Dienstag, 10. Januar 2017

Morgenspannung


Als Mann brauchen Sie keinen Wecker.
Außer, Sie haben gesoffen am Vorabend.
Aber ich selbst dann nicht.
Gerade dann nicht.

Jeden Morgen das Gleiche.
Sie könnten die verfickte Uhr danach stellen.
Wenn die sich nicht schon selber stellen würde.
Dank Funk. (Da Funk? Daft Punk?)

Vorneweg -des aufgeräumteren Grundverständnisses halber-  etwas Bildung:
Das Leben eines normalen Mannes (als wenn's den gäbe) wird unterteilt in 4 Phasen.

Phase 1: Geweckt werden durch "Windel voll".
Phase 2: Geweckt werden durch "Mami".
Phase 3: Geweckt werden durch "Rohr 1 geladen und zum Abschuss bereit, Herr KaLeun!"
Phase 4: Geweckt werden durch (siehe Phase 1)

Allen 4 Phasen gemein ist übrigens der jeweilige nächstfolgende Schritt,
meist durch eine Frau bewerkstelligt - ist Ihnen das schon mal aufgefallen?
Na sehen Sie, deshalb sind Sie ja hier.

Nach diesen einleitenden Worten wird es Sie freuen (mich auch) zu hören,
dass ich mich derzeit in Lebensphase 3 befinde.

Soll heißen, ich werden jeden Morgen geweckt, vor dem Wecker.
Leider auch dann, wenn's KEINEN Wecker gibt, wochenends zum Beispiel.
'Ist dem Prügel aber egal, was kümmern ihn Wochenend' und Ausschlafenszeit?
Allzeit bereit, sagt der Pfadfinder.

Als Pfadfinder betätigt sich seine Lordschaft dann auch auf dem Weg ins Bad.
Oder mehr so als 3D-Kompassnadel.
Sofern ich schlau war (selten also) und abends die Knöpfe, die vorne an meiner Schlafanzughose dran sind, geöffnet hatte, in weiser Voraussicht.
Dies sichert entspanntes Ausdehnen sowie einigermaßen schmerzfreies Erwachen am anderen Morgen.

Letztens war ich abends aber mal wieder das gewesen, was ich oft bin, nämlich unschlau.
Prompt war das Erwachen andernmorgens...absolut unentspannt, also gespannt.
Auch wenig elegantes nochmaliges Umdrehen im Bett half nichts.

*Seufz*
Also. Aufstehen und erstmal aufs...kraaackks!
Ja huch.
Wat'n dat?

Egal.
Weiter.
Wohin wollte ich nochmal?
Ah ja, weiter ins Bad.

"Wenn mich jetzt einer von der Seite anguckt
und ab der Hüfte aufwärts alles zu hält,
sieht er die Shilouette eines Pinguins!"

Ja-haa, so eine Scheiße fällt mir ein.
Morgens halb sieben in Deutschland.

Im Bad angekommen zerrt das Schalterlicht, dieses Grausame, all das gnadenlos in des Spiegels Antlitz, was morgens um diese Uhrzeit auf nüchternen Magen zu ertragen noch nicht Jeder zu leisten vermag
(die Mehrheit von Ihnen ist weiblich, Sie kennen das).

'Stelle in Vorbereitung der halbminütigen (ich messe das) Blasenentleerung indigniert fest, dass an der Stelle der höchsten Hosenspannung (also an vorderster Front gewissermaßen) ein mehrere Zentimeter langer Riss klafft.
Durch welchen Cthulhu in die Welt hinausschaut, zum Einsatz bereit.

Knopf samt Stoff hängen in der gegenüberliegenden Knopflochleiste.
Daneben der Riss.
Ein Mariannengraben männlicher Standfestigkeit.
Testosteronbedingte Tektonik der Schlafhose.
Auch so ein Mist, der mir morgens halb sieben einfällt.

So. Was jetzt tun damit?

Und kommen Sie mir nicht mit "Gattin aufwecken" - der Versuch, ebenjene vor dem zweiten Kaffee (und Frühstück. Und Mittagessen. Und Hausputz. Und Mails-checken. Und Duschen. Und Abendessen.)
zu kurzfristig anberaumter ehelicher Nutzung der Erfreulichkeit zu wecken, könnte mich schneller meinem potenziellen Ableben nahebringen, als Ihnen dies lieb sein kann.

Also: Wieder ins Bett legen.
Umdrehen.
Nochmal umdrehen.
Nochmal umdrehen.
Hilft nix, vor dem geistigen Auge tanzen großbrüstige langhaarige Phantasiefrauen Ballett.
Vorwiegend Spagatsprünge.

*Seufzagain*.
Also: Aufstehen. Frühstück vorbereiten.
Wenn's eh schon wach ist.

Der Pinguin stellt auf dem Weg zur Küche im Flur das fest, was er schon 100x im Flur um die Zeit morgens festgestellt hat.
Nämlich, dass der Hosengummizug der Schlafanzughose seit Monaten ausgeleiert ist.
Und die Hose ihre Haltefunktion fast ausschließlich der morgendlichen Pinguindurchblutung verdankt.

Nehme mir zum 101.sten Mal vor, die Hose zur Reparaturzwecken der Gattin auszuhändigen.
Was ich in spätestens 10 min wieder vergessen haben werde.

(Da sehen Sie mal, Futur II geht morgens auch schon bei mir.

Was so ein bisschen extra Durchblutung im Kleinhirn alles bringt.
Erstaunlich.)








Kommentare:

  1. Also echt...dem Problem kann man(n) doch Abhilfe schaffen - auch ohne Gattin, oder?? Ist doch ungesund so! 😳

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    1. Manchmal, so scheint es mir, gibt es Probleme, die hat Mann, weil Mann sie haben WILL. ^^

      [Ich jetzt weniger - bei mir löst sich das quasi auf traumhaft-elegante Weise. Ein Loblied sei den lebhaften Träumen!]

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    2. Ja, ist ungesund, zumindest auf Dauer.
      Obwohl, SO viel anders ist das ja infolge beispielweise einer Vasektomie auch nicht, das wird wohl irgendwann irgendwie alles absorbiert vom Körper...

      Also, spätestens mit Mitte achtzig ist das alles WEG!

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  2. Ich befinde mich scheinbar irgendwo zwischen Phase 3 und 4. Interessant.

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    1. Der Übergang soll bisweilen recht sprungartig sein, hört man.

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  3. Da liegt man morgens nichtsahnend im Bett, schaut kurz ins Soulblog rein und liest was vom Mariannengraben männlicher Standfestigkeit und testosteronbedingter Tektonik.

    *liegt jetzt auch lachend unterm Tisch. Mit Latte in der Hand*

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    1. Unterm Tisch mit der Latte in der Hand, das hätte auch was.
      Sofern der Fußboden beheizt ist.^^

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  4. Um diesen stofflichen Widerständen zu entfliehen habe ich mich vor Jahren entschlossen
    die nächtliche Bekleidung einfach wegzulassen. Das gibt ein ordentliches Freiheitsgefühl.
    Kann ich daher nur empfehlen. Hilft aber nicht gegen die "Morgensteifigkeit". Gefällt aber
    vielleicht der Gattin :-))

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    1. Mach ichnhier auch manchmal, das mit dem "einfach aus lassen".
      Aber eher im Sommer.
      Jetzt ist Winter und da kann der nächtliche Weg zur Toilette so gänzlich unbekleidet untenrum schon mal zum Erlebnis werden...^^

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  5. Solange Phase drei die am längsten dauernde ist, sollte doch eigentlich alles in Ordnung sein....

    Anschaffung von Schlafanzughosen mit Stretchanteil?
    Mensch sei froh, das wir in der Neuzeit leben. Stell Dir vor, Du wärst ein Ritter, und trügest eine Schamkapsel. (Die ist aus Eisen!)

    Außerdem, muss ich sagen, gehörst Du eindeutig zu den Optimisten! Und zwar deshalb: Der Pessimist zieht sich die Hosen an mit Gürtel und mit Hosenträgern. Der Optimist lässt beides weg, und sagt sich: "Irgendwo wird se schon hängenbleiben!"

    PS:
    Nicht vergessen:
    Das Beinkleid an die Gattin geben. Zum reparieren!

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    1. Ich arbeite daran, dass Phase 3 die langanhaltendste werden möge^^...
      Wie jetzt, es gibt STRETCH-Schlafhosen?! Brauch ich!

      Und der Optimist in mir gibt dann morgen mal das defekte Beinkleid der Gattin...bin mal gespannt, was die sagt, ob das noch rettbar ist...

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  6. Da hilft nur eins, Heizung an, Aphrodite lebt auf Zypern und nicht in Grönland ;-))

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    1. Also DEN fand ich jetzt mal richtig geil.^^

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