Dienstag, 20. Dezember 2016

Soulmates. Lovemates. Nomades.




"...und wenn 2 Wellen möglich sind, dann ist -wie wir uns erinnern- auch deren Vermischung möglich:
Ja, zu der kommt es sogar zwangsläufig - während also die zwei neugeborenen Photonen in entgegengesetzten Richtungen davonfliegen, befinden sie sich in einer seltsamen Quantenüberlagerung (= Quantensuperposition).
Genau wie ein einzelnes Photon sich gleichzeitig auf beiden Seiten einer Fensterscheibe befinden kann, ist die Spin-Konstellation in dem Photonenpaar
                    A= Spin-up <=> B= Spin-down"
und
                    "A= Spin-down <=> B= Spin-up ".
Vielleicht sehen sie nicht, was für eine hochexplosive Bombe da lauert!
...stellen wir bei dem aufgefangenen Photon A hingegen Spin-DOWN fest, MUSS Photon B im selben Moment anfangen, sich mit Spin-UP zu drehen.
Das Irrwitzige dabei:
Es spielt überhaupt keine Rolle, wie weit die zwei Photonen räumlich voneinander getrennt sind!
Wird bei einem von ihnen eine bestimmte Spin-Richtung konstatiert, MUSS das andere augenblicklich mit Spin in entgegengesetzter Richtung reagieren - selbst wenn die beiden sich an entgegengesetzten Enden eines Universums befinden!"
********* 

Wer hätte eine derart schöne Allegorie auf den Gleichklang zweier Seelen vermutet - in einem Buch mit quantenphysikalischem Inhalt*?

Haben Sie das auch schon einmal erlebt?
Den Gleichklang einer anderen Seele mit Ihrer?

Dieses Gefühl, sich nicht mehr erklären zu müssen?
Und trotzdem vollständig verstanden zu werden?
Wenn es Worten nicht Bedarf, sondern Blicke genügen?
Und Stunden der Gemeinsamkeit verfliegen als seien es Sekunden?
Wenn Geld und Herkunft nicht zählen, sondern nur das Innere?
Und "Glück" gleichbedeutend ist mit "zusammen sein"?

Und jetzt machen Sie bloß nicht den Fehler, "Gleichklang" zu verwechseln mit "Liebe" - das sind zwei Paar Schuhe:

Zum Einen, wenn Sie außergewöhnlich viel Glück haben (mit Realisierungschancen im Bereich eines Lottogewinnes), gehören diese Paar Schuhe zum selben Menschen, UND mit dem bleiben Sie auch noch zusammen. Ein Leben lang.

Zum Anderen, wenn Sie außergewöhnlich viel Pech haben, lernen Sie tatsächlich einen Menschen kennen, mit dem Sie gleichklingen und in den Sie sich verlieben, verlieren ihn aber irgendwann wieder aus Ihrem Leben.

Dann haben Sie verkackt - denn der Maßstab für alle Künftigen ist nun so hoch gesetzt, dass es wirklich Beziehungsarbeit erfordert, glücklich zu sein.
Und genau so fühlen sich die Beziehungen "danach" eben auch an: Nach Arbeit.

Drittens und häufigstens, Sie lernen jemanden kennen, verlieben sich, bleiben zusammen.
Nicht unbedingt ein Soulmate, aber trotzdem was Richtiges (alternativ finden Sie einen Soulmate, Keiner verliebt sich, sie haben dann einen Freund für's Leben, auch super).



Tja.

Ich lass das mal so stehen.


"Die Quantentheorie...führt zu dem Postulat, dass 2 zusammen geborene Teilchen sich nicht wie separate Entitäten, sondern für immer und ewig gewissermaßen wie siamesische Zwillinge verhalten. Ihre Eigenschaften sind unauflöslich miteinander verflochten."

*(Marcus Chown: "Intelligentes Leben im Universum")

Kommentare:

  1. Quantenverschränkung ... ein Phänomen, dass mir ein bisschen Angst macht. Denn wenn zwei Teilchen über unvorstellbare Entfernung augenblicklich miteinander interagieren, dann ist das spooky. (Einstein nannte es nicht ohne Grund "spukhafte Fernwirkung".)

    Zum anderen: Jo. Ich. Hier. Also wir. Mit allen Konsequenzen.

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    1. Die Einen nennen es spooky.
      Die anderen sagen: Das ist, was man Magie nennt.

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  2. Quantenphysik? Tatsächlich? Und ich Dussel greife noch zu Liebesromanen... ;)

    LG Anna

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    1. Ich kann nicht für die Mehrheit der populärwissenschaftlichen Literatur über Quantenphysik sprechen, bin mir aber ziemlich sicher:
      Da steckt je nach Romantikverständnis sehr viel mehr Romantik drin als in Liebesromanen.

      Und wenigstens erscheint einem Quantenphysik im Vergleich zu Liebe wenigstens einigermaßen logisch, erwartbar, nachvollziehbar.
      Muahaha.

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    2. Respekt. Mit der Antwort haben Sie mich gerade voll zum Lachen gebracht und das ist heute wahrlich nicht leicht. ;)

      Schreiben Sie morgen wieder über Quantenphysik? Faszinierendes Thema...

      LG Anna

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    3. Das freut mich - und zu der Frage: Ich weiß es noch nicht. Ich hab noch nix für morgen.
      Ich vermute, es gibt Titten.

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  3. "...denn der Maßstab für alle Künftigen ist nun so hoch gesetzt, dass es wirklich Beziehungsarbeit erfordert, glücklich zu sein."
    Da gäbe es nichts hinzuzufügen. Wenn es denn so ist. Denn ganz ehrlich: DER soulmate, wo Beziehung keine Arbeit bedeutet, den gibt es mE nicht. Wenn man das Gefühl hat, so einen soulmate zu haben, wo allein das Dasein glücklich macht, kennt man sich noch nicht ausreichend genug und lang. Meiner Erfahrung nach zumindest. Die Gefahr dabei ist, dass man diesen soulmate in seiner eigenen Welt idealisiert, vor allem, wenn man eben keine Beziehung mit ihm führt, und so das wirkliche Kennenlernen im täglichen Leben, im Alltag, im Suff, wenn essentielle Probleme auftauchen etc. ausbleibt. Und mit diesem Idealbild stolziert man dann durch die Gegend, und versucht jemanden zu finden, der all diese Wünsche und Vorstellungen, die man auf seinen soulmate projeziert hat, erfüllt. Juhu.

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    1. Das wäre natürlich auch möglich - "Niemand ist perfekt, und wenn ich jemanden perfekt finde, kenne ich ihn einfach noch nicht lange genug!"

      Umkehrschluss: Jeder, den ich nur hinreichend lange genug kenne, bedeutet Arbeit.

      (Je länger und öfter ich das lese, desto minütlich wahrer wird es.)

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  4. Sollte Dir irgendwann noch eine vierte Möglichkeit einfallen, lass es mich wissen. In der Zwischenzeit bleib ich irgendwo an der Theke stehen und versuche souverän zu gucken.

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    1. Vierte Möglichkeit. Nicht für Dich und nicht für mich, Capitano.

      Schmeiß mal die Schlechtblondierte neben Dir vom Barhocker, ich will mich zu Dir setzen.
      Gin Tonic, bitte.

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