Mittwoch, 3. August 2016

Von Methusalems


Wenn man die Kundenbewertungen im Internet liest (allen voran bei den Amazonen),
kommt man nicht umhin festzustellen, dass ich einen echten Methusalem links neben mir
im Büro stehen habe:

Einen Multifunktionsdrucker namens Canon Pixma MP 640.
Er sieht aus wie ein kleiner Rimowakoffer, nur ohne Rillen.
Also explizit hässlich.

Die Wahl fiel im Wesentlichen aus 3 Gründen auf ihn:
  1. ich wollte einen Drucker, der auch scannen kann und das per WLAN
  2. er sollte separate Farbpatronenkammern haben und randlos Fotos drucken können
  3. er MUSSTE in mein Büroboard reinpassen  !!
In der Stadt beim Breuninger (= so 'ne Art Kaufhof) war er zwar mit Preisschild ausgezeichnet
- aber das Regal war leer.

Wann der wieder verfügbar sei?
"Ämmm...pffff...ja also...kann ich Ihnen auch nicht sagen."

Ok. Ein Loblied auf unseren Einzelhandel und dann raus aus dem Laden und - ab dafür via Internetbestellung.
Etwa 200 Euro, wenn ich's noch recht weiß.
Das war Anfang 2010.
Was bedeutet, ich habe das Ding seit 6 ½ Jahren im Einsatz.

Und damit meine ich: Vorderste Front, harter Büroeinsatz.
Das Verdun unter den Druckerschicksalen.
Ohne übertreiben zu wollen, sind da sicher schon 1000 Blatt Fotopapier und 30.000 Seiten
normales Papier durchgerattert. Wenn's reicht.

Wie das heute mit den Billigprodukten (jaaa, der zählt zur Kategorie "Billigdrucker"!) so ist, darf man keine Lebensdauer erwarten, die die 2-Jahres-Garantie wesentlich überschreitet.
Es ist ein "Einwegdrucker".
Nur: Meiner tut's schon seit über 6 Jahren und ich vermute, das hat einen Grund...

Die Amazonenkommentare und der Rest des Webs SIND VOLL von lautstarkem Wehklagen bezüglich "Fehler B200" bei diesem und etlichen anderen Canon-Druckern.

Den Verkäufer / den Hersteller / die Servicepartner brauchen Sie dann erst gar nicht kontakten - bei DEM Preis ist klar, dass KEINE Reparatur von NIEMANDEM mehr angeboten wird.

Sie sollen -offizielle Auskunft- das Gerät wegschmeißen und durch ein Neues ersetzen.
Nur: Ich bin kein "Wegschmeißer".
Ich komme aus der "Reparierer-Generation".

Interessanterweise tritt der "B200" verdächtig oft verdächtig kurz nach Ende der Garantiezeit auf,
egal ob Imitate oder Originalpatronen eingesetzt wurden.

Jetzt verwendet aber NIEMAND mit einem IQ oberhalb FOCUS-Leser die Originalpatronen von Canon!

In dem Teil arbeiten 5 Patronen:
  • eine dünne schwarze
  • eine dicke schwarze
  • und drei Farbige (cyan, magenta, yellow)
...zum sagenhaften Wiederbeschaffungspreis von EUR 65,-- für den 5er-Komplettpack. 
Einzeln kosten sie gar 13-18 EUR das Stück.
Chanel No.5 ist da nur unwesentlich teurer pro 100 ml !

Stattdessen verwendet man die Imitate - zum Preis von 1,-- €  PRO PATRONE.
Dadurch verstopft allerdings der Druckkopf schneller, und nun geht's los:

Wer sich nur EIN BISSCHEN mit seinem Tintenstrahldrucker BEFASST, wird schnell dahinter kommen, dass dieser "B200" kein Todesurteil ist - der Druckkopf ist lediglich entweder verstopft oder elektronisch defekt.
Im ersten Fall kann man ihn noch 1-2x retten durch Ausbauen und reinigendem Ersäufen in Apothekenalkohol. Was ich unregelmäßig tue (wenn Streifen ins Druckbild kommen).

Im zweiteren Fall ist der Druckkopf final hinüber.

Den kann man zwar austauschen. Macht aber Keiner.

Denn das Originalteil kostet schlanke EUR 85, der ganze Drucker ist heute aber neu für unter EUR 150,- zu haben.
Es sei DENN, Sie kaufen auch den Druckkopf in Asien- da wird er ab EUR 21,-- auf Ebay gehandelt, braucht aber bis zu 8 Wochen, bis er bei Ihnen ist.

Soll heißen:
Sie kaufen den Drucker,
dazu 5x 20er-Packs Imitatpatronen
dazu ZWEI Ersatzdruckköpfe.
Fertig.
Und dann haben Sie nie wieder ein Problem.

Denn wenn der Druckkopf verstopft ist, hauen Sie ihn raus und schrauben den nächsten rein
(einen von den zweien, die Sie auf Reserve hatten.
OHNE 8 Wochen auf den Ersatz warten zu müssen.
Lehrgeld wurde hier entrichtet...).

Und das für einen Preis, für den Sie noch nicht einmal 2 Canon Originalpatronen kaufen können.

Seit dem ersten Tag mache ich das so und hatte noch nie den "B200"-Fehler, welcher -Böses unterstellt- auch damit zusammenhängen könnte, dass der Drucker die Anzahl seiner ausgewechselten Patronen heimlich bis zu seinem geplanten Lebensende "mitzählt" - aber eben nur, wenn es sich um "seine" Patronen handelt (also Originale).

Schöner Nebeneffekt:
Die Imitatpatronen bringen nur 15% der Müllmenge, die eine Original Canonpatrone verursacht.

Natürlich sind die Imitatpatronen schneller platt und auch nicht wirklich UV-lichtecht.
Mir egal: Die Originalpatronen sind im Schnitt 10-12x so teuer wie die Imitate, halten aber bei Weitem nicht 10-12x so lange.
Ähnliches gilt für den Druckkopf.

Mit ein bisschen Mitdenken und vorausschauendem Handeln (plus einem bisschen Glück)
kann man also durchaus viele Jahre mit seinem "Einwegwerkzeug" arbeiten und Spaß haben.

Unsere Welt ist vollgemüllt genug.

Kommentare:

  1. Der "Fehler B200" hat nur einen Grund - Geplante Obsoleszenz


    ... und er kommt nicht nur bei Canon-Druckern vor.
    Mit der Repartur-Generation kann die Industrie heutzutage leider kein Geld verdienen - aber genau das wollen sie ja ... schneller und mehr als früher ...
    Leidtragende sind wie immer die Endverbraucher.

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    1. Auch ich war in der Vorbereitung auf diesen post auf "geplante Obsolenz" gestoßen, habe den Begriff hier aber vermieden. Er ist aber natürlich naheliegend.

      Unter Anderem hatte ich hiermit auch aufzeigen wollen, dass es Wege gibt, sein Gerät EBEN NICHT nach 24 Monaten Garantie (plus 20 Wochen Glücksspielzeit, wie viele berichten) wegzuschmeißen.

      Ich finde, einmal alle 18 Monate ca. 21 EUR für einen neuen Druckkopf aus Asien zu investieren nicht zuviel verlangt.

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  2. Gut, ich drucke jetzt nicht ganz so viel wie Du. Mein Drucker ist aber schon.....noch älter.
    2007 oder 2008, glaube ich, und seit die mitgelieferten Patronen alle waren, gabs nur noch Imitate.
    Und jetzt, wo ich damit angegeben habe, wird's wohl das nächste Gerät sein, das sich verabschiedet. ;-)
    Sylana

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    1. Schonmal sicherheitshalber 'nen Ersatzdruckkopf bestellen und 2-Propanol aus der Apotheke besorgen^^.
      Könnte ja IN KÜRZE MAL wichtig werden :-).

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    2. Ha, habsch grad geg**gelt: Gibt gar keine Ersatzköpfe für das Teil mehr!
      Gut, es ist die Apotheke noch eine Option.
      Na, es geht halt so lang es geht. Ich habe einfach ein Problem damit, Sachen zu ersetzen, die noch funktionieren, nur weil sie ein ehrwürdiges Technikalter erreicht haben!
      Sylana

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    3. Im Gegenteil. Wahrscheinlich sprechen wir in 15 Jahren von diesen Druckern als "gute alte Zeit, wo die Geräte noch stabil waren und länger als 1 Jahr gehalten haben"!

      Gib mal bitte die genaue Druckerbezeichnung/Typenbezeichnung rüber, das glaub ich noch nicht, dass es da gar nix mehr zu ersetzen gibt...

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    4. Ja, das kann gut sein!
      Drucker ist ein Brother DCP-150C, die Patronen sind ja unproblematisch.
      Willste da wirklich suchen?
      Danke!
      Sylana

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    5. Erledigt. Der Grund dafür, dass kein Ersatzkopf mehr zu finden ist für den Brother DCP 150C: Es gab nie einen!
      Der Druckkopf ist bei diesem Modell permanent verbaut.
      Da hilft also nur: Immer gründlich reinigen und beten.♥

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    6. Guck an. Du bist viel geduldiger als ich beim Suchen! ;-)
      Aber umso erstaunlicher, das das Teil so lange hält, oder?

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    7. Absolut!
      Wie gesagt..."DAMALS, da waren die Drucker noch Qualitätsware"...;-))

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  3. Ha, das kann ich auch über - ich biete einen 10 Jahre alten Drucker. :-)
    In der Zeit habe ich allerdings schon drei Bügeleisen geschrottet, das gleichts wohl wieder aus ...

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    1. Vielleicht hättest Du bei den Bügeleisen erst einmal den Druckkopf aust...ach, egal.^^

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  4. Ich lese die Süddeutsche und kaufe Originalpatronen. Aber wie der geneigte Focus-Leser sagen würde: "Mit diesem einfachen Trick spart diese junge Frau Lebenszeit und kommt zu guten Druckergebnissen"

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    1. Der Preis der Original Patronen ist aber einfach nur eine Frechheit! ^^

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