Donnerstag, 13. Oktober 2016

launch sustainability


[ dritter und letzter Teil des rants über jene Kräfte,
die Lenker und Gestalter unserer Gesellschaft wurden.

Sie haben's überstanden, meine Glückwünsche begleiten Sie,
Hand in Hand mit meinem Respekt für ihre Geduldsamkeit.

Ab morgen gibt's hier wieder Titten, Schnecken, Musikzeugs
und anderen "normalen" Männerhirn-content.

Und nun leugnen Sie nicht.
Ich kann Ihr Lächeln sehen.]


Was machen Sie jetzt mit diesen wenig erotischen Gedankengängen?
Leiten Sie was daraus ab, für Ihre Zukunft?
Wenn ja, was?
Wenn nein, warum nicht?

Und was mache ICH mit diesen Gedankengängen?

Es macht nämlich nichts aus, ob man Dinge, die man SIEHT und die man für ungerecht oder ungut hält als einen Zufall, eine bedauerliche Fehlentwicklung eines ansonsten ganz properen Systems betrachtet.
Oder ob man sie als nützlichen Zweck ansieht, der irgendjemandem dient und daher nicht zufällig sein kann.

(Falls jemand eine dritte Möglichkeit postuliert, etwas habe
einen durchaus absehbaren Nutzen für Mächtige und Wohlhabende,
sei aber in seiner Entstehung TROTZDEM nur ein bedauerlicher Zufall gewesen,
bin ich geneigt, ihn zu belächeln, würde dies aber immer nur face-to-face
demjenigen gegenüber äußern und nicht in der Öffentlichkeit.)

Es macht deswegen nichts aus, weil es für die Konsequenzen keine allzu große Rolle spielt.

Was aus meiner Sicht kommen wird, hat nämlich nichts mehr damit zu tun, wer es wann wo wie
über wen eingerührt und angefangen hat. Oder wer wann noch wie mit wem hätte gegensteuern und vermeiden können.

Der Punkt ist:
Sie können eine Wirtschaftsordnung, die explizit auf Wachstum als existenzimmanenten Bestandteil fundiert, nicht lange aufrechterhalten.
Das geht schon mathematisch nicht.

Es geht aber vor Allem der Begrenztheit der Ressourcen wegen nicht.
Und wegen der Kollateralschäden, die ein exponentiell wachsendes System in und mit seiner Umgebung (Umwelt) anrichtet, geht es schon dreimal nicht.

Wenn Ihnen das zu wischi-waschi ist als echte Argumentation, oder wenn Sie's gerne mit bissfesten Zahlen hätten, dann können Sie gerne was Anderes tun:
Es gibt so 15-25 anerkannte und bewährte Indices, die sich auf sehr verschiedene Art und Weise damit befassen, wie es uns demnächst wirtschaftlich gehen wird.

Da ist sehr mathematisch-technisches Zeugs dabei, wie z.B. ein Index, der die Auslastung der weltweiten Containerfracht und die Preise dafür anguckt und diese in Relation setzt zu der Menge an neu hergestellten Frachtschiffen.

Da ist schräges Zeug dabei wie z.B. der Index, der sich anguckt, in welchem Jahr wieviele wie hohe Wolkenkratzer auf der Welt fertig gestellt wurden - und was historisch anschließend mit der Weltwirtschaft anschließend passierte.

Da ist Imitations-Zeugs dabei, das sich anguckt: Was machen denn gerade die Multimilliardäre so mit ihrer Kohle?

Da ist fundamentalanalytischer Kram dabei: Wie entwickeln sich die Gewinne der großen Unternehmen risikoadjustiert und auf 3-Jahres-Zeiträume heruntergeglättet?

Und jetzt kommt der Witz:
Egal, was sie angucken, alle diese Indices zeigen in eine von zwei Richtungen.

Die eine Richtung besagt, es geht weltwirtschaftlich spürbar bergab in durchaus absehbarer Zeit.
Die andere besagt: Hey, das geht noch viel schneller und knallartiger, wetten?

So. Und jetzt?

Sie können sich eh nicht groß wehren gegen das, was die Inhaber und Bezahler der Gewalten da mit Ihnen anstellen. Aber: Lindern können und sollten Sie.

Sehen Sie zu, dass Sie sich etwas aneignen, was unabhängig von der Existenz einer Währung einen Wert hat, der Ihnen Ihren Lebensunterhalt sichert.
Das heißt: Sie sollten etwas KÖNNEN, was Andere gebrauchen können.
Und Sie sollten über WISSEN im Sinne von allgemeiner Bildung verfügen (und Sie ahnen es sicher schon: Make-up- und beauty-skills sind mal wieder nicht mit dabei - ausgenommen bestimmte Gewerbe, die dann blühen dürften).

Ganz im Ernst: Handwerk wäre gut.
Gesundheit-für-Mensch-und-Tier-skills wären gut.
Menschen etwas beibringen und sie anleiten zu können wäre gut.

Sehen Sie zu, dass Sie das, was Sie besitzen, breit diversifizieren im Sinne von Nachhaltigkeit.

Geld als Wert ist nicht unbedingt nachhaltig, der Euro entpuppt sich als Witz.
Diversifizieren Sie ein bisschen außerhalb des Euros.
Nicht alles geht gleichzeitig den Bach runter.
Gemischtes Eis mit Sahne = Schweizer Franken, Norwegische Kronen, US-Dollar, so etwas in der Richtung.

Gold ist auch nicht nachhaltig (da staunen Sie), aber schon eher - jedoch nur die gängigen Kleinmünzen (Swiss Gold 20 Francs / Gold American Eagle / Gold South Africa Krugerrand, aber nur 1/10 - max. 1/2 Unze).
Und dann verstecken Sie einen Teil davon an einem sicheren Ort.
(Ein Bankschließfach ist kein sicherer Ort in diesem Sinne.)

Immobilien können Sie (erneutes Staunen) vergessen, sofern nicht selbstgenutzt, wenn es hier kracht.
Und selbst dann ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass man mit diversen Formen von Geldauflagen und Zwangshypotheken an Sie als Immobilieneigentümer herantreten wird (googlen Sie Lastenausgleichsgesetz).
Trotzdem, ein überschaubarer Wohnraum für sich selbst wäre sinnvoll, um im Notfall den Aufwand für den eigenen Lebensunterhalt kleiner halten zu können.

Wenn Sie irgendwie können, versuchen Sie, bei landwirtschaftlichen Nutzflächen mitzumachen, als Teilhaber.
Es gibt eine Menge Betriebe, die auch schon lange keinen Bock mehr haben auf Banken, die aber Investitionsmittel benötigen.
Erkundigen Sie sich in Ihrer Umgebung.
Es muss kein Fehler sein, am regionalen Erzeuger vor der Haustür mit eigenem Geld beteiligt zu sein.
Ganz im Ernst: Es könnte eine Zeit kommen, da sind Sie auf genau diese Verbindungen und Menschen angewiesen. Fangen Sie an, sich mit Wald und Kühen zu befassen.

Kaufen Sie lokal.
Es ist nicht notwendig, mit Ihrer 74. Bestellung bei den Amazonen Herrn Jeff Bezos zu seiner sechsten Yacht zu verhelfen.
Verhelfen Sie lieber der kleinen Tochter des Buchhändlers bei Ihnen am Ort zu den lang gewünschten Reitstunden!
Leeren Sie systematisch Ihre online-wishlists und suchen Sie Beschaffungsmöglichkeiten an dem Ort, an dem Sie leben und drumherum.

Fangen Sie an, sich von Dingen und Gütern zu trennen, die Sie in den letzten 2 Jahren nicht ein einziges Mal angefasst haben.
Denn das ist einer der besten Indikatoren dafür, dass Sie sie nicht wirklich brauchen.
Kleidung, Bücher, Spiele, alte Telefone und PCs, Schuhe (!).
Wenn Sie eingedenk Ihres persönlichen wirtschaftlichen Hintergrundes es sich leisten können, diese überflüssigen Dinge nicht verkaufen zu müssen, dann verschenken Sie sie!
Direkt bei Ihnen um die Ecke gibt es eine Menge Menschen, die das sehr gut werden brauchen können.

Überdenken Sie den Turnus Ihrer Anschaffungen und damit die Anschaffungen an sich.
Legen Sie so erspartes Geld auf Seite.

Es gibt KEINE Rechtfertigung dafür, sich alle 1-2 Jahre ein neues Smartphone zuzulegen.

Behalten Sie zudem ruhig eines der ganz alten Telefone (inklusive Ladekabel !) als Reserve.
Sie wissen schon: Eines von den Dingern, die nur 2x im Monat geladen werden müssen.
Die ein Display (monochrom) von der Größe zweier Daumennägel haben.
Die nie updates brauchen und kein Internet haben.
Die kein GPS an Bord haben.
Mit einer aufgeladenen Prepaidkarte.

Legen Sie sich einen kleinen Weinkeller an.
Eine geschützte Ecke im Stellgatter oder so tut's auch. Es gibt ungleich Sinnloseres mit seinem Geld anzufangen, als einige Flaschen Weines sein Eigen zu nennen.

Der Wein ist an dieser Stelle ein pars pro toto:
Überlegen Sie sich, was eine werthaltige Tauschware wäre, wenn Sie aus irgendeinem Grund kein Geld mehr im Portemonnaie hätten und auf absehbare Zeit auch keines mehr aus dem Automaten bekommen könnten.

(Lachen Sie nicht, die Griechen haben irrtumsbedingt auch gelacht.
Und unser Gesetzgeber sieht diese Möglichkeit explizit im Gesetz vor.)


Und nun der allerbeste und wichtigste Tipp:
Lachen Sie.
Lachen Sie jeden Tag.

Lachen Sie jeden Tag, an dem Sie können, und am Besten über all das, was sie hier 3 Tage lang zu lesen bekommen haben.
Lachen Sie.


Solange Sie können.


Kommentare:

  1. Hey...kann ich alles mehr oder weniger mit Häkchen versehen - mir fehlt nur die landwirtschaftliche Nutzfläche :-D Und auch da ließe sich was machen...Hab da Kontakte...
    Und das mit dem Lachen bekomme ich auch noch hin. Ich übe jedenfalls fleißig. Wobei ein Teil des Weinvorrates dabei ganz hilfreich ist! ;-)

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    1. Na gut, das mit der landwirtschaftlichen Nutzfläche kann man auch sexuell verstehen (siehe "Bauer sucht Frau"), aber schön, dass sich da "noch was machen ließe" ;-)).

      Und nochmal kurz im Ernst: Das mit dem Diversifizieren ist echt eine wirklich, wirklich gute Idee.
      Bravo! :-D

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  2. Was, schon vorbei? Schade ... erst die Seichtigkeit anprangern und dann selbst praktizieren?

    Nach Deinen Ausführungen bin ich auch schon auf einem guten Weg. Vermutlich sollte ich auch nicht grummeln, wenn der MmH diverse Whiskeys als Geldanlage heimbrächte.

    Das mit den Kontakten zu lokalen Erzeugern ist nicht so einfach - es gibt sie nämlich kaum noch.

    "Eingerührt" klingt im Zusammenhang auch irgendwie passend-putzig. *g*

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    1. Nanana, der mit der "Seichtigkeit" hier war jetzt aber hart!^^
      Und übrigens habndelt der MdH sogar EXTREM clever im Diversifizierungssinne - es gibt sensationelle Preissteigerungen bei manchen Whiskys!

      Zur Not kauft man halt das letzte 140-Jahre-Fass komplett selbst und fackelt anschließend die Destillerie ab - dieses letzte Fass ist dann durchaus relevanter Bestandteil der eigenen Altersvorsorge^^. Schöne Grüße an den Mann!

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    2. Also, nach Weltuntergangsszenario sind Brüste, Schnecken und Musik doch nicht gerade tiefgründig.

      Jo, erst gestern sahen wir einen Whiskey für 400+ Euro - Tendenz rasant steigend ...

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    3. Ah, jetzt verstehe ich - es hörte ursprünglich sich auf den heutigen Tagespost bezogen als "seicht" gemeint an.
      Und das Mit den Titten und Schnecken etc. ist als Service des Blogbetreibers zu verstehen - als mentaler cooldown sozusagen^^.

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  3. Lieber Rain, dann kann ich ganz beruhigt in meiner Lebensblase sitzen bleiben, alle Deine Tipps, was man sich aneignen und was man weggeben sollte, wie man einkaufen sollte, welche skills man anbieten könnte (nein, ich denke da nicht an Prostitution) beachte und befolge ich seit vielen Jahren. Einen Weinkeller hab ich auch, und das Lachen kommt mir hoffentlich nie abhanden! Danke, ich bin wirklich beruhigt.

    Ganz ehrlich - angesichts all der Dinge, die man sieht, hört und liest, reime ich mir schon lange zusammen, dass es einen großen, sehr großen Crash geben muss. Und nochmal ganz ehrlich: Er ist längst überfällig. Und dann nochmal grundehrlich: Etwas Neues, Reines, kann doch meist nur entstehen, wenn das Alte vergeht. Wenn alle mal wieder auf Stand NULL sind, und sich dessen besinnen, was wirklich zählt. Ich hege die Hoffnung, dass es so kommt. Ich befürchte allerdings, der Crash wird wieder die Reichen noch reicher und die Armen noch ärmer machen. (fly)

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    1. Das mit der Reinigung setzt aber voraus, dass das Alte beim big bang vergeht - was ich versucht habe darzustellen, war, dass "das Alte" sich gerade sehr rüstet, um uns genau diesen Gefallen nicht tun zu müssen.

      Wie auch immer - wer Wein oder Whisky hat, der kann das Gröbste abfedern^^.

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  4. Was die Beauty- und Make-up-Skills betrifft: denken Sie, dass für das älteste Gewerbe noch Geld übrig ist, wenn jeder erst einmal darauf erpicht ist, sich selbst über Wasser zu halten? Gut, man kann auch in Hühnern, Nylons und Zigaretten bezahlen, soll es ja alles schon gegeben haben. Aber ich denke, dass gerade die kommerzielle Art der Entsaftung wohl eher einen der hinteren Prioritätslistenplätze erhält.

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    1. Einspruch! DAS ist eine Sache, die es gerade in Notzeiten immer und ganz besonders geben wird. Ich glaube eher, dieses Geschäft würde blühen.

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    2. @ Dr.P.:
      DAFür ist IMMER Geld da, oder?
      In Slums gibts es ja auch nur zwei dauerhafte Gewerbe, dieses ist eines davon.

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    3. @AnnJ:
      Sehe ich genau so :-).

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