Dienstag, 24. Januar 2017

Hotel Urea


Ich gehe auf einer grünen Wiese und muss irgendwo hin.
Aus der Tatsache, dass ich irgendetwas in den Händen trage, schließe ich das.
Schaue an mir runter und stelle fest, dass es sich um eine Milchkanne handelt.

Es ist ein warmer, sonniger Tag.
Blauer Himmel, echtes Heidi-Wetter.
Überhaupt, die Berge in der gar nicht mal so weiten Ferne - herrlich.
Das hier muss Südtirol sein, da bin ich ganz sicher.

An der rotweißen Schranke zur Straße hin hält ein Auto.
Irgendsoeine Reisschüssel, ich schaue mit zusammen gekniffenen Augen genauer hin.
Ah. Daihatsu Cuore.
Wie man so was fahren kann.

Die Schranke öffnet sich, die Parkgebühr wird entrichtet.
Ach, das hier ist nicht nur eine Wiese, sondern auch ein Parkplatz?

Die Reisschüssel fährt etwas hektisch auf mich zu und kommt unmittelbar neben mir zum Stehen.
Die Tür öffnet sich und heraus strömt laute Volksmusik.
Hansi Hinterseer, Best Of, wie ich erkenne.
("erkenne" aus Gründen, die mir ebenso rätselhaft sind wie Ihnen.)

Von den beiden Damen in der Reisschüssel steigt die Ältere aus, die Mutter, augenscheinlich.
Sie wirkt etwas fahrig und trägt eine auffaltbare Straßenkarte mit ausgestreckten Armen vor sich her.

"Entschuldigen Sie, junger Mann!"
Ach, und blind ist sie auch noch?

"Wir sind unterwegs zum Hotel UREA, aber meine Tochter und ich haben uns wohl verfahren, wie komme ich denn da hin??"

Werfe einen prüfenden Blick auf die Mutter, wonach mich die Fehlnavigation der Reisschüssel nicht mehr verwundert und danach schweift mein Blick auf die herrlichen Brüste auf dem Beifahrersitz, die an der jungen Schönheit namens Tochter vorne dran wohnen.

Ich antworte wahrheitsgemäß.
"Ein Hotel UREA, von dem habe ich noch nie etwas gehört!? Wo soll das denn sein?"

Die Dame drückt mir nun ihre Straßenkarte samt zweier Hotelprospekte in die Hand und faselt Vielerlei, angefangen von "Kurort" und endend irgendwo bei "Anwendungen" und "Heilwasser".

Der Blick auf die Hotelprospekte verrät mir:
Das Hotel heißt nicht UREA (das gibt es dort lediglich käuflich zu erwerben, vermutlich zum dreifachen Ladenpreis, im wohlfühligen Überschwang gleich im Anschluss an eine Wellness-Massage), sondern es heißt HOTEL IVY.

Zugegebenermaßen ist der Name wirklich gut versteckt, sogar auf den Hotelprospekten.
Er ist nur in Reliefbuchstaben auf dem kaminrotbraunen Prospekt eingeplottet, einer Blindenschrift nicht unähnlich.

Der Blick auf die Adresse im Prospekt verheißt Unbill.
"Es tut mir leid, aber Sie wollen nach Östereich, so wie es aussieht! Sie sind hier aber bereits in Italien! Sie sind zu weit gefahren und müssen wieder zurück."

Blässe steigt in das Gesicht der Mutter wie Frost im Zeitraffer über die Hochebenen in der Wüste.
"Aber...aber...das kann doch nicht sein....wie kommen wir denn jetzt dahin??"

Überlege mir kurz den Vorschlag einzuwerfen, dass sie "aus Sicherheitsgründen" doch erst einmal ihre Tochter hier bei mir auf der Almweise belassen könnte, um in Ruhe nach dem Hotel zu suchen.
Aber die Verzweiflung der Frau ist auch so schon groß genug, da kann ich sie jetzt nicht alleine nach Österreich schicken.

Ich bitte Sie! Nach Österreich !!

Auf der Landkarte erkenne ich, wo die Beiden falsch abgebogen sein müssen, zeige ihr den Grenzübergang und fahre mit dem Finger auf der Karte entlang, bis er am Ziel anhält.

"Das Hotel liegt etwas oberhalb vom Ort - Sie fahren die SP5 bis zum Oberwirt - und dann gleich links die enge Straße hoch. Dann darauf bleiben, bis Sie am Ziel sind!"
Manchmal überrasche ich mich selber.

Die Dame ist nun sehr erleichtert.
"Hach, da bin ich aber froh, dass wir SIE hier getroffen haben, Sie sind unser RETTER!
Sie erinnern mich so an den Hansi Hinterseer, wissen Sie das?"

Nein, das wusste ich nicht.
Und kann es auch nicht nachvollziehen.
Schon seit fast 23 Jahren habe ich eine andere Frisur.

Die Tür zu der Reisschüssel schließt sich lautstark, der Motor startet und es wird hörbar der erste
(ich hoffe der erste) Gang eingelegt, dann holpert der Daihatsu wie ein Känguruh mit Schluckauf
und gut geschüttelten Titten im Innenraum wieder von der Wiese.

Ich greife meine Milchkanne und schreite voran die Wiese hinauf.
In diesem Moment klingelt der Wecker der Gattin.

Nur, damit Sie mal sehen,
was ich so träume, wenn ich tags zuvor
die blauen Pillen geschluckt habe.

Kommentare:

  1. Blaue Pillen?? Manchmal machst Du mir doch ein bisschen Angst...😱😉
    Also MEINE Träume sind verrückter, ganz ohne chemische Zusatzstoffe 😬

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Kein Grund zur Angst.
      Solange Du nicht entkleidet und gefesselt vor mir liegst: Alles gut :-)).

      Löschen
  2. Schön, ich bin in den wirren Welten nicht allein. Allerdings brauche ich da keine Pillen für, ich krieg das auch so hin.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Vielleicht war der Zusammenhang mit der Einnahme auch eher koinzident denn kohärent^^. Ich träume nämlich öfters wild, aber fast nur morgens.

      Löschen
  3. Dann würde ich sagen versuche es doch mal mit den gelben Pillen ^^

    AntwortenLöschen
  4. Und was wird mit rosa Pillen geträumt?

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ich kenne nur EINE Sorte Dragees, die rosa ist - und da man die nur bei Magen-Darm-Beschwerden nimmt, möchte ich lieber nichts über die dann verfügbaren Träume mutmaßen^^.

      Löschen
  5. Die gelben sind gut;-)) und bitte nicht nur träumen, machen!!!!

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ich soll gelbe Pillen unklarer Wirkung nehmen?! Oder ich soll auf die Wiese, mit der Milchkanne ;-)? Ich bin verwirrt.^^

      Und willkommen im SoulBlog, stellen Sie sich auch zu mir auf die Wiese?^^

      Löschen
  6. 1. In meinen Träumen gehts bisweilen verückter zu.
    2. Egal ob mit oder ohne Pillen.
    3. Blaue Pillen? Blaue Pillen? Als ob Du die nötig hättest...
    4. Aber die Landschaft ist ja schon ein schöner Anblick.
    5. Dank an den Wecker,
    6. weil Hansi, also ehrlich echt jetzt?????????

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ganz im Ernst: Manchmal ists schon geiler mit blau. So von wegen, ich könnt jetzt eigtl. schon vorn Fernseher (weil fertig), aber Madame hat nochmal Bedarf nach hinten raus.

      Und ja, Hansi. Just because.

      Löschen

Hinterlassen Sie an dieser Stelle ruhig Ihre Gedanken - in dem Bewusstsein, dass Sie sich hier in meinem Wohnzimmer befinden und bei mir zu Gast sind.

Ich freue mich über Ihren Kommentar, wenn er dies beherzigt, aber ich lösche ihn, wenn er sein Gastrecht missbraucht.

Und sofern Sie auf Ihren Kommentar eine Antwort von mir haben möchten, erkenne ich das daran, dass er nicht anonym und ohne Namenszeichen abgegeben wurde.