Mittwoch, 26. Juli 2017

5 lives encore



[ Nach langer Pause mal wieder ein bisschen
Bildungsblog-content.

Auch diese 5 Persönlichkeiten waren ein Leserwunsch -
erfüllt mit der kleinen Verzögerung von mehr als sechs Monaten.


Sie sehen, mein Langzeitgedächtnis funktioniert.
Und meine Versprechen.

Das war übrigens (erst mal) das letzte "5 lives".
Die Recherchen und Zusammenfassungen dauern echt EWIG.  ]


Luisa Francia 

Theaterautorin, Drehbuchautorin, Filmregisseurin, Buchautorin (mehr als 30 Veröffentlichungen, Malerin.
Und vor allem: Hexe.

Erst studierte Germanistin, veröffentlicht sie Anfang der Achtziger ihr erstes vielbeachtetes Printwerk über die spätmittelalterliche Hexenverfolgung. Danach folgen Reisen um die Welt, vor Allem Afrika.
Sie traf dort afrikanische Hexen, entdeckte die Magie für sich - und lernte zaubern.

Ihre Begegnungen und Beobachtungen aus der Zeit in Afrika werden als schonungslos und intensiv, als betroffenmachend zusammengefasst. Die eher auf New Age und grenzwissenschaftliche Veröffentlichungen spezialisierten Verlage fassten Ihre Darstellung über Afrika im Buch XAMUMA beispielsweise zusammen mit "ein verdörrter, vergifteter Kontinent, nach wie vor die Müllkippe der westlichen Welt, zum Totenhaus bestimmt."


Ihre Bücher wenden sich an Frauen - und fordern jede Frau auf, die eigenen magischen Fähigkeiten in sich zu erspüren, zu erwecken und auch zu nutzen.
"Es ist der Mangel an Einbildungskraft, der die Menschen zu Idioten macht. Und ich bin überzeugt, dass Frauen, die ihre 5 Sinne gebrauchen, die Fähigkeit haben, ihre Wünsche Wirklichkeit werden zu lassen.

Francia betont immer wieder den handwerklichen Charakter der Magie und des Zauberns.
Sie widerspricht damit Susan Leybourne, Englands bekanntester Hexe, die auch offiziell von Universitäten und Polizei beauftragt und um Unterstützung gebeten wird (Prüfungsängste wegzaubern, Kriminalfälle lösen usw...) - diese vertritt die Auffassung, dass Magie und Hexerei nur einem kleinen Kreis von Auserwählten zuteil werden kann.

Sie sagt:
"Magie ist für mich Kommunikation in allererster Linie - das heißt, fast so etwas wie eine Übersetzungsarbeit, die Sprache von anderen Wesen verstehen lernen: Steinen, Pflanzen, Tieren. Und es ist für mich auch ein Handwerk: Rufen. Bannen. Binden. Lösen. Wandeln "

Auf JuhTjuhb finden Sie eine alte, aber interessante Doku zu der Dame und zu modernen Hexenzauber.


Charles Bukowski

Deutscher "Dichter und Schriftsteller", gestorben 1994.
Gilt laut Kritikern als "vielleicht nicht der meistgelesenste, aber in Buchhandlungen der am Häufigsten geklaute Autor der Vereinigten Staaten."
Lebte ab seinem 3. Lebensjahr in den USA, ging dort zur Schule (mit einem kompletten Jahr Ausfall wegen Akne) und studierte danach Journalismus.

Mangels schriftstellerischem Erfolg in seinen jüngeren Jahren arbeiete er mehrheitlich bei der Post als Briefzusteller, nach einer Pause später wieder als Briefsortierer.
Er bereiste einige Großstädte an der Ostküste, wo er für eine überschaubare Zeit tätig war und danach weiterzog.

Dass er mehrfach wegen Trunkenheit aufgegriffen wurde und gleichermaßen Gefängnis und Psychatrie schon als junger Mann von innen kannte, trug dazu bei, dass er bei seiner späten Musterung (im Alter 23) als für den Wehrdienst psychisch untauglich eingestuft wurde.
Erst seine letzte Beziehung (bis zu seinem Tod) hielt länger als 3 Jahre.

Als "Schreibweltmeister im Schergewicht" charakterisiert, zeichnen sich seine Bücher aus durch eine harte, scharfe Sprache und Situationsbeobachtung und keinerlei Auslassung aller menschlichen Schattierungen.

Eines der bekannteren Werke, "die Fickmaschine", kriegen Sie entweder im Buchladen oder Sie schauen beim Captn vorbei - dort steht unter Anderem dieses Werk (passend) rechts unter der Alkoholbar^^.

Ein Rezensent schrieb darüber:

Bukowskis Alter Ego quält sich als Kid Stardust im Schlachthaus mit den Ochsenhälften ab,
lebt in Persona in einem Hurenhaus, wird von seiner nymphomanen Geliebten in einen Dildo-Menschen verwandelt und lernt in einem Hotelzimmer die absolute Sexmaschine kennen".

Seinem Image als krakeelender Alkoholiker wurde er mehr als einmal gerecht.
Im Jahr 1978 gab es eine öffentliche Vorlesung in der Hamburger Markthalle, zu der
er darauf bestand, einen Kühlschrank neben den Tisch gestellt zu bekommen.
"Damit der Nachschub an Müller-Thurgau nicht abriss", schreibt Wikipedia dazu.

Sein bisweilen exzessiver Lebenswandel zeichnete sich früh in sein Gesicht.
Ein Foto von ihm im Alter 68 zeigt einen Mann, den man ohne Weiteres auf Mitte 80 schätzen würde.
Er starb im Alter von 73 Jahren an Leukämie.


Lew Tolstoi

Russischer Schriftsteller und Gesellschaftsreformer, schon zu Lebzeiten ein Star, gestorben 1910.
Zu den bekanntesten Werken zählen "Krieg und Frieden", "Anna Karenina" und "Der Tod des Iwan Iljitsch".
Tolstoi wuchs adelig auf, verlor aber mit 2 Jahren die Mutter und mit 9 Jahren den Vater.
Weibliche Verwandte erzogen ihn, schon mit 15 ging er zur Universität und studierte erst orientalische Sprache, danach Recht, was er vermutlich abbrach.

Er kehrte auf das geerbte Landgut zurück und verbrachte -je nach Quelle- die nächsten Jahre mit Müßiggang und Spielschulden, oder aber mit dem Versuch, die Lebenslagen seiner 350 mitgeerbten Leibeignen zu verbessern.

Mit 23 kam er zum Militär und ließ sich dort in aktives Kriegsgebiet versetzen.
Die Erlebnisse dort sollten ihn ein Leben lang prägen. Seine realitischen Schilderungen
der Kriegsereignisse machten ihn schnell als Schriftsteller bekannt.

Nach dem Rückzug aus dem Militärdiesnt bereiste er einige Jahre Westeuropa und fand zunehmend Gefallen an der Idee der breiten Bildung und Verbesserung der Lebensumstände für die darbende Landbevölkerung.
Wieder daheim begann er, Schulen zu Gründen und selbst Schulliteratur zu verfassen.

Mit 34 heiratete er eine 18-jährige Deutschstämmige, die ihm 13 Kinder schenkte.
In diesen Jahren enstanden seine großen Romane, die ihm endgültig literarischen Weltruhm einbrachten.

Hatte er noch Mitte der 1850er Jahre notiert "Es gibt etwas, das ich mehr liebe als das Gute, und das ist RUHM", änderte sich Ende der 1870er  mit Eintritt einer persönlichen Anschauungskrise sein Wirken:
Zu diesem Zeitpunkt hatte er bereits mehrfach die Ungleichheit der Lebensverhältnisse im Land angeklagt, auf Fleischgenuss und Völlerei konsequent verzichtet und begonnen, die Verhältnisse und Gewohnheiten in den Herrenhäusern anzuprangern.

Ab 1881 wurde die Lage kritisch für ihn, da er sich nun auch begann, mit der orthodoxen Kirche anzulegen, deren ritueller Prunk und starre Hierarchie er den einfachen Weg der schlichten Lehren Jesu gegenüberstellte.

1882 nahm er als Gehilfe bei der Volkszählung in Moskau teil,  das Elend der Arbeiter, welches er dabei sah, übertraf das der armen Bauern nochmals, seine Stimme gegen die Ungleichheit wurde lauter.
Im gleichen Jahr wurde er unter polizeiliche Überwachung gestellt, zu oft hatte er seine Mittel
und seine Prominenz genutzt, um medienwirksam auf politisch verfolgte Inhaftierte aufmerksam zu machen und sie freizubekommen.

Seine nächsten Romane wurden am Tag der Veröffentlichung verboten, 1901 exkommunizierte ihn die Kirche. In seinem Antwortscheiben bezeichnete er die kirchliche Lehre als eine Ansammlung groben Aberglaubens und Magie.

1908 überwarf er sich mit seiner Frau, die sich weigerte, seine dem russischen Volk überlassenen (millionenschweren) Werke als Volkseigentum anzuerkennen, woraufhin er mit seiner jüngsten Tochter und seinem Arzt in einem (offenen) Zug floh und unterwegs an Lungenentzündung starb.




Frida Kahlo

Bekannteste mexikanische und südamerikansiche Malerin gestorben 1954.
Ihre Kindheit verbringt sie in einem sechs-Mädchen-Haushalt, ihr Vater bringt ihr ab ihrem sechsten Lebensjahr das fotografieren, entwickeln, retuschieren bei.

Im gleichen Jahr erkrankt sie an Kinderlähmung und behält ein dünneres und kürzeres Bein davon, was sie nicht von sportlichen Aktivitäten abhält (Laufe, Schwimmen).

Mit 18 erleidet sie bei einem Busunfall schwere Verletzungen, in deren Folge
sie kinderlos bleibt, aber viel schlimmer noch immer wieder lange Zeiten in einem Metallkorsett oder Körpergips liegend verbringen muss.
Aus Langweile beginnt sie vom Bett aus, zu malen.
Sie entwickelt sich zu der bedeutendsten Surrealistin ihrer Zeit.

Anfang ihrer 20er heiratet sie den 20 Jahre älteren Maler Rivera, dessen häufige Abwesenheiten und Affären sie in den Alkohol, die Malerei und eigene zahlreiche Affären triben, unter Anderem mit dem späteren deutschen Kunstsammler Berggruen, aber auch mit anderen Frauen.

In ihren Bilder verarbeitet sie ihre Eheprobleme, ihre Schmerzen und ihre Kinderlosigkeit, viele davon sind Sebstportraits.

In den 30er-Jahren unterstützen ihr Mann und sie den russischen Revolutionär Trotzki,
mit dem sie viel Zeit verbringen.
Der chronische Leidensweg beginnt seinen Tribut zu fordern:
Auf Fotos der VOGUE in ihrem 30. Lebensjahr sieht Kahlo bereits deutlich gezeichneter und verhärmter aus als noch 5 Jahre zuvor, drei Jahre nach ihrer Hochzeit.

Als kurz vor ihrem Tot -nach etlichen Wirbelsäulen- und Bein-OPs- ihre erste Einzelausstellung in ihrer Heimat gezeigt wird, lässt sie sich im Bett zur Eröffnung tragen - kurz zuvor war ihr der Fuß amputiert worden.
Von der Unterschenkelamputation unmittelbar danach erholt sie sich nicht mehr,
sie stirbt kurz nach ihrem 47. Geburtstag an Lungenembolie oder Selbstmord (eine klärende Obduktion wurde von ihrem Mann abgelehnt).



Carole Lombard

U.S-Filmsuperstar der 30er Jahre, Ehefrau von Clark Gable, bestbezahlter weiblicher Filmstar ihrer Zeit.
Vermutlich die schönsten blauen Augen, die dieser Planet jemals bei einer Frau gesehen hat.
Gestorben mit 33 Jahren bei einem Flugzeugabsturz.

Erster Filmvertrag mit Fox im Alter von nur 16 Jahren. Zu ihrer Spezialität werden Liebeskömödien, und Screwballkomödien.
Nachdem ihr Vertrag mit 29 Jahren ausläuft, lässt sie sich für einzelne Rollen
individuell verpflichten und wird so zu bestbezahlten Schauspielerin ihrer Zeit.

Dadurch gelingt ihr auch der Sprung in ernsthaftere Rollen.
Sie spielt an der Seite von Cary Grant und James Stewart, erhält mit 29 Jahre eine Oscarnominierung als beste Hauptrolle und heiratet mit 31 Clark Gable, mit dem zusammen sie als die 30er-Jahre-Ausgabe von Brad Smith und Angelina Jolie gilt (sie spielen enefalls gemeinsam in der 30er-Jahre-
Version von "Mr. and Mrs. Smith").

Mit Alfred und Alma Hitchcock sind Beide befreundet, als Hitchcock einmal im Spaß bemerkt, Schauspieler seien "eigentlich nur Vieh", lässt Carole bei seinen Dreharbeiten zu "Mr. and Mrs. Smith" 3 Kühe am Set aufmarschieren - mit Namensschildern der Schauspieler auf dem Fell.


Clark Gable betrügt sie mit seiner 21-jährigen Filmpartnerin Lana Turner, es kommt zum Streit zwischen dem Ehepaar.
Am nächsten Tag muss Lombard auf eine Tour um Gelder für Kriegsfonds einzusammeln,
von der sie schnellstmöglich zurückkehren will, um die Ehe mit Gable zu retten.

Aus diesem Grund wählt sie einen Flug anstelle der Rückfahrt nach Kalifornien mit dem Zug, obwohl sie bereits die Zugtickets hat.
Sowohl ihre Mutter als auch der Filmpublisher sind dagegen, er selbst hatte eine Vorahnung, das Flugzeug würde abstürzen.

Lombard besteht auf das Werfen einer Münze, sie gewinnt, alle gehen an Bord.
Aufgrund ihres sehr umfangreichen Gepäcks hat die Maschine von vorneherein zu wenig Sprit und muss zwischentanken, bei dem dafür vorgesehenen Flughafen fallen aber die Landelichter aus.
So muss die Maschine umgelenkt werden, auf dem Weg über die Bergspitzen Nevadas stürzt die Maschine ab und begräbt alle 19 Insassen inklusive der 31-jährigen Lombard.

Der erschütterte Clak Gable reist zur Unfallstelle und besteigt sie, um die Überreste seiner Frau zu bergen und sie zu begraben.
Zwar heiratet er noch zwei Mal (Frauen, die Carole Lombard ähneln), aber zu seinem Tod 1960 verfügt er, neben Lombard beerdigt zu werden.




Kommentare:

  1. Ich liebe das, wenn beim Blick in den Feedreader die Sonne aufgeht. Kommt selten vor. Aber wenn, dann richtig. So auch heute. ;)

    Ein läppisches "Dankeschön" ist eigentlich nicht genug für all die Arbeit, die du dir da gemacht hast. Und ich schätze, dass so ein Post zu allem Überfluss auch noch recht leserabschreckend wirkt - zu viel Text. Bin dennoch froh, dass ich meinem Impuls damals (dich zu bitten, diese 5 lives aufgrund des zu erwartenden Arbeitsaufkommens doch unter den Tisch fallen zu lassen) nicht nachgegeben habe. Alleine wegen dieser Worte:

    "Es ist der Mangel an Einbildungskraft, der die Menschen zu (Ergänzung: stumpfsinnigen) Idioten macht."

    Also: Herzlichen Dank für diesen Post! Freue mich gerade sehr. <3

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    1. ♥ - lichen Dank für das mit der "Sonne".
      Das fand ich ebenso lieb wie...anspornend.^^

      An der Luisa Francia habe ich übrigens am Liebsten geschrieben, Bukowski und Tolstoi liefen zäh.

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  2. Am meisten berührt hat mich irgendwie die Geschichte um Carole Lombard. So sehr, dass ich gleich selber noch einiges über sie nachgelesen und mir einige Videos angeschaut habe.

    Habt Ihr mal den Film über Frida Kahlo gesehen? Mit Salma Hayek in der Rolle der Kahlo? Auch das war eine echt berührende Geschichte - ich mochte total die Umsetzung ihres Lebens in einen Film. Weit weg von Kitsch und Trash.

    Luisa Francia kannte ich bis heute noch nicht :)

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    1. Die Geschichte von Carole Lombard (und Clark Gable) hat mich auch berührt. So sehr, dass ich dachte, dass sie bei Rain (im Rahmen dieser Reihe) in guten Händen ist. ;)

      Danke dir für den Tipp! Nach dem Film werde ich mal schauen.

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    2. Es sind die traurigen Geschichten, die uns im Kopf bleiben, und letztlich traf das dieses Mal auf ALLE fünf Leben in der einen oder anderen Weise zu, wie ich gerade bemerke.

      Vielleicht bin ich ja doch offen für 5 neue Namen^^?
      Aber jeder nur EINEN!

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  3. Also wenn du mal wieder Namen sammelst und dir fehlt eventuell noch die fünfte Person würde ich gerne mal lesen was du über Vladimir Ilyich Ulyanov formulierst. Sehe es als Joker an, wenn du nicht genug findest ;-)

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  4. Ich hätte auch noch jemanden für die Liste: Rain. ;)

    [Oder verstößt das gegen die Regeln?]

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    1. DAS ist...unerwartet. Sehr!

      Lass mich ein bisschen drüber nachdenken, ok? ;-)
      Finde den Gedanken grundsätzlich aber so witzig, dass ich tatsächlich drüber nachdenkem werde...

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    2. Das hatte ich gehofft. ;)

      Habe während des Kommentierens übrigens beschlossen, dass ich für mich privat etwas ganz Ähnliches schreiben werde. Aber das kommt ins Tagebuch. In das aus Papier. ;)

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