wann nicht.

      Grundsätzlich hast Du Recht und ich glaube, wir widersprechen uns da auch gar nicht...

      Löschen
    3. Dass LEID etwas subjektiv Empfundenes ist, verstehe ich - Aberkennung, es gibt bei mir Grenzen des Verständnisses.
      Kommt mir jemand mit Ultra-First-Word-Problems ( á la "die KFZ-Prämie für den Drittwagen -den die Tochter an der Elite-Uni in Koblenz braucht um zur Vorlesung zu kommen- ist schon wieder um 38 Euro im Jahr gestiegen!!!" ), dann hörts auf bei mir - es gibt so leid mir das zuzugeben tut Menschen, bei denen hilft nur noch die flache Hand.

      Der Part mit FREUNDEN war der für mich Entscheidende. So true!

      MEINE Erwartungshaltung an einen FREUND wäre nämlich genau diese:
      Zu wissen, wann man mir was in welchem Ton angemessen sagen kann.
      Dafür das Feingefühl zu besitzen, meine Person betreffend.

      Aus diesem Grund habe ich KEINE Freunde, mit lediglich einer einzigen Ausnahme.

      Löschen
    4. Hehe...na SOLCHE "Probleme" sind ja überhaupt keine. Da kann man sich die Spucke für den Kommentar auch gleich sparen ;-)

      Ich habe Gottseidank (1 bis 2) sehr gute Freunde, die den richtigen Ton bei mir treffen und mir damit auch helfen. Eine schlechte Erfahrung habe ich mal gemacht, aber demjenigen erzähle ich auch nicht mehr von meinen wirklichen Gefühlen oder Problemen. Zumindest nicht, was mein Liebesleben betrifft. Naja. Um das weiter auszuführen, müsste ich wohl tatsächlich mal einen eigenen Blog einrichten ;-)

      Löschen
  4. Ich bedank mich irgendwie auch jeden Tag. Gerne auch mehrmals, wahlweise mit Tränen in den Augen und/oder einem rundumgrinsen. :-)

    Das hält mich aber nicht davon ab, gelegentlich auch mal kräftig zu fluchen.
    Erstens über die *zensiert* Ungerechtigkeit in der Welt; wenn es nach mir ginge, hätten alle westlichen Länder wesentlich weniger Luxus aber dafür alle Menschen auf der Welt ein menschenwürdiges Auskommen und zweitens regt mich fürchterlich auf, dass uns die Liebesfähigkeit abhanden kommt. Wir in den reichen Ländern vereinsamen zusehends, haben keine Zeit mehr für gar nichts, geschweige denn für lange Mails oder intensive Gespräche, wir setzen uns nicht mehr mit unserem Gegenüber zusammen und last but not least heißt es einfach nur noch, dass man sich selbst „optimieren“ und "das Beste aus seinem Leben machen soll" (solange es noch geht). In Klammern das wird nicht gesagt, aber es wird gedacht. Jedem von uns ist klar, so wie es gerade ist, wird es nicht mehr lange bleiben. Und weißt Du was? Ich glaube mittlerweile, es gibt gar keine Lösung in diesem Sinne, für unsere Situation. Wir sind 7,4 Milliarden Individuen, jeder denkt etwas anderes, will etwas anderes, macht etwas anderes. Was uns helfen wird, ist einzig das gegenseitige an die Hand nehmen. Aber für solche Sprüche erntet man ja erst recht seltsame Blicke. ^^

    Ich glaube, nicht einmal mehr die "Eliten" wissen noch, was zu tun ist. Sie kommen mir immer mehr vor, wie so kaputte Zündkerzen; sie setzen einfach einen Knaller nach dem anderen ab, in der Hoffnung, die Fuhre, so lange es geht, am rollen zu halten. Ich meine, schau doch mal nach Amerika. Was soll denn das mit dem Trump anderes sein, als eine absolute Fehlzündung? Wenn der wirklich Präsident wird, braucht sich, glaub ich, niemand mehr von uns Gedanken darum zu machen, ob seine Probleme jetzt erste Welt Probleme sind oder nicht. Dann haben wir alle nur noch EIN Weltproblem. - Aber wer weiß, vielleicht bringt der Trump uns ja genau dahin, dass wir uns zusammenstellen und diesen unfähigen Re“gier“enden und ihren Chefs, den Lobbytüpen mal den Boppes versohlen. Oder so... - In diesem Sinne find ich Deine König von Deutschland Geschichte richtig cool. Wenn Du Dir das alles selbst ausgedacht hast, dann Hut ab. Ich verstehe zwar nur die Hälfte davon; als Königin würde ich mich mehr um die Deko kümmern und so – Du verstehst sicher – also ich meine, Du musst noch Dinge über den Umgang mit unserer Natur und so da mit reinschreiben. - Und anständigen – ich will jetzt nicht sagen „Ethikunterricht“, in den Schulen. Aber wir müssen unbedingt wieder feinsinniger werden. Die geistige „Elite“ unseres Systems ist zu sehr darauf fixiert, uns einzureden, wir seien nach wie vor die Sklaven des Debitismus, wir könnten niemals heraus, aus dem Aufbau und Zerfall von Zivilisationen usw usf. Sie vergisst dabei völlig, wir sind durch und durch kreative Geschöpfe, die sich seit knapp einer Million Jahren auf dem Erdenrund tummeln und bisher noch alles auf die Reihe gekriegt haben, was wir wollten.


    Sorry, etwas ausschweifend geworden. Wenn ich denn schon mal was schreibe...^^

    Übrigens schön, dass Du wieder bloggst. ;-)
    Da war diese Formulierung: "...wandeln sich diese freudigen Rehaugen in die eiskalten Glasbausteine einer Serienmörderin..."
    Ob ich mir die wohl für mein Buch ausleihen darf? :-D

    LG
    Blue

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Schön, Dich wieder HIER zu sehen!
      Es muss JAHRE (gefühlt) her sein, seit ich Deinen Kommentar las, ich freue mich!

      Ich stimme Dir zu. In so vielem.
      Allerdings, es ist nicht zielführend, sich aufzuregen - der Grund für eine berechtigte Aufregung läge in der Annahme,

      a) die Menschen KÖNNTEN sich anders verhalten, als sie es tun und
      b) dieses veränderte Verhalten würde LANGfristig "etwas ändern"

      Beides sind fehlerhafte Annahmen.
      Und es ist -kosmisch gesehen (und von dieser Sichtweise weiß ich, sie liegt Dir^^)- absolut irrelevant, ob wir diesen Planeten in 100 oder erst in 450 Jahren zerstören und es ist auch irrelevant, ob wir der eigenen Exklusivheit halber auf dem Weg dahin 700 Mio Menschen den Zugang zu einem menschenwürdigen Leben versperrt haben oder 5 Milliarden:

      Dass DAS, was wir hier tun und WIE wir es tun zum Untergang führen wird, liegt auf der Hand, sobald man sich länger als 10 Minuten mit EINEM BELIEBIGEN ASPEKT der Menschenheit befasst. Es ist absolut ausweglos, was wir hier treiben.

      Vor diesem Hintergrund ist die "König von Deutschland"-Reihe auch mit einem zwinkernden Auge zu sehen.

      Ich hatte Bismarck im Kopf, als ich sie begann (bin jetzt bei dem 52. Gesetz oder so),
      der sagte:

      "Der Strom der Zeit läuft seinen Weg doch, wie er soll,
      und wenn ich meine Hand hineinstecke, so tue ich das,
      weil ich es für meine Pflicht halte,
      aber nicht,
      weil ich meine,
      seine Richtung damit zu ändern."

      Löschen
    2. Ja, das stimmt schon. Aufregen ist eher suboptimal. Aber irgendwie bin ich trotz der kosmischen Sicht immer noch zu jung und zu naiv/idealistisch/romantisch; ich denke tatsächlich nach wie vor, die Menschheit kann das schaffen. Sie ist null gezwungen, diesen Planeten zu zerstören, sie kann jeden Tag rausgehen und sich dieses Wunder mitten im Sternengraben bewusst machen.

      Löschen
    3. Mein Wunsch wäre, dass ich irre und Du Recht behältst.

      (Und falls doch nicht, hoffe ich, dass Du mit dem WARP-Antrieb an der "Ubalda" schnell voran kommst, damit ich ein Flugticket von hier weg buchen kann^^)

      Löschen

Hinterlassen Sie an dieser Stelle ruhig Ihre Gedanken - in dem Bewusstsein, dass Sie sich hier in meinem Wohnzimmer befinden und bei mir zu Gast sind.

Ich freue mich über Ihren Kommentar, wenn er dies beherzigt, aber ich lösche ihn, wenn er sein Gastrecht missbraucht.

Und sofern Sie auf Ihren Kommentar eine Antwort von mir haben möchten, erkenne ich das daran, dass er nicht anonym und ohne Namenszeichen abgegeben wurde.