Mittwoch, 26. April 2017

imhotep-3


Wie die meisten kohligen Chondrite hatte auch der Meteor imhotep-3 bereits
eine bewegte Reise hinter sich gebracht, bevor er entdeckt worden war.

Auch er war der Detonation eines roten Riesen (oder dem Zusammenstoßen zweier Sonnen) entsprungen und in einer gewaltigen Druckwelle hinfortgeschleudert worden.
So ruckartig aber ziellos beschleunigt trat er seinen Weg durch die Dunkelheit an.
Wie Milliarden andere bereits vor ihm.

Speziell bei kohligen Chondriten kann man schwer feststellen, wo sie sich befinden - aufgrund ihrer dunklen Oberfläche, die kaum ein Licht reflektiert, sind sie fast unerkennbar, wenn nicht gerade jemand sein Augenmerk (und sein Teleskop) auf sie richtet.

Zumindest so lange,  bis sie einem anderen Himmelskörper begegnen und die Folgen dieser Begegnung dann messbar (und bisweilen auch sichtbar) werden.

Im Fall von imhotep-3 war dies Ende der neunziger der Fall, als sich sein Weg mit dem eines anderen umherirrenden Himmelskörpers kreuzte, 1710-Gelsinger.
Wie man späteren Aufnahmen entnehmen konnte, muss der Zusammenprall in kürzester Zeit zunächst eine Teilverschmelzung der beiden Himmelskörper ausgelöst haben, verbunden mit massiver Hitzeentwicklung, wie Verglasungen an den Bruchstellen bezeugen.

Quasi unmittelbar danach barst das Konglomerat auseinander, dabei große Teile von imhotep-3 herausreißend und ihm eine neue Bewegungsrichtung verleihend.

Die Bahnen solcher Meteorite sind oft chaotisch und taumelnder Natur, da sie ein Spielball der Anziehungskräfte werden, welchen sie begegnen.

Im Fall von imhotep-3 hatte die Begegnung mit 1710-Gelsinger ihn in eine massiv ellipsoide Umlaufbahn in unserem Sonnensystem befördert, welche ihn mit wachsender Geschwindigkeit zur Sonne hinzog, dabei wiederholt durch die Strahlung und Gravitation Teile seiner Masse verdampfend, um ihn dann in einer diskusartigen Schleuderbewegung wieder von sich abzustoßen, hinaus in die Dunkelheit und Kälte des Raumes.

Hierbei verlangsamt sich sein Weg, da die Gravitationskräfte anderer Himmelskörper auf ihn einwirken, bis schließlich die Anziehungswirkung seiner Sonne wieder die Überhand gewinnt über die von ihr selbst ausgelöste Fluchtbewegung, und sie ihn wieder in seine Reise zurück zu ihr beruft.

So wäre es noch Millionen von Jahren weitergegangen, hätte nicht das Uhrwerk unseres Sonnensystems Anderes mit imhotep-3 vorgehabt:

Auf einem seiner vielen Ellipsenwanderungen kreuzte er irgendwann die Rotationsbahn der Erde um die Sonne - und sie erlöste ihn von seiner immerwährenden Reise, in dem sie ihn  mit ihrer Gravitation einfing, ihn ablenkte und ihm ein neues Schicksal zuteil werden ließ.

Die Sonne war lange schon in Sichtweite gekommen, als sich seine Bahn irgendwann verlangsamte und er sich zur blauen Kugel hin neigte.

Bald schon gewann ihr Einfluss die Überhand und ließ ihn Fahrt aufnehmen, immer schneller, bis er in ihre Athmosphäre eintauchte, eine große Hitze, in der die Gefahr seines völligen Auseinanderbrechens durchaus gegeben war.

Doch er verlor lediglich etwas Masse, abermals.
Der Kern jedoch hielt.

Und so kam imhotep-3 nach Jahrmillionen Reise auf die Erde (zumindest ein Teil von ihm) und aus dem Meteor wurde ein Meteorit.
Von dem sie heute lesen.



Kommentare:

  1. Antworten
    1. Dass du dir dieses Wissen aneignest, dass du die Muße hast, das zu verbloggen, und uns damit die Möglichkeit (aber darauf ist es dann auch beschränkt ;-), auf die MÖGLICHKEIT!) gibst, unser Wissen auch ein bisserl zu erweitern.

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    2. Kohlige Chondrite gibt es vermutlich 100 milliardenfach mehr als Menschen - wir sollten ihnen also mit einem gewissen Maß an Respekt begegnen^^.

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  2. Unglaublich was die Wissenschaft heute alles raus findet und weiss

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    1. Och. Ich hab mich bisher nicht als Wissenschaftler gesehen^^.

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    2. Du nicht, aber die Jungs und Mädels die das raus gefunden haben. Du kannst lediglich lesen 😉

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    3. Und verbasteln kann ich auch.

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  3. Sehr beeindruckend und klasse geschrieben!

    P.S.: Beim Lesen war mein erster Gedanke: The Story of my life!

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    1. Es freut mich wirklich, dass Du den Beitrag als das verstanden hast, was er ist.♥
      Und nichts Astronomisches^^.

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  4. Durch Zusammenstöße, Anziehung und Verschmelzung Masse
    zu verlieren und doch den Kern zu erhalten, stabil zu
    bleiben trotz aller (Ver)zerrungen. Meine Hochachtung so bei
    sich bleiben zu können.
    Ich erlebe es gerade anders herum und die
    Anziehung des Planeten, der mich eingefangen hat,
    reisst mich in Stücke. Vielleicht ist das der Sinn, vollständig
    geboren zu werden und im Lauf der Reise Masse zu
    Verlieren, bis nichts mehr bleibt.

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    1. Jein. Das ist tatsächlich so, aber zweierlei sollte man im Kopf behalten:

      1. Die Masse, die man verliert, hat dann ein anderer Himmelskörper. So gesehen bleibt ein Stück seiner selbst erhalten, wenngleich man sich den Ort dieses Verbleibs nicht hat aussuchen können.
      Wenn der Kern so erst offen gelegt wird, kann das auch durchaus Überraschendes hervorzaubern - wer hätte schon vermutet, dass der Kern der Erde aus einer riesigen reinen Eisenkugel besteht?

      2. Die Kräfte, die am Zusammenhalt dessen zerren, was beisammen WAR, sind vielleicht nur Trenner, Reiniger, Säuberer von Dingen, deren Zusammenhalt nicht für auf ewig angelegt war.
      Eventuell machen sie Platz für Neues - neue Bindungen, die einzugehen dem alten Konglomerat womöglich gar nicht möglich gewesen wären.

      Und das "nichts" im Laufe dieses Prozesses verbleibt, ist weder einem chemischen ELement noch einer Seele möglich.

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