Donnerstag, 6. Oktober 2016

Kopfschütteln


Das sind durchaus interessante und spannende Zeiten, in denen ich da lebe, ladies and gents.

Vermutlich ist es aber so ein scheiß älter-werden-Ding, dass ich der erdrückenden Mehrheit des Erlebten nicht anders begegnen kann als mit Kopfschütteln.

Wie oft ich mich ertappt habe die letzten Tage bei so Gedanken wie "früher war alles besser"! Höre mich zunehmend an wie irgend so ein alter Sack.
Was bei Lichte betrachtet ja auch nicht ganz verkehrt ist (vom Sack mal abgesehen, der ist top. Aus erster Hand sozusagen.).

Auswurf der letzten Tage gefällig? Egal. Kommt ohnehin unvermeidlich.

Urlaub Südtirol/Toskana:
Also ehrlich? Ich hätt nach den drei Tagen Südtirol nicht noch ne Woche in die Toskana fahren müssen. Hätte auch gut einfach weiter dort bleiben können.

Das Wetter war absolut spitze in der Toskana, das Essengehen und der Wein dort nahezu ausnahmslos Highlights.

Aber drei Tage kein warmes Wasser im Ferienhaus, Matratzen die so schlecht waren, dass ich nach drei Tagen bereit war auf dem Steinfußboden zu nächtigen und geheult habe vor Rückenschmerzen und überhaupt so Besichtigungsurlaube sind jetzt nix, worum ich mich reiße. Zumal die Wandkalender und Reiseberichte fotografisch nicht ungeschickt eine andere Toskana vermitteln als die, welche sie dort dann antreffen.

Abgesehen davon, dass der gemeine Italiener auf seinen Straßen eine rücksichtslose und dauerdrängelnde Drecksau ist (wenngleich noch nicht in dieser Ausprägung von einem Todeswunsch am Steuer beseelt wie etwa die Griechen in ihrem Land, bei denen hilft echt nur noch beten oder Schusswaffengebrauch).
Kopfschütteln.

Ich war so begeistert am Abreisetag, dass ich beim Kofferpacken in die Hände klatschte und für die ersten 600km das Lenkrad nicht aus der Hand zu geben bereit war.

Und wenn man weniger Tankfüllung als Kilometer to do vor sich hat, fahren manche halt rechts ran an die Tanke.
Ich hingegen sage : "CHALLENGE ACCEPTED!"




Tagung 1:
Nach nur einer (ultraerholsamen) Nacht daheim im eigenen Bett (mit welchem mein Körper für 10 Stunden quasi fusionierte) ging es gleich weiter auf einen 2x2tägigen Tagungsmarathon.

Bonn.
Reise einen Tag vorher zur Übernachtung bei Freunden an, aktiviere ein Smartphone, führe ein wundervolles Gespräch mit Bin (der Tochter des Hauses) und trinke angesichts der nächsttägigen Tagung weitaus zuviel Alkohol.

Köln.
Parke morgens in einer Tiefgarage, in die ich aus eigenem Vermögen nie wieder würde hineinfinden können und nehme an einer Tagung teil, die sich gewaschen hat.
Nur ganz kurz Fachgesimpel: Sollten Sie in Deutschland privat krankenversichert sein, würde ich langsam mal die Urlaube aus dem Haushaltsbudget nächstes Jahr streichen und das Weihnachtsgeld beiseite legen.
Zusammenfassung in einem Satz: Blutbad.
Kopfschütteln.



Der zweite Tag beginnt mit einem an der Hotelbadezimmerecke angeschlagenen kleinen Zeh und Katerkopfweh infolge erneuten Alkoholkonsums jenseits der empfohlenen Tagesverzehrgrenzen.

An diesem Tag geht es um gesetzgeberische Regulatorik für die Versicherungsbranche. Mega Kopfschütteln.
Aus meiner Sicht tut diese EU alles, wirklich alles dafür, dass KEINER mehr durchblickt (weder Kunden noch Anbieter).
Ein "normales" Angebot welches vollständig ausgehändigt wird, umfasst derzeit bereits etwa 32 DIN A4 Seiten, nun kommen etwa 2-3 Neue nochmal hinzu.

Brüssel nennt das "Verbraucherschutz", eine Auffassung, die ich nicht uneingeschränkt teile. Aber es ist absolut sonnenklar: Berufe wie meiner sterben aus, es ist zum Greifen nah.
Den anderen Jungs ist das Thema nicht so wichtig und daher wandern durch unsere WhatsApp-Chatgruppe Videos von Frauen die sich erfolgreich Auberginen einführen und ähnlich intellektuelles Bilderwerk.

Tom nimmt mich danach mit zurück zum Hotel in seinem Auto, welches in jeder Kurve Schläge ablässt und knirscht. Putzen lohnt sich offenbar auch schon seit geraumer Zeit nicht mehr.



Nach Tagungsende verabschiede ich mich von den wenigen Kollegen,  die noch um mich herum geblieben sind. Aber nur für etwa 5 Stunden. Denn wir alle reisen nun ab zur NÄCHSTEN Tagung, die morgen beginnt. Ein anderer Veranstalter, aber zu 70% die gleichen Inhalte wie die letzten 2 Tage!
Kopfschütteln.

Manchmal denke ich: "Ist doch gut, dass wir bald aussterben." Siehe Auberginen.

In NRW setze ich noch meinen Lieblingskumpel daheim ab, dann geht es auf den highway.
In Rheinland-Pfalz muss ich pinkeln und fahre einen typisch deutschen WC-Rastplatz an.



Kopfschütteln.
Wenn ich da an die sensationellen Toilettenrastplätze in Italien zurückdenke.
Irre.
Italia,  tu felicia.

In Hessen muss ich nochmal pinkeln, stehe aber im Stau.
Kann über Hanau auweichend aber immerhin 37 Minuten davon einsparen (länger hätts die Blase auch nicht mehr mitgemacht).

In Franken eingetroffen treffe ich 3 Bundesländer später die Kollegen wieder, die sich vorne an der letzten Ampel ebenfalls alle über die in Bayern offenbar prähistorisch gut erhaltene Fauna gewundert hatten.


An der Hotelbar besetze ich den besten Platz...



... in der festen Absicht, einen kleinen Salat zu bestellen im Angesicht der sehr fortgeschrittenen Uhrzeit.
Was mir auch nahezu gelingt.



Ok, Sie sind dran. Mit Kopfschütteln ; -).

Kommentare:

  1. Moin. Kaffee?

    Es wäre tatsächlich besser für den armen Planeten, wenn die Menschheit ausstürbe. Meine Meinung, mit der ich aber meistens allein auf weiter Flur bin.

    (Weia, wenn der MannMitHut das Bild aus der Hotelbar sieht - er bräuchte dann kein Hotelbett mehr, sondern würde in der Bar übernachten ...) Welcher Talisker war das? Ich kanns nicht entziffern. Den Oban kenne ich auch, die anderen müssten dringend probiert werden. ;-)

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    1. Danke sehr gerne! Blond und süß, bitte.
      Die Ansicht mit dem Aussterben teile ich ohne Einschränkungen. Das Buch DIE WELT OHNE UNS ist diesbezüglich eine tolle Bettlektüre.

      Die Whiskybar war erstaunlich bestückt für ein Hotel, der Lagavulin beispielsweise war mindestens 16 Jahre alt, der Talisker 10.
      Ausreichend Gesprächsstoff für eine Nacht an der Bar...^^

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  2. Die Zeitungen vermeldeten schon irgendwas mit erwarteten 10 bis 15% Erhöhung bei der PKV. War für mich eigentlich nur eine Frage der Zeit, bis so etwas passiert. (Kann ich mir mit Großfamilie sowieso nicht leisten).

    Das zweite Bild ist schön. Das ist bestimmt der Kölner Dom! ;-)

    Diese kleinen Hotelsalate kenne ich zu Genüge. Ist im nicht-deutschsprachigen Ausland manchmal die letzte Möglichkeit, sich nicht lokal zu vergiften und den Rest der Nacht auf der Hoteltoilette zu verbringen. Gut, man müsste dann nicht die Matratze ertragen...

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    1. Die Zeitungen geben eine Einschätzung des PKV Gesamtverbandes wider - das sind aber Durchschnittswert über alle Tarife und alle Anbieter. Es sind also auch beitragsSTABILE Tarife in dieser Aussage inkludiert.
      Ich habe konkrete Anpassungen in einzelnen Tarifen von +29% und +62% gesehen.

      Das zweite Bild IST der Kölner Dom, genau^^.
      Ist direkt auf dem Hotelflur vor meinem Zimmer entstanden.

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  3. Ah.....endlich mal viel Text!
    Wieso sollte ich mit dem Kopfe seitwärtige Bewegungen durchführen? (Mal davon abgesehen, das das grad eh nur weh tut).

    Das Futter - Bild hab ich mal schnell weggeklickt - weißt ja was passiert, wenn meine Sippe was Essbares sieht, und vor allem, was ich dann zu tun hab.
    Die Aussicht an der Bar, nun ja, die find ich schon schön....

    Kein Toilettenpapier? Na, das erklärt zumindest, warum ich laufend solche Klorollenhüllen häkeln soll....Wieder was gelernt....Und ich bin während dämlicher Konferenzen auch gleich beschäftigt.

    Was die EU betrifft - da soll doch keiner durchsehen. Und irgendwas müssen die ja tun, sonst würde sich womöglich die Meinung durchsetzen, das der ganze Haufen in Brüssel zwar Kohle ohne Ende verbrennt, aber ansonsten bestenfalls vollkommen nutzlos ist. Also was entwerfen, was keiner versteht, damit sie da dann allen erklären und kontrollieren können. Ich find ja, Verbraucherschutz als zweischneidiges Schwert, sorgt der doch meiner Meinung nach oft dafür, das sich besagte Verbraucher sicher geschützt fühlen, und den Kopf beim einkaufen ausschalten. Oder die Reibungswärme vom Über-den-Tisch-ziehen noch als kuschlig empfinden.

    Und von wegen Früher war alles besser: Ja, ist so. Jenseits der vierzig mag die eigene Anatomie einfach keine miesen Betten. Geht uns auch so. Also, bist in guter Gesellschaft. Meiner Laune ist es auch nur mäßig zuträglich, wenn ich früh aufstehe und erst mal rum latsche, wie der Glöckner von Notre Dame. (Paris war für uns übrigens die mieseste Herberge überhaupt.)
    Liebe Grüße
    Sylana

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    1. Jaaaaa, endlich mal wieder Text, ich weiß. Habe halt keine Zeit gehabt bisher.
      Indes, es gibt kaum eine größere Folter als nachts um zwölf auf einem TABLET den post für den nächsten Tag einzuhackem. Ausgenommen vielleicht Ferienhausbetten in der Toskana^.

      Meine Meinung zu EU Technokratismus würde jetzt hier zu weit führen aber ich beginne, das nicht mehr für einen Auswuchs, für einen Fehler eines Systems zu halten, sondern mich der Meinung Georg Schramms anzuschließen:
      Das System funktioniert bestens! Als läuft ganz ganz genau so, wie es soll.
      Nur halt nicht für UNS.
      Sondern für Andere.

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  4. Also als Teilitalienerin bin ich natürlich absolut nicht objektiv und kann ich über den ersten Teil wahrlich nur den Kopf schütteln ;-))
    Die Toskana ist sehr groß, vielleicht warst Du einfach nicht in der richtigen Gegend. Frag beim nächsten Mal einfach mich...kann Dir auch ein super Ferienhaus empfehlen, warmes Wasser, tolle Betten usw.

    Wenn Du meinst, das die Autofahrer in der Toskana wild fahren, komm mal ins "richtige" (südliche) Italien! Ich liebe es, dort zu fahren! Man kann machen, was man will und hupen, bis der Arzt kommt ;-D Herrlich! Allein dafür könnte ich schon auswandern.... Außerdem sind die Italiener viel rücksichtsvoller als die Deutschen. Die bestehen nämlich auf ihr Recht ("Grün? Ich darf fahren, komme, was da wolle", "ICH hab Vorfahrt" usw.) Das wäre in Italien lebensgefährlich - also geben alle etwas mehr aufeinander acht. Ich schwör ;-)

    Die Tagungszusammenfassung ist zwar sehr lustig zu lesen...lässt einen, was die Versicherungsthematik betrifft, aber tatsächlich etwas bangen. Es gibt hier in der Familie nämlich Privatversicherte. Schluck. Bin gespannt!

    Und, letzter Kommentar: HUNGER!

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    1. Herzlichen Dank für das nette Angebot. Wir waren in der Gegend von Marina di Castagnetto Carducci. Wir lernten ein Pärchen in unserer Anlage kennen, die zum neunten Mal in der Toskana waren - deren Aussage war ganz klar, dass dies hier die bei Weitem beste Anlage und Unterkunft war, seit sie die Toskana bereisen. Das fand ich....nicht ermutigend.^^

      Mein persönliches Problem ist im Kern Folgendes:
      Ich habe überhaupt keinen Spaß an fremden Ländern, Menschen, Kulturen. Ich fahre nicht gern weg. Was teilverständlich wird, wenn man weiß, wie und wo wir wohnen.
      Mein Interesse an Fremdländischem beschränkt sich ehrlicherweise auf Essen und...äh, ja, das weiß hier wohl jeder^^.

      Ich hege große Sympathien für die sauberen Regelungen hier in Deutschland und jegliche laissez faire in den Südländer und sonstwo im Ausland ist mir zutiefst suspekt.

      Da stellt sich eher ganz grundsätzlich eine Frage: sollte jemand wie ich überhaupt wegfahren? Ins Ausland?
      Man kann ja dazu stehen wie man mag, aber es geht doch eigentlich darum, jeden Menschen für ihn passend in artgerechter Haltung zu belassen - inklusive einem Urlaub, der auf ihn passt.

      Die Versicherungsthematik ist mir mit einiger Wahrscheinlichkeit einen separaten Post wert. Es sei denn, alle schreien schmerzerfüllt auf deswegen^^.

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  5. Ist das etwa kein Salat ??? Mist das erklärt meine Blähungen. Ich dachte das ich die Tomaten nicht vertragen habe ;-)

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    1. Das da ist SO WEIT weg von Salat, dass nicht mal ein Vorstand auf einer Investorenkonferez DAS DA noch zu "SALAT" umdeklariert bekommt^^.

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  6. Also das mit der weitaus besten Anlage wage ich zu bezweifeln. Die Landschaft in Eurem Urlaubsort ist tatsächlich völlig anders als man sich die Toskana gemeinhin vorstellt. Wir waren bisher in der Nähe von Siena. Das ist zwar weit weg vom Meer, aber sehr schön idyllisch (und Chianti-Gebiet...hmmm ;-))

    Egal. Wenn Du eh nicht gerne in fremde Länder reist, ist das wohl einfach so und Du wirst Dich nie recht wohl fühlen. Aber falls Du mal wieder "genötigt" wirst: es gibt sicherlich schöne Unterkünfte, in denen auch Du Dich wohl fühlst und zur Not einfach einigeln kannst :-)

    Aber wenn Du dieses Mal der Gattin entgegengekommen bist, wird sie sicher beim nächsten Mal mehr auf Deine Wünsche eingehen, oder?

    Ich bin froh, dass ich diesbezüglich keine Probleme habe, wir sind uns immer erstaunlich einig. Das ist sehr entspannend :-)

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    1. Siena war ein Besichtigungs-Highlight, fand ich. Im Prinzip muss man allein für den Dom einen kompletten Tag einplanen. Wir sind mit etwas über 3 Stunden gerade so hingekommen, ohne auch nur IRGENDwas durchzulesen.
      Und auch, wenn ich Reisemuffel bin, ich komme wirklich gerne auf Dein ANgebot nzurück, nix Besseres als first-hand-Empfehlungen!

      Deine Frage bringt mich auf einen interessanten Gedanken, denn tatsächlich wäre ICH jetzt das nächste Mal dran mit "wohin fahren wir"...ich sollte mir anfangen, Gedanken zu machen.
      Damit ich nicht wieder nachts um zwölf im Halbschlaf überrumpelt werde^^.

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  7. Auch wenn ich universenweit entfernt von ihrem optischen Frauenbild bin ... an der Whiskybar wäre ich trotzdem dabei. Wobei ich den Glenkinchie auslassen würde.

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    1. Mir war gar nicht bewusst, dass ich in DIESEM post etwas über mein "optisches Frauenbild" gesagt hatte?
      Aber das spielt gar keine Rolle, denn: Wer sich zu mir nett plaudernd und einem guten Whiskey an die Bar setzt, ist auch aus ganz und gar unsexuellen Gründen stets willkommen! ♥

      Und zur Trinkabfolge: Der Lagavulin und der Cragganmore hätten es mir wohl am Ehesten angetan^^.
      Vielleicht könnte ich ja den Barmann (DER hätte Dir als Frau dort gefallen!) auch dazu überreden, unterm Tresen den guten Ardbeg Uigeadail hervorzuholen...

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