Mittwoch, 22. Juni 2016

Ina (Traumatische Tropen)


Es gab mal eine Zeit, in der ich so etwas wie einen "besten Kumpel" hatte.
Wir verbrachten nahezu die gesamte Freizeit miteinander, und da wir beide Singles waren, war das EINE MENGE Zeit.
Und auch, als er Freundinnen hatte (ich natürlich nicht, mich wollten ja nur die, die ich nicht wollte), war das immer noch eine Menge gemeinsamer Zeit.

Eine Besonderheit unseres Verhältnisses war, dass wir uns jahrelang NIE mit dem Vornamen ansprachen. NIE. Never ever.
Wir riefen uns, auch in der Öffentlichkeit, ausnahmslos mit unseren Initialen an.
Wir waren also immer nur: Der MM und der RZ.

Und es gab GUTE Zeiten bei uns.
Da er über seinen damaligen Arbeitgeber dauernd an irgendwelche subventionierten Ausflüge rankam, fanden wir uns überall in der Weltgeschichte wieder.

Mal ein Tagesausflug ins Elsass, nur so zum Flammkuchen essen.

Frühstücken in München und zurück.

Zwei-Tages-Trip nach Prag

(wo die zwei mitgereisten Katrins sich anstelle -wie geplant- mit MIR im Bett
lieber MITEINANDER und zwar ALLEIN ebendort vergnügten.

Und wo an der Grenze MM's fette und mental weitgestrickte Abschnittsfreundin von den Grenzern rausgeholt
und da behalten wurde, weil die doofe Nuss mit einem abgelaufenen Ausweis erwischt wurde.

MM war totsauer, stieg aber mit aus und ließ unseren Bus ohne die Beiden weiter fahren,
nur um 15 min später einen anderen Bus mit Eishockeyspielern auf dem Rastplatz
an der Grenze aufzugabeln , der die Beiden...äh, mitnahm.
Über die Grenze, yapp.
Fast legal ;-)

MM hatte auch Ex-Freundinnen.
So nach und nach lernte ich die kennen.
Und irgendwann war das so ein Ehrgeiz-Ding von mir, seine Ex-Frauen flachzulegen.

Katrin war die erste.
Ich weiß nicht mehr, wie sich das ergeben hat, aber sie war so eine ultra-Lebenslustige und total Entspannte, da musste ich einfach zustechen.
Die langen schwarzen Locken und die Sanduhrfigur schadeten da auch nicht.

Und dann kam Ina.
Ina war mal so GAR NICHT mein Typ.
Rotharig. Glatthaarig. Stupsnase. Rundgesicht. Burschige Figur.
Und dann so ein komischer Humor, irgendwo zwischen passiv-eruptiv und verschmitzt.

Aber: Sie guckte mich immer so interessiert an.
Und: Sie war MM'S Ex.
Heißt: Auf, auf zum Kampf. Der Ruf des Vaterlands.
Und mal gucken, ob verborgene Wasser nicht doch tief sind (*hüstel*).

Der Vorwand für ein Treffen OHNE MM's Anwesenheit war schnell besorgt:
Ich sollte ihr etwas auf der Gitarre beibringen...

(und ich kenne jemanden, der GENAU JETZT schallend auflacht
und sich mit den Worten "Ach.sieh.mal.an!" auf die Schenkel klopft.)

...und zu diesem Zweck besuchte ich sie bei ihr zuhause.
Da sie noch kurz bei ihren Eltern wohnte, schon mal suboptimal.

Die Gitarrenstunde kam über den zweiten Barrégriff nicht hinaus, bis ich meine Hände unter ihrem T-Shirt hatte, die Finger munter nach dem Obst tastend.

Da wären wir schon bei der ersten Lektion für die Damenwelt:
Wenn man einen Mann fummeln lässt, dann KÜSST man ihn auch.
Und ziert sich nicht wie so ne 14-Jährige, Himmel!

Viel weiter ging das hier nicht, die Sache kam ins Stocken.
Außerdem war mein Eindruck, dass ich Ina vielleicht doch besser "vorher" noch mal unter die Dusche würde schieben sollen.

Also: Die Frau am Arm genommen, ins Auto gepackt, zu mir nach hause gebracht, alles noch mal von vorne.
Und WIE von vorne.

Erstmal ne dreiviertel Stunde lang irgendwas reden, um auch ja nicht den Anschein zu erwecken, man sei ja wegen glasklarer Absichten zu dem Typen in die Wohnung mitgegangen.
Nee, das muss ja alles TOTAL SPONTAN und UNGEPLANT wirken!

Zweite Lektion:
Das glaubt Euch KEINE SAU, Mädels.
Und wenn Du nicht willst, dass der Geist erscheint, dann REIB AUCH NICHT AN DER FLASCHE!

Irgendwann waren wir dann doch mehr schlecht als recht fummelnd im Breitbett bei mir angekommen und immerhin klappte es auch mal mit Rumknutschen.
Kurzer erobernder Griff ins Höschen, und sogleich naht:

Lektion drei:
Wenn Du Single bist und hast was mit nem Typen zum Treffen ausgemacht: Rasier Dich!
Ina hingegen war - nicht rasiert.
Und spürbar auch nicht in den Monaten davor.

Bei der Gelegenheit entsann ich mich auch nochmal meiner Vorab-Idee,
dass die Frau unter die Dusche zu schieben ne ganz ziehlführende Idee wäre.
Und das bestätigte sich -leider- ebenfalls.

Gesagt, getan, unter dem Vorwand TOTAL MEGAEROTISCHER Duschspiele (*würg*) die Frau aus dem Bett ins Bad unters Wasser geschoben.
In beengter Athmosphäre zu zweit in der Duschkabine alles nochmal grundgereinigt.
Das Männerbad beim Abtrocknen/Fönen nochmal schön mit roten Schnittlauchhaaren eingesaut, damit der Typ AUCH JA am nächsten Tag auch noch was davon hat - und dann zurück ins Bett.

Sie ahnen es schon, oder?
Alle Uhren auf null, alles nochmal von vorne!

Lektion vier:
Sie können den Typen ruhig ein bisschen hinhalten, das gehört "zum Spiel" dazu - aber irgendwann wird's dann mal frech.

Und als sie dann auch noch nicht blasen wollte und beim Cuningulus wirklich ABSOLUT KEINEN LAUT von sich gab (WAGEN SIE NICHT MAL, daran zu denken, MICH dafür verantworlich zu machen!), dann riss mir der Geduldsfaden.

Und ich warf mich ruckartig auf sie, drückte ihre Handgelenke in die Matratze und vögelte sie so schnell ich nur konnte, um SOFORT danach wieder in meinem Bad zu verschwinden und mir diese rotharigen Spinnfäden aus dem Mund und vom Schwanz zu duschen und das leicht konsterniert dreinblickende Weib nach Hause zu fahren.

Dieses Erlebnis und der Umstand, danach nie wieder was von ihr gehört zu haben, könnte der Grund dafür sein, dass sie nie das Buch zurück haben wollte, was sie mir ausgeliehen hatte:

"Traumatische Tropen".

Ein Buch, angekündigt als "der Megaknaller, MUSST Du lesen, Du LACHST DICH kaputt!"

Yo. Ich würde sagen: Ein Buch, genau so prickelnd wie seine Besitzerin.
Ich hab's nach der Hälfte der Seiten auch wieder nach Hause gefahren.
In den Schrank im Keller.

Lektion 5, diesmal für Männer:
Wenn Du eine Frau vögeln willst und dabei SPASS haben willst:

Guck Dir an, was für Bücher bei ihr daheim rumstehen.


> Falls KEINE Bücher dort stehen:   NUR blasen lassen !
> Falls "Traumatische Tropen" dabei ist:  Zieh Deine Sachen an und fahr heim.

Kommentare:

  1. Tatsächlich, ja? Den Mann von heute beeindruckt Frau mit ihrem Bücherregal? Interessant!

    Und was Ina betrifft: Schon mal drüber nachgedacht, dass eine Frau eventuell nur ganz exkluxiv liebt und die Eintagsfliege nicht das volle Verwöhnprogramm bekommt? ;)

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    1. Ja sicher - als Mann steht man ja TOTAL auf die INNEREN WERTE, klar doch! Schon IMMER!

      Nee mal im Ernst, die Mischung macht's, wie immer eigentlich. Ein Mangel an Intellekt KANN durchaus kompensiert werden mit äußeren Reizen, wenns nur um temporäre gemeinsame Ausübungen geht.

      Und nö, über Ina als Dauerprogramm bei mir können weder sie noch ich nachgedacht haben:
      ICH aus offensichtlichen Gründen nicht, und SIE deshalb nicht, weil sie mich ja vorher kannte ;-).

      Und übrigens: Wer unter "das volle Verwöhnprogramm" MEHR versteht als mehrstündige wiederkehrende Anläufe mit ausreichend Geduld und Aufwärmen, macht ja damit auf der Gegenseite nicht wirklich Werbung für sich, selbst wenn er (sie) etwas Längerfristiges im Kopf hatte.

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    2. Danke, liebe Helma, so ähnlich hätte ich es auch ausgedrückt. Allerdings nicht mit Zwinkrsmiley, sondern mit Ausrufezeichen.

      Ich glaube aber, hier mißversteht sich's gerade wieder aufs Herrlichste! Zumindest, was das "Verwöhnprogramm" angeht ...




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    3. (*knurr* Wenn ich schon beweisen muss, dass ich kein Roboter bin, dann doch bitte nicht mit so minifutzligen Bildern, die ich nicht interpretieren kann, dort aber Flüsse und Tee erkennen soll. Nimm doch einfach meinen Haken, blödes Programm!)

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    4. Die Ina scheint ja echt ein Schätzken gewesen zu sein...Ich bewundere ja Deine Ausdauer bei dieser ja eher "sportlichen" Herausforderung, alle Exen vom Kumpel rumzukriegen. Sowas wäre ja nichts für mich. Wenn ich mir vorstelle, ich hätte was mit jemanden, den meine beste Freundin schon hatte...ach nööööö ;-)

      Hast Du Dein Ziel denn nach diesem Ina-Reinfall noch weiterverfolgt?

      Und AnnJ: das mit dem Missverstehen habe ich genauso auch gedacht...hehe

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    5. Nicht flasch verstehen - Ina war ein vermutlich wirklich "guter Kumpel".

      Aber mit solchen Frauen öffnet man abends besser Bierflaschen vorm Fernseher als BHs hinterm Rücken.^^

      Und ja, ein mal hab ich noch was versucht, aber die Dame wohnte weiters weg und verschwand sehr geräuscharm und gründlich naus unserem Umfeld.

      Und was bitte hab ich denn JETZT SCHON WIEDER missverstanden?!?

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    6. das mit dem Verwöhnprogramm ;-)

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    7. A...-ha?

      ...

      Ahhh!

      Na, DAS könnte ich ja leiden - das "Verwöhnprogramm" kriegt also demnach nur eine Dauergefährte??
      Das ist ja SUPER, ganz toll, und mal wie selten dämlich!

      Wie bitte will ich denn jemanden davon überzeugen, längerfristig bei mir zu bleiben, wenn ich im Bett auf Trennkost setze?? (SÔWAS kann doch echt nur eine Frau denken...^^)

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    8. Ladies, wer erklärt's ihm? Soll ich? Aber er will es doch gar nicht wissen, oder?

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    9. Ich lehn mich einfach zurück und trink einen (alkoholfreien) Cocktail...schlürf...Cool hier :-D

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    10. @AnnJ:
      Wer die Frage stellt, löst auch die Antwort auf, oder?^^ Raus damit.

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    11. @Ahhh - wie Anonym herrlich herrlicher am herrlichsten kaum sein könnte: Ach herrje - SO kann auch nur ein Mann denken: dass Frau (!) sich gefälligst beim ersten Bettspiel so ins Zeug zu legen hat, dass Mann nicht mehr gehen will - inklusive Französisch. Ach Gottchen nee, wie billig.
      Ich kenne keine einzige längerfristige Beziehung, in der DAS das entscheidende Kriterium über Hopp oder Top gewesen ist.
      Man hat sich sonst nix zu sagen, aber Hauptsache, der Dödel wurde schön verwöhnt.
      Der Sex mit dem Mann übrigens war scheiße, aber hey - sein Dödel wurde schön verwöhnt!
      Oh man ey...

      Im übrigen war hier nicht von Trennkost die Rede als viel mehr davon, sich nicht gleich alles in den Mund oder sonst wohin zu stecken. Erst recht dann nicht, wenn man weiß, man sieht sich einmal und nie wieder. (Ina wirds gewusst haben.) Es nicht mit jedem und auch nicht mit jedem alles zu machen hat für mich Klasse - logisch, dass es dann für Männer wie Ahhh dämlich sein muss.

      @Sentinel: Ist das jetzt Auflösung genug gewesen? ;)

      @AnnJ und Anni: Cocktail?

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    12. Das sagt ja auch niemand, dass DAS ein Kriterium für langfristige Bindung sein soll - aber ob ein "ich wart erst mal ab ob der bleiben will und ob ICH den überhaupt bei mir bleiben HABEN will, bis ich im Bett auf's Gas gehe" wirklich besser zum Ziel führt, lasse ich mal dahin gestellt.

      Andersrum betrachtet:
      Die Frauen, die ICH kenne, haben die Männer auch sofort wieder abgeschossen, die sich ..."unbefriedigend" angestellt haben im Bett.
      Und eben den Frauen mag ich nicht durch die Bank weg von vorneherein "nur Interesse an einem one-night-stand" unterstellt haben, im Gegenteil.

      Oralsex on the first date? Warum nicht? Ich als Mann hab damit nie ein Problem gehabt (giving!), schließlich soll die Frau ja auch so richtig was davon haben. Dachte ich.

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    13. Na dann lies mal den Kommentar von Ahhh - für den scheints ja ein Kriterium zu sein :) Zumindest lesen sich seine Zeilen so.
      "ich wart erst mal ab ob der bleiben will und ob ICH den überhaupt bei mir bleiben HABEN will, bis ich im Bett auf's Gas gehe" bzw. "Oralsex on the first date? Warum nicht? Ich als Mann hab damit nie ein Problem gehabt (giving!), schließlich soll die Frau ja auch so richtig was davon haben. Dachte ich." Ohne jetzt hier ins Detail gehen oder beliebte Sexpraktiken ausplaudern zu wollen: Es kann doch jede/r machen wie er will, ich finde das völlig in Ordnung, solange sich beide damit wohlfühlen. Egal, ob beim 1. oder 100. Mal. Dass das insgesamt mit Ina so ein "Akt" war, lag ja vermutlich nicht an fehlendem Französisch, sondern wohl insgesamt ihrem Wesen bzw. der ganzen Situation ;)
      Ich für mich persönlich aber teile nicht alles mit jedem - da bin ich exklusiv - und nicht dämlich ;) Und Herr Blau findets gut so ;)

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    14. Helma?

      ...

      der "Ahhh" ist kein Leser....und auch kein Fremdkommentierender....

      ;-))))))

      Und ja - für MICH ist es ein Kriterium.
      E I N E S. Von ganz vielen.

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    15. Ich musste jetzt sehr, sehr lachen - über mich! :)

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  2. Herrliche Story !!!! Kurze Frage: auf wann basiert denn die ROTSCHOPF-ICH-RASIER-MICH-NICHT-GESCHICHTE?

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    1. Eine Frage, mit der ich sicher gerechnet hatte. Hier ist vom Jahrtausendwechsel die Rede.
      Von ollen Kamellen also.

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  3. In Zeiten der eBookreader wird das mit dem Bücherregal aber schwer …

    Zum Buch kann ich nur sagen … "Der lustigste Text, den jemals ein Ethnologe verfasst hat/Der Tagesspiegel" … *hust* … so so, Ethnologen können lustig!?!

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    1. Eine sehr passende Rezension!

      Passend zum Tagesspiegel!

      :-)

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