Donnerstag, 23. März 2017

Außendienst


[  Ein post für eine Leserin: 

Sie kam aus Recherchegründen auf mich zu,
wie das im Außendienst so mit der Ernährung tagsüber ist.

Den kleinen Fragenkatalog beantworte ich heute gerne online. ]



"Was isst der gute Mann (Frauen gibt's ja so gut wie keine), wie verpflegt er sich unterwegs?"

Das ist in meinen Augen EINER der Gründe, warum Dienstwagen-Außendienstjobs erdrückend mehrheitlich Männerdomänen sind:

Außerplanmäßige Toilettengänge on the road oder für den schnellen Schrottfraß zwischendurch mal eben rechts ran fahren - das geht halt eigentlich nur bei Männern.

Und die Alternative „Autobahnrastplätze“ ist nicht in ausnahmslos jedem Fall eine bessere Wahl, oft sogar die Schlechtere.

Unterwegs isst Mann, was er halt findet.
Wobei die Anspruchshaltung mit zunehmendem Alter tatsächlich gesünder und nachhaltiger wird. Genauer gesagt beginnt man irgendwann, seine Termine um die festen Malhlzeiteinnahmen drum herum zu legen^^.

Ich zumindest plane das mittlerweile mit ein.
Damit SO WAS nicht mehr passiert^^:




"Die Ration Süßkram in der Mittelkonsole oder im Kofferraum?"

In meinem Fall habe ich da nichts dergleichen, nur Pullmoll-Bonbons^^.
Meine Kollegen haben bei sich da auch nichts deponiert.
Vor zehn Jahren hatte ich aber mal so eine "Nimm 2"-Phase...;-)

"Was tust Du z. B., wenn alle erreichbaren Lokale schon zu haben?"

Das war früher sogar der Regelfall, dann bleiben nur noch die durchgängig geöffneten Cafés bzw. Backwarenverkaufsstellen, die auch den dringend benötigten Cappuchino in hoffentlich ausreichender Temperatur und Qualität bereit stellen.

Sehr oft haben aber auch diese ab mittags geschlossen, dann bleiben tatsächlich nur Tankstellen
(da muss man ja sowieso hin) oder Fast-Food-Ketten (in meinem Fall weniger als 2-3x im Jahr).

Auch Gaststätten schicken ja mehrheitlich aus Kostengründen ihre Köche zwischen 13.30  und 17.30 Uhr in die Freizeit und schließen.



"Oder wenn die Termine so blöd sind, dass gar keine Zeit zum Essen bleibt?"

Das ist zunehmend die Regel, sofern man sich nicht selbst diszipliniert und feste Pausenzeiten für Mahlzeiten einplant.
In diesen Fällen hälfe es auch nichts, eine Brotbüchse o.ä. von daheim dabei zu haben – keine Zeit zum Essen ist keine Zeit zum Essen, egal für was.

Die meisten von uns essen daher abends warm zusammen mit ihrer Frau.
Und verzichten tagsüber oftmals komplett aufs Essen.


"Ist Essen am Lenkrad normal?"

Das war es in den frühen Jahren des Außendienstes.
Aber ich habe das für mich sehr schnell abgestellt.

Weil es erstens den Anzug versaut,
zweitens fürchterlich ablenkt und
drittens sollte ein Essen, zu dem nicht wenigstens mal ein paar Minuten rechts ran gefahren werden kann, ohnehin nicht eingenommen werden, weil ungesund und in Hektik runtergeschlungen.

Statt am Lenkrad bin ich eiune zeitlang rechts raus gefahren.
Im Großraum um die B30 im Süden herum gibt es eine Menge Waldparkpätze :-).



"Wie ist etwa die Verteilung von außer Haus / zuhause?"

Es gab einige hardcore-Jahre, da war von 5 Arbeitstagen 4-5x auswärts mittags essen angesagt („Essen“ in Anführungsstrichen).
Das war einer der Gründe, weshalb ich den Job geschmissen habe.

Heute bin ich etwa 2-3x die Woche über den Mittag auswärts, aber auch das ist eine bessere Qualität als früher, denn ich plane konsequent Essenszeiten in meine Kalender ein und setze mich auch mal allein in eine Gaststätte, falls kein Geschäftspartner Zeit hat.



"Ist es dann auch schon mal was vom Discounter - schmeckt nicht, aber der Hunger treibts rein?"

Darunter verstehe ich jetzt die klassische convenience-Ware aus den Auslagen der Backwaren- bzw. Wurst- und Fleischwarenverkaufsstellen, richtig?

Das ist wie oben erwähnt manchmal die einzige Möglichkeit, überhaupt noch etwas zu essen zu bekommen.
Beispielsweise, wenn ein Termin angesetzt war von 11-12.30 Uhr, und der Kunde hat so viele Fragen, dass man erst gegen 13.30 Uhr rauskommt (was keine Seltenheit ist).
Mein Rekord "Tür-raus-beim-Kunden" war übrigens 23.10 Uhr werktags.

Dann hat man einfach Pech, denn die belegten Backwaren sind bereits Stunden alt und bestehen schon im frischen Zustand fast komplett aus Weißmehl mit Weizenkleber ;-).
Also genau das Zeug, das man NICHT essen soll.

Frische Salate zu bekommen, finde ich mehrheitlich ein Ding der Unmöglichkeit, zumal außerhalb von Städten.



"Wie hoch ist der Anteil von Leuten, die sich was zu Essen von zuhause mitnehmen?"

Sehr gering, unter den Männern bei uns.
Früher hat mir meine Frau für die ganz langen Touren eine Tupper-Box befüllt und bestand drauf, dass die abends leer war^^.

Das Zeitproblem wird aber nur selten gelöst, in dem ich Essen von daheim mitnehme, macnhmal hilft es natürlich.
In den warmen Monaten stellt sich zudem die Frage: Wie/Wo lagern?
Nicht jeder hat einen Kühlschrank im Auto.

Eine leuchtende Ausnahme im Außendienst ist meine Frau:
Die richtet sich fast jeden Abend ihre Lock&Lock-Glasbox mit Blattsalat und Hähnchenbruststreifen her (plus Möhren, Tomaten, Gurken usw.) und stellt die verschlossen in den Kühlschrank, um sie anderntags mitzunehmen.

Allerdings gebe ich zu: An jedem dritten Abend kommt sie mit der unangetasteten vollen Glasbox wieder nach Hause – weil mal wieder keine Zeit zum Essen war.


 ***

Kommentare:

  1. Nun, da muss ich nun meinen Senf dazugeben... Ich bin nicht im Außendienst, aber wir haben hier für die Mittagsküche nur so vorgekochtes gefrorenes Convenience-Essen, und bald schmeckt alles gleich. Ich habe mir angewöhnt, Sonntags und Dienstags abends zu kochen, für 2 Tage (ich esse 2 Tage hintereinander dasselbe). Morgens wärme ich mir eine Portion auf, und fülle sie hier ein: https://www.amazon.de/Thermos-Stainless-King-Isolierbeh%C3%A4lter-Mitternachtsblau/dp/B001ET6P9Q/ref=sr_1_fkmr0_3?ie=UTF8&qid=1490249995&sr=8-3-fkmr0&keywords=king+w%C3%A4rmebeh%C3%A4lter ein. (Wenn du kannst, bitte mach einen link draus, ich kanns offenbar nicht ;-). Sonst einfach bei Am*az*on (nicht mein Liebling, aber manchmal kommt man nicht drum rum) Ki*ng Wärmebehälter eingeben). Dieses Ding ist absolut dicht, auch bei Suppen, und hält gut warm, Suppen bleiben heiss, sonstiges ist esswarm nach 6 Stunden. Hält natürlich auch kühl, wenns mal ein Salat sein soll. Ein Löffel ist mit dabei.
    Ja, natürlich ist es aufwändig, vorzukochen, und morgens aufzuwärmen. Aber es lohnt sich, ich habe jeden Tag gesundes Essen von zu Hause, bin satt und brauche kein schlechtes Gewissen zu haben. Und ich mach das jetzt seit 4 Jahren, und komme gut damit zurecht. Ja, ich muss dafür eine halbe Stunde früher aufstehen. Man gewöhnt sich an alles ;-).

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    1. Das werde ich tatsächlich mal überdenken, mir so einen THERMOS anzuschaffen.
      Es kann sein, dass ich beruflich nochmal dankbar bin, so was zu besitzen.
      Kommt auf meine wishlist! :-)

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  2. Ich habe auf den Bildern einen Blackberry entdeckt. Ich dachte die sind ausgestorben

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    1. Das sind sie, und zu Recht.
      Das Foto ist aus meinem Bestand an Fotos, die ich immer wieder mal unterwegs mache.

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    2. Bei einem verbliebenen Marktanteil von <0,4% muss man wohl eher von "Reservathaltung" sprechen denn von tatsächlichem Artenschutz^^.

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  3. Wegen dem kaum zu vermeidenen "Weißmehl mit Kleber" Problem und den hohen Kosten nehme ich fast immer das Essen von zu Hause mit. Üblicherweise ganz ohne Kohlehydrate (z.B. Käsewürfel und Rohkost). Die esse ich zur Not beim Fahren, aber immer ganz langsam Stüc für Stück.

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    1. Das ist etwas, was mir EVENTUELL auch noch mal blühen könnte in meinem Arbeitsleben - die Tätigkeiten, auf die ich mich derzeit, sagen wir, "erkundige", wären mehrheitlich wieder mit "mehr Autofahrten" verbunden.

      Und dann würde ich die Notlösungen der Vergangenheit endgültig begraben und auf kohlenhydratfreie Heim-Kost umstellen. Vermutlich sogar aus einem THERMOS^^.

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  4. Ob das Intervallfasten von einem Außendienstler ins Leben gerufen wurde? Das passt doch perfekt zusammen. Immer unterwegs, kein gescheites Essen in Reichweite, also gibt's eben nichts zu essen. Einfach und genial. ;)

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    1. Ja, genau.
      "Einfach und genial".

      Wahrscheinlich ist DAS der Grund, warum wir im Außendienst alle aussehen wie Nikolaj Coster-Waldau.

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    2. ;D

      Verdammt. Jetzt habe ich doch ein bisschen Angst vor Ihnen. Zu attraktive Männer schüchtern mich ja immer ein. ;)

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    3. Ich habe AUFGEGEBEN, Ihnen keine Angst mehr einjagen zu wollen.
      Es vermag mir einfach nicht vergönnt sein...

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