Montag, 20. Februar 2017

KcilbkcürnehcoW KW 7



Samstag:

Der Geburtstag der Gattin wird heute nachgefeiert.
An dem Tag, an dem sie tatsächlich hatte, waren über hundert messages bei ihr eingegangen,
zählt man alle Kanäle zusammen (Telefon, WhatsApp, Xing, Facebook).

Unglaublich, wer auch nach Jahren des Ausscheidens aus unserem Vertrieb noch alles an sie denkt.
Absolut irre.
Ihr gratulieren MEHR Menschen, als ICH kenne.
Was ich andererseits auch wieder verstehe: IHR würde ich auch lieber gratulieren als mir.
Sie ist einfach der nettere Mensch, glaube ich.

Es kommen abends ein paar Freunde - und ich bin gar nicht unfroh, mich ein bisschen im Vorfeld mit an den Herd zu stellen und abgelenkt zu sein.
Es gibt ein paar Salate, Pasten, Sauerteigbrot und Tsatziki, außerdem Oliven und gefüllte Kirschpaprikas und so Zeugs.

Und natürlich Fleisch.




Sonntag:

Ruhetag.
Und Pärchenzeit-Tag.
Ausdauernder und athletischer Sex mit der Gattin.



Montag:

Mal wieder so ein Glasscheibentag.

Es geht morgens los, Treffen mit Pedro, ich kriege alles nur halb mit.
Ach was, Blödsinn, ich kriege nicht mal ein Viertel mit.
Alles wie durch eine Glasscheibe, seine Worte wirken entfernt, die Zeit scheint sich zusammen zu ziehen.
Leichter Anflug von Dissoziation again.

Die Menschen um uns herum, sie wirken, als würden sie in einer S-Bahn aus Glas stehen und an mir rasch vorbeigezogen werden.
Muss mich schwer zusammenreißen auf Kurs halten, es ist schließlich sein Geburtstag, die zwei Stunden werde ich doch noch hinbekommen!?
Es klappt mehr schlecht als recht.

Nachmittags kleines Coaching um die Ecke.
Bin schlecht vorbereitet, keine Frage.
Kriege eigentlich kaum mit, was ich da erzähle.

Plötzlich ist der Versammlungsraum außer mir leer.
Offenbar sind alle gegangen?
Was bedeutet, dass ich geendet haben muss, sonst wären die ja noch hier.

Schaue auf die Uhr.
Ich bin seit dreieinhalb Stunden hier?!
Was habe ich gemacht in all der Zeit?

Der Wetterbericht lag gestern schon ganz richtig: Ein Tag zum Löschen.





Dienstag:

Nicht, dass ich einen Scheißdreck geben würde auf Valentinstage.

Aber trotzdem steckt mir der Kloß im Hals, als ich morgens zum Frühstück komme und da steht eine kleine hölzerne Schatztruhe mit Schleife drum auf meinem Platz.
Sowie ein rotes Pappherz, gefüllt mit 100 feinaufgerollten Zetteln, je zur Hälfte weiße und rötliche, für sie und ihn.
Ein Pinzette liegt bei - damit zieht man täglich abwechselnd die Zettelröllchen.
Und auf denen stehen kleine Gefälligkeiten, die man für den Partner erledigen darf.

Ich bin gerührt.
Unter Anderem von meiner eigenen Doofheit.

Ich hatte natürlich nix. Kein Geschenk, keine Blumen.
Ich hatte schon zu ihrem Geburtstag keine Blumen besorgt.
Sondern drei Tage vorher, weil es mir in meinen gottverfickten Tagesplan besser reingepasst hatte der mich derzeit kaum durchatmen lässt.

Ok, man hätte das früher erledigen können.
Ich wurde ja auch erst seit 2 vollen Wochen in PANDA POP schon auf dem Startscreen daran erinnert.
Fuck it.




Mittwoch:

Da kommt mir die für heute angesetzte ganztägige Schulungsveranstaltung gerade recht.
Nicht.
Es wird ein ziemliches Desaster, der Referent ist Kacke, obwohl ich ihn kenne und mag.
Nicht sein Traumjob, offenkundig.

Chefin verzweifelt heute an ihrer Technik.
Erst lässt sich ihr iPad nicht entsperren, der Finger wird nicht erkannt, sie guckt -zielführend, muss man zugeben- den technisch versiertesten Mann im Raum an - wie ein Hundewelpenmädchen, das gerade in den Baggersee gefallen ist.

Ich knie mich neben sie hin und frage nach dem den Fingerabdruck ersetzenden Passwort.
Sie tut das, was die meisten Frauen, die ich kenne, nun tun würden.
Sie blättert in ihrem Organizer nach ganz hinten, dort stehen fein säuberlich
ALLE Passwörter ALLER accounts handschriftlich notiert.

Jetzt kommt WIEDER was, das bei den meisten Frauen, die ich kenne, passieren würde:
Das Passwort funktioniert nicht.

Ich frage sie, ob es sein kann, dass sie bei Einrichten von iPhone und iPad die gleiche Passwortvergabe genutzt habe, üblicherweise auch das Passwort für den iCloud-account.
Die Hundewelpin schaut mich mit sehr großen Augen an und fragt, was ein iCloud-account ist.

Während ich hart die Augen zusammenkneife und mir eine Antwort überlege, die mir die Weiterbeschäftigung in diesem Laden nicht sofort verunmöglicht, macht es laut PENG und dann ist der Beamer aus.
Kollege Robbie hat sein Notebook-Netzteil in die Steckdose gesteckt und die war damit nicht uneingeschränkt einverstanden.

Jedenfalls verbreiten sich leichte Röstaromen und Noten von Isolierkabelfrittiertem im Raum.


Gute Hoffnungen auf ein frühzeitiges Ende der Schulung keimen auf.
Aber immer DANN, wenn der Haustechnik-Fritze mal nicht erreichbar sein SOLLTE, dann ist er
natürlich binnen 3 Minuten da!
Und schaltet die Stromzufuhr für den Schulungsraum wieder ein.



Donnerstag:

Bis jetzt ist der Februar mein Depri-Monat.
Zu viele Erinnerungen, und es sind nicht mal beschissene.
Es sind die schönen, die mich gelegentlich kaputt machen.

Ich weiß nie, ob mein Normalzustand (also normal-null-Level emotional) die GUTEN Tage sind, oder die SCHLECHTEN.
Nach der Häufigkeitsverteilung kann ich da nicht gehen.
Oder besser, ich sollte nicht.

Nach der emotionalen Befindlichkeit in beiden Phasen sollte ich auch nicht gehen, sonst müsste ein rational denkender Mensch sofort zum Strick greifen.
Die "guten" Phasen kommen mir bisweilen vor wie Selbstbetrug, wie ein gigantischer Euphemismus.
Nietzsche inside.

Ein Tag, dem ich nicht mal das label "Vergangenheitsbewältigung" zugestehen mag.
Der Tag kann einfach nur abgeholt und entsorgt werden.





Freitag:

Schulungen und Präsentationen geben bin ich gewohnt.
Mehr als 100 Leute in zwei Online-Veranstaltungen sind aber was Neues.
Die Assistentin und ich arbeiten gut zusammen und sie spielt mir Bälle zu, die ich dankbar verwerte.

Die Technik allerdings ist mal wieder geeignet, einen zum Amokläufer werden zu lassen.
An dem Platz, an dem ich das eMeeting abhalten soll, guckt mich ein LAN-Kabel mit abgebrochener Nase am Westernstecker an.

Der Technikfritze ist natürlich in der Frühstückspause.
Eine Stunde lang.
Ich muss tatsächlich einpacken und den Arbeitsplatz eines Kollegen beanspruchen.
Was ein Rotz.

Als es losgeht. hat sich von mir unbemerkt meine Chefin kurzfristig mit unter die eMeeting-Teilnehmer gemischt.
Ihr Einloggen muss an mir vorbei gegangen sein.

30 Sekunden nach Ende der Veranstaltung klingelt das Handy der Assistentin (meines ist ausgeschaltet) und die Chefin lässt sich an mich weiterreichen.
Ein dickes Lob und eine Runde Schulterklopfen - genau das, was ich zum Wochenende brauchen kann.

Fahre durch den Berufsverkehr heim, tausche dort die seit 5 Tagen leere Faxrolle der Vermieterin aus und mache mir vor dem PC ein dunkles Bier auf.

Lese die Kommentare zu "HOME" und beschließe, auf Weißwein umzusteigen.



Kommentare:

  1. Mir geht's mit dem Februar bislang ähnlich. Wobei ich wahrscheinlich den Januar schon wieder verdrängt habe.
    Vermutlich ist es bezeichnend, dass ich mir das mit dem Valentinstagsgeschenk Deiner Gattin ganz genau merken werde. Falls ich irgendwand mal wieder ein Geschenk brauche, dass den Eindruck erwecken soll, ich würde dazugehören, als wäre ich ein normaler Mensch. Cheerio.

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    1. Ich kann dir versichern dass ich über dieses Geschenk wirklich erstaunt gewesen bin. Und es ist wirklich eines von diesen Geschenken das den Eindruck vermittelt einem würde etwas liegen am gegenüber. cheerio

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  2. Der Februar scheint uns allen zu schaffen zu machen...Ich reihe mich auch ein. Zu viele Erinnerungen, zu viele Gedanken, zu viele Glasscheiben. Dauert ja nicht mehr lang, der olle Monat ;-)

    Zu Deiner Chefin und dem Passwort: Du kennst die falschen...Du weißt schon.

    Und der doofe Valentinstag wird doch völlig überbewertet. Solange Ihr noch so nette Pärchen-Beschäftigungen findet, ist auch ohne Blümchen alles ok. Und wenn nicht, helfen auch noch so viele Herzchen nichts.
    Dieses Jahr habe ich echt gedacht: noch nie hat so ein bekloppter ausgedachter Liebesduseleitag weniger gepasst als dieses Jahr. Egal. Wie gesagt, der Februar ist bald rum, damit der Winter - und dann geht es wieder aufwärts! (wenn ich das jetzt noch dreimal sage, glaube ich auch selbst daran ;-))

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    1. Die Aussage, dass ich die falschen Frauen kenne, höre ich jetzt nicht zum ersten Mal. Offenbar ziehe ich ein gewisses Umfeld geradezu magisch an. Egal, hauptsache der Februar ist bald vorbei.

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  3. Jetzt habe ich Hunger...

    Wie kann man um Gottes Willen seinen fuckin' Code vom iPad vergessen? Und den in einer Passwortsammlung im Organizer...???
    Mein Handy IST mein Organizer. Ach... ich gebs auf. Nimm der Chefin bitte das iPad weg, sie hat sich disqualifiziert. Und dann nehme ich es gern.

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    1. Den Code von seinem iPad vergessen ist ganz einfach, wie ich immer wieder feststellen muss. Allerdings ausschließlich in weiblichem Umfeld. Sei es, wie es ist, meine Chefin ist super. Nur eben nicht im technischen Dingen.

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