Montag, 4. Juli 2016

KcilbkcürnehcoW KW 26



     Montag:

Sitze im Auto, um zwei einhalb Stunden nach Nürnberg zu fahren und die gleiche Strecke wieder zurück, um an einer nichtmal dreistündigen Task-Force-Runde teilzunehmen.

[Definition "Task Force":

So was beruft man ein, wenn die Kacke am Dampfen ist
und ganz schnell von igrendwoher Lösungen kommen sollen für ein Problem,
was nur den Oberoberoberchef betrifft.

Zur Problembehebung fehlen dabei grundsätzlich diese Mittel:
1. die notwendige Zeit
2. das notwendige Geld
3. das notwendige Personal.

Infolgedessen stellt man eine TASK FORCE zusammen, die zwar nichts ändern kann (und soll),
aber die zumindest als Schuldiger hinterher sicher identifiziert werden kann.]

Gott sei Dank ist ein lieber Kollege mit im Auto, mit dem ich mich austauschen kann und der auch schon zweimal im Konzern den gleichen Job hatte wie ich.
Mit ihm stimme ich mich hinsichtlich der Positionierung nachher im meeting ab.
Damit wir mit einer Sprache sprechen.
Die Zeit vergeht wie im Flug (insofern man von der Autobahn Richtung Nürnberg von "Flug" sprechen kann. Und nicht etwa von "Pflug").

Am Ziel angekommen stelle ich zu meinem Entsetzen fest, dass 40% der Task Force aus FÜHRUNGSKRÄFTEN besteht, was einerseits eine quantitative Unwucht in den Redeanteilen der TasForce verursacht, andererseits aber eine gewisse Abenteuerlichkeit hinsichtlich der vorgeschlagenen Sofortmaßnahmen sichert.

Führungs-Kräfte sind halt....ähm, selten vom Fach.
Sonst wären sie ja Fach-Kräfte. Also so einer wie ich zum Beispiel.

Trage nach zunächst 20-minütigem Schweigen ruhig und besonnen vor, dass die Hälfte der bisher (zu 95% von den Führungskräften) vorgeschlagenen Maßnahmen mehrere problematische Eigenschaften mit bringen:

  • dass sie aus rechtlicher Sicht völlig unhaltbar sind
  • dass sie mangels Personalkapazitäten völlig inpraktikabel sind, oder aber
  • beides

Nur Millisekunden später prallt eine Woge böser Magie aus den Augen an der gegenüberliegenden Seite des Konferenztisches zu mir herüber, aber:
Wer, wenn nicht ein WoW-Level 100-Schattenpriester sollte vermögen, mit anprallender dunkler Magie umzugehen?
Eben. :-)


     Dienstag:

Habe nach dem gestrigen Tag erstmal die Schnauze voll und schiebe spontan einen home office Tag ein.
Den ich morgens in der Sauna verbringe.
Die Bar dort hat eine neue Ordonanz, eine Philippinin [stelle gerade fest, dass ich dieses Wort zum ersten mal in meinem Leben schreibe!].
Beginne zu verstehen, warum mein Vater so auf Philippininnen [da, schon wieder] stand.
Lecker, lächelnd, fix zur Hand.
Bitte kein Sexismus-bashing jetzt,
SIE ändern sich nicht mehr,
ICH ändere mich nicht mehr,
alles gut ♥.

Nachmittags mache ich ein paar neue Fotos von Zimtmädchen und wir schauen uns den aktuellen Stand ihrer Bachelorarbeit an.
Und die aufgelaufenen Rückrufe des Arbeitstages erledige ich abends, damit sichergestellt ist, dass Keiner der Anrufer im Büro ist.
Meine Stimme aufm Anrufbeantworter muss heute mal reichen für alle.



     Mittwoch:

Bekomme eine Email von AliExpress.com
Mit Produktempfehlungen, "auf Basis meiner bisherigen Einkäufe".

Meine bisherigen Einkäufe:
  • 2 Handy-Klappcover
  • 1 Herrenanzug (Übergröße, schwerer Tweed-Stoff)


Meine Produktempfehlungen:






Möchte bloß mal wissen, woher die das mit der Asiatin jetzt schon wieder wissen!!?!



     Donnerstag:

Treffe mich abends mit meinem Kollegen in der Stadt zu Bier und Fußball gucken.
Komme aus irgendeiner kranken Hirnwindung heraus auf die Idee, des zu erwartenden Alkoholkonsums halber mit dem Fahrrad dorthin zu fahren.

Google Maps sagt: 11 Minuten Fahrstrecke.
Treffe nach sehr ordentlichen 20 Minuten prustend an der Bar ein und finde den Kollegen grinsend auf der Treppe wartend.

Wie sich herausstellt, steht bei ihm die bereits zweite Scheidung an.
Sehr beachtlich für einen fünf Jahre jüngeren Mann als mich, wie ich finde.
Würden Sie außerdem nicht glauben, wenn Sie ihn sähen, so ein lieber Kerl.
Aber mit unfassbar schlechtem Auge für Frauen (ich kannte BEIDE).

Seine aktuelle noch-Frau kennen Sie hier im Blog übrigens - das war die Frau, die in nur einem Monat EUR 1.800 in einem Handyspiel verzockt hatte, erinnern Sie sich?
Und wie sich im Laufe es Abends herausstellt: Nicht nur in EINEM Monat.

Das war auch die, die monatelang ihr Auto unrepariert vor der Haustür stehen ließ.
Begründung: Sie gehe ja eh nicht aus dem Haus, zu welchen Freunden denn auch?
Und auf die Arbeit fahre sie mit Bus und Bahn.

Empfehle ihm nach drei Bier und zwei Wein eine Philippinin und werde auf dem Heimweg leicht schlingernd im Stockdunkeln (Fahrradleuchte vergessen) von zwei Katzen und einem Marder geschnitten.
Rufe -leicht angeschickert wie ich bin- im Vorbeifahren dem Marder zu, er solle mir nachlaufen, bei mir gäb's leckere Kühlschläuche im Auto.
Was den Mann, der in genau diesem Moment raus kam um seine gelbe Mülltonne an die Straße vor zu stellen, wohl noch eine ganze Zeit lang beschäftigen wird.



     Freitag:

Gott sei Dank hat die Chefin das geplante Teammeeting von "real" auf "virtuell" verlegt.
Skype for business ist schon was Geiles.
Denn am Freitag nachmittag im dicksten Landeshauptstadtverkehr nochmal in die Zweigniederlassung zu fahren, war Keiner von uns scharf drauf.

Zumal nicht mit respektablem Restalkohol von gestern.

Leider kommt nicht jeder von den Kollegen gleichermaßen mit der neuen Technik klar:

Kollegin "Letztes Jahr vorm Vorruhestand!" schnaubt und röchelt und nestelt in ihr Headsetmikrophon, dass man quasi minütlich mit ihrem Ableben rechnen muss.

Kollege Büffel verwechselt tourmäßig "Mikrophon STUMMschalten" mit "Mikrophon FREIGEBEN" und erheitert die zwei-Dutzend-köpfige Runde mit den nichtfeststofflichen Nebenprodukten seiner Magen-Darm-Tätigkeit infolge unbotmäßig reichhaltigen Mittagessens.

( Der Umstand, dass JEDER -also auch ich- Teilnehmer die Mikrophone
eines JEDEN anderen Teilnehmers stummschalten oder per Mausklick wieder freigeben kann,
KÖNNTE hierbei EVENTUELL eine gewisse ROLLE gespielt haben.)

Kollege "Psychopath" hat als Einziger seine WebCam aktiviert (wozu?!) und verhält sich nach nur 10 Minuten vor ihr so, wie die meisten Mittfünfziger sich vor den "neuen Medien" verhalten:
Sagen wir, unachtsam und vergesslich.
Stichwort: Jogi Löw, Stadionkamera.

Auch ich trage zur Erheiterung bei, gleich zweimal.
Einmal, als während meines Wortbeitrages Kermit im Teich Sommergefühle überkommen und ebenso munter wie vernehmlich ein Quaken durch das meeting schallt.
Das andere Mal, als die Nachbarskinder durch das offene Bürofenbster schonmal ihre Rolle als Sternsinger proben und im Chor nicht schön aber selten "Schneeflöckchen, Weißröckchen" und "Ihr Kinderlein kommet" singen.

Am 01.07.! Bei 23°C Außentemperatur.!

Diese Jugend, sie muss als verloren aufgegeben werden.
Findet auch der Büffel.
Als er vom ausgiebigen Pinkeln zurückkommt und feststellt, dass alle außer ihm die Skypekonferenz bereits verlassen haben.



     Samstag:

Erwache nach einem Traum, in dem Christiano Ronaldo die Hauptrolle gespielt hat,
mit einer Mörder-Erektion. (ja)

Als könnte es nicht noch schlimmer werden, erzähle ich der Gattin beim Frühstück davon.
Woraufhin ich ausgelacht werde mit den Worten "Muss ich mir jetzt Gedanken machen?".

Infolgedessen ICH ein wenig spitzzüngig entgegne, dass dies nicht ausgeschlossen sei - immerhin habe Ronaldo den deutlich knackigeren Hintern,  und anschließend ist der Samstag in jeder Hinsicht gelaufen.



     Sonntag:

Geburtstagsfeier von unserem Patenkind Nummer [hab-ich-vergessen].
Pflichttermin also.
Als wir ankommen (20 min zu spät, der Gattin und ihrer Schuhauswahl sei es gedankt), ist noch nix fertig vorbereitet.
Alles wie immer also.
Nun muss es schnell gehen.
Also, alles.

Und ich denk' mir noch: "Dem Kleinen wird seine Mutter doch jetzt nicht ernsthaft schon wieder die Fertigsauce anrühren, der verträgt mit seiner Neurodermitis doch nix!?"

Es vergehen keine 5 Minuten, da kratzt sich der Kleine.
Ach, wie überraschend.
Wer hätte DAMIT auch jetzt rechnen können.
Natürlich leidet er und wird weinerlich.
Würde ich auch bei all den roten Stellen Hals und hinter den Ohren.
JETZT wird natürlich gesalbt und gecremt!

Aber ich hab ja keine Ahnung. Und keine Kinder.
Mache mir angesichts der Essensportionierung auf der Party (z.B.: eine gute halbe Pfanne Kartoffeln für 8 Leute) zurück daheim angekommen erstmal ein Leberwurstbrot.





Kommentare:

  1. Ah, da isser ja wieder. Und hat natürlich wieder mal nix gesagt. Und ich komm erst Monate (MOOOONAAAATEEEE!!!!!) später dahinter, und muss nun alles nachlesen. Gut, dass Donnerstag der Urlaub beginnt :-D.
    Grüße von flyhigher (nix mehr Blog hab)

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    1. Dear flyhigher,
      ...es ist NIE zu spät, zum Guten zurückzufinden :-).

      Und ich gebe zu, ich war neugierig, ob ich die "alten Leser" ohne jegliche "Werbung" und aktive Streuung noch einmal würde zurückgewinnen können.
      Ob es noch mal möglich sein würde, ohne Rückenwind alter Verbindungen "von null" anzufangen und ein gewisse Verbreitung zu erreichen?
      Der Test läuft noch^^.

      Und zum "Nachlesen":
      Nur die Ruhe, es sind hier bisher lediglich 100 Beiträge :-) - das ist GUT zu schaffen in wenigen Urlaubsstunden.
      Zumal hier etwas mehr Bildpostmaterial dabei ist als früher.
      Ich wünsche VIEL SPAß dabei ;-).

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  2. Ach ja, manchmal möchte man doch einfach nur rechts und links Ohrfeigen austeilen, oder?
    (Fertigsauce? Mir wird schon schlecht, wenn ich das Wort nur lese, sorry. Und ne halbe Pfanne Kartoffeln würde mir nicht mal alleine reichen!)

    Ansonsten: Die Jacke !!! Un-be-dingt!

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    1. Das mit den Ohrfeigen habe ich mir abgewöhnt.
      Das läuft eher unter "...denn sie verdienen mehr unser Mitleid denn unseren Zorn!".

      Die quantitative Einschätzung bezüglich des Kartoffelkonsums teile ich vollinhaltlich. Hier auch so!

      Und was die BOMBERJACKE angeht:
      EHER WÜRDE ICH DEN ROCKABILLY-DRESS RECHTS DANEBEN ANZIEHEN ALS DIESE JACKE !!

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  3. Mittwoch:
    Wer sich mit einem Anzug ausstaffiert und mehrere Handyklappcover kauft, ist offensichtlich auf Brautschau. Anzug zum Eindruck schinden, Klappcover als kleine Mitbringsel. Von da an ist es nicht mehr weit bis zum Kleid als passendes Mitbringsel. Und zur Peitsche aus Menschenhaar (man kennt offensichtlich Ihre Neigungen).

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    1. Fast richtig: Klappcover als Geschenk an die Brauteltern! Nur nicht übertreiben, die können froh sein, einen Schwiegersohn wie mich zu haben.

      Aber ich hab den Rossschweif-buttplug erst gar nicht als PEITSCHE identifizieren können, chapeau dottore, gutes Auge!
      Da muss ich ja bei den Alibaba-Asiaten dirket Abbitte leisten...

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